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Erzählungen zum Reformationsjahr

 In den Geschichten des Monats besonderer Akzent beim Reformationsgeschehen

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K

    Anna von Lodron

Anna von Lodron (um 1495 -1556)

Vorüberlegungen

Anna wuchs im heutigen Trentino (früher Südtirol) auf. Die Herren von Lodron waren Lehensträger der Grafen von Eppan. 1519 heiratete Anna Georg von Frundsberg, der ebenfalls einem Tiroler Adelsgeschlecht entstammt, mit der Stammburg Freundsberg hoch über Schwaz am Inn. 1467 wechselte diese Familie zur Mindelburg bei Mindelheim im Allgäu, behielt aber neben der neuen Adelsherrschaft Mindelheim auch noch Gebiete in St. Petersburg und Sterzing, beide in Tirol. Georg wurde treuer Feldhauptmann des deutschen Kaisers und Anna war dementsprechend oft alleinige Regentin auf der Burg.

Anna zählt zu den Reformationsanhängern der ersten Stunde. Sie erfuhr viel über Luther und auch andere Reformatoren. Die ersten Jahre auf der Burg waren noch eine Zeit des Suchens nach dem überzeugenden Glaubensweg. Auch Georg war der Reformation zugetan, blieb aber letztlich doch seinen altkirchlichen Wurzeln treu.

Als in den Jahren nach 1525 die reformatorische Bewegung im Allgäu und in Schwaben viel Einfluss gewann, war das – wie auch in den süddeutschen Reichsstädten insgesamt – noch ein offenes Neben- und Miteinander von Lutheranern und Zwinglianern. Dazu kamen Anhänger der Täuferbewegung (Ablehnung der Kindertaufe zugunsten der Erwachsenentaufe), die oft von der Todesstrafe bedroht waren, auch in evangelischen Gebieten.

In ihrem Eintreten für die Reformation nutzte Anna den schmalen politischen Spielraum, der sich ihr bot: im Lavieren zwischen Duldung und Gewährenlassen einerseits und dem Vermeiden offener Konflikte mit den altgläubigen Nachbarfürsten in Bayern und Tirol.

Nach dem Tod Georgs 1528 heiratete Anna 1533 Erasmus Schenk von Limpurg, der zusammen mit Anna die Reformation im Limpurger Land gemeinsamen mit der im nahen Schwäbisch Hall vorantrieb. Aber auch hier war wieder ein sorgsames Austarieren zwischen den Ansprüchen der altgläubigen Nachbarn und dem behutsamen Dulden und Fördern der Reformation geboten. Das gilt ebenso für den Umgang mit den Täufergemeinden.

Die Erzählung stellt in der ersten Szene Annas Leben auf der Mindelburg vor und gibt Einblicke in die Aufgaben, die sie so oft in Vertretung ihres Ehemanns wahrzunehmen hatte.
Dann folgt in einem zweiten Teil ein – erdachtes – Gespräch mit Georg, das die überlieferte Zuneigung beider zum reformatorischen Geschehen zeigt, aber auch das Fragen und Suchen angesichts der unterschiedlichen Ausprägungen bei Lutheranern, Zwinglianern und der Täuferbewegung – als Spiegel dieser Vielfalt im ganzen Land. Dazu kommt auch die Spannung zwischen Georgs Sympathie für die Reformation und der für ihn unabdingbaren Kaisertreue. Das Gespräch deutet auch den Spielraum an, den Anna für ihr Fördern der Reformation hat, besonders im Hinblick auf deren ‚Mehrstimmigkeit‘.
Der dritte Erzählteil ist dann den konkreten Maßnahmen Annas gewidmet – samt den Fragen, ob und inwiefern sie in ihrem politischen Lavieren und der damit gegebenen Zurückhaltung als Förderin der Reformation gelten kann.

Literaturhinweis:
Reinhard Baumann: Anna von Lodron. Ein adeliges Frauenleben in der Reformationszeit. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2015.

Erzählung

Neu auf der Mindelburg

Als Anna am frühen Morgen aufwacht, ist sie erst noch eingefangen in ihren Traum. Sie war zuhause in ihrem Südtirol, auf der Burg ihrer Familie und kam gerade von einem ausgiebigen Ritt mit Freunden der Familie im Chiesa-Tal zurück. Sie hat noch den Blick auf die hohen Berge vor ihrem inneren Auge, die zur Grafschaft Lodron, dem Herrschaftsgebiet ihrer Eltern, gehören. Aber jetzt ist sie im Allgäu, auf der Mindelburg beim Städtchen Mindelheim. Jetzt ist sie verheiratet mit dem berühmten Soldatenanführer und Feldhauptmann Georg von Frundsberg. Erst vor wenigen Wochen wurde das große Hochzeitsfest gefeiert, mit vielen Gästen und auch Abgesandten des Kaisers. An festlich geschmückten Tischen wurde gegessen und getrunken, in den Wohnräumen der Burg getanzt und gelacht. Ein Ritterturnier zu Ehren des Brautpaars fand statt. Musikanten mit Trompeten und Posaunen, Schalmeien und Flöten, Fiedeln und Lauten und mit kräftigen Stimmen sorgten für den festlichen Rahmen. Von allen Seiten wurden ihnen Glückwünsche überbracht, auch von den Gästen aus ihren Herrschaftsgebieten in Mindelheim und Umgebung und in Tirol. Oft wurden die Weinbecher auf ihr Wohl erhoben.

Anna reibt sich die Augen. „Schluss mit den Erinnerungsträumen“, sagt sie sich. „Jetzt beginnt mein Alltag auf der Burg!“. Sie hat ja schon vor ihrer Hochzeit gewusst, dass Ehemann Georg als treuer Heerführer des Kaisers viel und meist lange unterwegs sein wird. Und so hat sie in diesen Wochen und Monaten als Chefin auf der Burg und der dazugehörenden Ländereien eine Menge zu tun. „Was wird wohl heute alles an neuen Aufgaben und Entscheidungen auf mich zukommen?“ seufzt sie leise und gibt sich gleich danach einen Ruck: „Die Leute haben mich als ihre Burgherrin so freundlich und erwartungsvoll begrüßt. Da will ich sie nicht enttäuschen!“

Bald danach ist die mit dem Hofmeister auf der Burg unterwegs. Er steht ihr bei ihren Aufgaben als Burgchefin zur Seite. Zuerst schauen sie in den Zimmern des Burgherrn nach dem Rechten. Sie gehen durch den Raum der Bibliothek. Anna wirft nur einen kurzen Blick auf die vielen Bücher in den Wandregalen und freut sich schon darauf, Zeit zum Blättern und Lesen zu haben. Bald werden dort auch Schriften der Reformatoren stehen. In der Schreibstube zeigt der Hofmeister auf einen Stapel Papier und sagt: „Da wartet allerhand Arbeit auf Euch. Ihr solltet Euch bald daran machen!“ Aber vorher verlassen sie noch das Haupthaus, gehen über den Innenhof zum mächtigen Rundturm mit der Stube für den Burgwächter und mit den Vorratskammern. Ein paar Worte mit den Leuten dort zeigen an, dass alles in Ordnung ist. „Lasst uns noch in die Vorburg mit den Wirtschaftsräumen, der Schmiede und der Schreinerei, den Ställen für die Pferde, Kühe und andere Tiere einen Blick werfen. Die Leute dort sind fleißig und freuen sich immer über einen Gruß ihrer Herrin!“ Gerne nimmt Anna den Vorschlag auf und sie verlassen über eine Brücke über einen Graben die innere Burg. Manches in der geräumigen Mindelburg ist noch immer ein bisschen fremd für Anna. Schließlich soll diese Burg ja für lange Zeit ihre neue Heimat sein.

Der Weg durch die Räume der Burg hat Anna gut getan. Jetzt ist sie in die Schreibstube zurückgekehrt. Ihr Stadt- und Landvogt Hans Haintzel als Verwalter der Ländereien ist bei ihr und hilft, sich in dem Papierstapel zurechtzufinden. „Das hier sind Abrechnungen der Bauern über ihre Lieferungen an die Burg“, sagt er. „Und das hier“, er zeigt auf andere Papiere, „ist schon schwieriger. Da geht es um Rechtsstreitigkeiten. Wir wollen ja mit dem Rat der Stadt Mindelheim gut zusammenarbeiten. Von den Zolleinnahmen der Stadt, die von den durchreisenden Kaufleuten erhoben werden, muss ein Teil an uns abgegeben werden. Aber da gibt es immer wieder Streit über die Höhe der Abgaben. Deshalb müssen wir immer wieder in aller Freundlichkeit anmahnen, dass nichts zurückbehalten wird. Und hier“, er weist auf weitere Schriftstücke, „geht es um Eure Dörfer in Tirol, die zum Besitz der Mindelburg dazugehören. Da habt Ihr das Recht, bei Streitigkeiten zum Beispiel über Erbschaften, Täuschungen oder Betrug zu entscheiden - auch wenn sich die Herren in Innsbruck immer wieder gerne in die Rechtsprechung einmischen möchten. Da gilt es in aller Freundlichkeit standhaft zu sein. Wir brauchen die gute Nachbarschaft zu unseren mächtigen Nachbarn, aber wir sollten auch unsere eigenen Rechte gut hüten“. „O je“, denkt sich Anna, da gilt es Briefe zu schreiben, bei denen ich mir jedes Wort ganz genau überlegen muss“.

Bald schwirrt Anna der Kopf von all dem, was ihr Hans Haintzel erklärt. Als in der Schreibstube dann das Tagesgeschäft erledigt ist, dankt Anna dem Vogt für seine treue Hilfe und sagt noch: „Ich habe jetzt verstanden, worauf es ankommt: Standfest müssen wir sein, wo die umliegenden Herrschaften uns etwas von unseren Rechten abzwacken wollen, wo sie uns eigene Entscheidungen aus der Hand nehmen wollen. Und freundlich und entgegenkommend müssen wir sein, denn wir brauchen unsere Nachbarn auch als Freunde, damit Frieden bestehen kann in unserem Herrschaftsbereich der Mindelburg“.

Mit Georg im Gespräch über die Reformation

Auch in den folgenden Jahren ist Georg oft lange im Auftrag des Kaisers unterwegs und Anna hat ohne ihn das Zusammenleben auf der Burg und in den Landgütern der Familie Frundsberg zu leiten. Kommt Georg dann wieder von einer seiner Reisen zurück, dann gibt es viel zu erzählen. Anna liebt die Stunden, in denen sie durch ihren Ehemann einen weiten Blick für die Ereignisse im ganzen Reich bekommt. Und sie kann sich mit Georg darüber austauschen, was ihr durch den Kopf geht.

So sitzen sie wieder einmal beisammen. Georg erzählt von seinen Erlebnissen auf dem Reichstag in Worms und dabei auch von seiner Begegnung mit Martin Luther. „Dieser Mann gefällt mir“, meint er. „Er geht geradlinig und ohne zu zögern seinen Weg, den er sich von der Bibel und ihrer Botschaft leiten lässt. Mutig fordert er eine grundlegende Reform er Kirche. Was ich als Anführer für meine Soldaten sein muss, das ist er für alle diejenigen, die mit ihm für diese Reform eintreten. Vor dem Kaiser und der großen Versammlung aller Regierenden im ganzen Reich hat er sich auf sein am Evangelium geschärftes Gewissen berufen. Das hat mich gewaltig beeindruckt. Das habe ich ihm auch gesagt“.

Anna meint: „Diese Gedanken aus der Bibel sind ja eigentlich uralt, und trotzdem sind sie so neu, dass ich mich erst damit zurechtfinden muss. Dabei hat mir unser Pfarrer Wanner sehr geholfen. Du erinnerst dich, dass er aus Kaufbeuren zu uns gekommen ist und du ihn in Mindelheim als Pfarrer eingesetzt hast. Auch er denkt so wie Luther und seine Freunde. Mir gefällt es, dass man nicht glauben muss, was einem die Priester vorschreiben. Sie begründen es damit, dass es immer so war. Aber mit dem Glauben kann doch vieles wieder ganz neu werden. Davon will ich noch viel mehr wissen. Schade, dass Johannes Wanner jetzt in Konstanz predigt“.

Georg nickt und sagt dann: „Zu lesen gibt es immerhin genug. Aber denke auch daran, dass wir die neue Botschaft nicht wie aus einem Mund gesprochen haben, sondern in vielerlei Stimmen. Wanner ist mehr als von Luther von dem Züricher Reformator Ulrich Zwingli beeinflusst worden. Und auch Martin Luther und Philipp Melanchthon, sein engster Mitarbeiter, sind nicht immer der gleichen Meinung. Die Ritter im Reich sind von Luther begeistert, weil er eine Reform im ganzen Reich will und den Papst in Rom mit scharfen Worten angreift. Aber es geht ihnen auch um ihre eigene Freiheit als Reichsritter“. Anna ergänzt: „Und du bist dem Kaiser zu treuen Diensten verpflichtet, und der will unbedingt die bisherige religiöse Einheit erhalten“. Georg nickt: „Da passt so vieles noch nicht zusammen. Luther und Melanchthon loben mich, weil ich öffentlich für sie eintrete. Aber im Grunde weiß ich noch gar nicht, auf welche Seite ich wirklich gehöre“.

Nach einer Weile des Schweigens sagt Anna noch: „Vielleicht gehört das Suchen zu dem Neuen dazu, weil es auf unsere eigene Entscheidung ankommt. Und die muss nicht bei allen gleich sein. Mir ist es wichtig, dass allen Menschen die Freiheit dazu gegeben ist. Und dazu können wir doch einiges tun!“ „Wie meinst du das?“ fragt Georg zurück. Anna sagt: Wir können den Menschen in unserem Herrschaftsbereich die Möglichkeit geben, die neue Lehre der Reformation auch in ihrer Vielfalt kennenzulernen, damit sie ihren je eigenen Glaubensweg gehen können. Da sollen lutherische Prediger zu Wort kommen und auch solche, die bei Zwingli in der Schweiz viel gelernt haben. Und auch die kleinen Grüppchen der Christen, die die Kindertaufe ablehnen, sollen bei uns nicht vertrieben werden, wie es in anderen Gegenden geschieht“. Georg nickt und meint dann noch: „Aber denke auch daran, dass unsere Nachbarn in Tirol, in Bayern und Schwaben da ganz anders denken. Wir dürfen sie uns nicht unnötig zu Feinden machen – das wäre gefährlich für unsere Freiheit. Und für mich gilt immer noch, dass ich dem Kaiser Treue geschworen habe“.

Anna bietet religiösen Flüchtlingen Schutz

Als Georg wieder einmal abgereist ist, diesmal für lange Zeit nach Itallien, steht Anna bald vor der Aufgabe, ihr Ziel auch in die Tat umzusetzen und für die Freiheit im Glauben einzutreten. Eines Tages überbringt ihr ein Bote aus Innsbruck eine Mitteilung: Ihr Verwalter auf der Burg St. Petersburg in Tirol, die zu ihrem und Georgs Herrschaftsbereich dazugehört, ist als ein Anhänger und sogar Prediger der lutherischen Lehre erkannt worden. Sie wird in deutlichen Worten aufgefordert, das zu verhindern, so wie es der Kaiser mit der Mehrheit der Fürsten für solche Fälle beschlossen hat.

Nun sitzt sie mit ihrem Stadt- und Landvogt Hans Haintzel zusammen und berät mit ihm, was sie am besten darauf antworten sollte. Der meint: „Die Regierung in Tirol hat wohl das Recht, den evangelischen Glauben in ganz Tirol zu verbieten. Aber meine Burgherrin, Ihr habt doch gut gelernt, mit freundlichen Worten nachzugeben und dennoch zugleich standhaft zu bleiben!“ Anna fragt: „Wie meint Ihr das“, und nach einer Gedankenpause redet sie selbst gleich weiter: „Mein Ehemann Georg liegt zur Zeit krank in Ferrara in Italien und kann vermutlich auf längere Zeit nicht zurückkommen. Das könnte doch ein Grund sein, erst einmal abzuwarten und Zeit zu gewinnen“. Hans Haintzel nickt zustimmend, und dann beraten sie Satz um Satz den Antwortbrief an die Regierung von Tirol. Anna schreibt: „Ich will das kaiserliche Recht wohl achten. Aber weil es hier zugleich um den Schutz unserer Untertanen geht, möchte ich eine Absetzung oder gar Vertreibung von Personen wie den Burgverwalter Erasmus Oberhauser jetzt nicht vornehmen. Denn die würde ohne Zweifel Unruhe ins Land bringen, der ich allein ohne meinen Mann nicht Herr werden kann. Ich will meinem Burgverwalter nicht Unrecht tun, will mit ihm reden und ihn auch mahnen, aber das braucht alles seine Zeit“. Der Vogt Haintzel nickt zustimmend, und Anna sagt zu ihm noch: „So versuchen wir Zeit zu gewinnen, kostbare Zeit, in der die Menschen immer wieder Neues über die frohe Botschaft der Bibel hören können. Das ist es, was ich jetzt für die Verkündigung des neuen Glaubens tun kann“.

Annas Bitte ist erfolgreich. Was dann geschieht, erfüllt sie mit Zufriedenheit, aber auch mit Sorge: Immer mehr werden Menschen aus den umliegenden Gebieten, die sich dem neuen Glauben zugewandt haben, vertrieben. In ihrem Herrschaftsgebiet, in der Stadt Mindelheim, den umliegenden Dörfern und in ihren Tiroler Ländereien finden sie Zuflucht. Anna unternimmt nichts dagegen. Geschickt verhält sie sich so, dass sie nicht wegen Missachtung des kaiserlichen Reichsrechts angeklagt werden kann. Zugleich dürfen die Leute wissen, dass sie mit ihrem Glauben unter ihrer Herrschaft zumindest vorläufig in Sicherheit sind. Niemand überprüft die Prediger, ob sie vom alten Glauben abweichen. Niemand horcht die Stadt- und Dorfbewohner in den Wirtshäusern aus, wenn sie in ihren Gesprächen auch über den neuen Glauben reden. Niemand verbietet es den Grüppchen der Kindertaufgegner, zusammenzukommen und ihre eigenen Gottesdienste zu feiern. Anna wirbt nicht laut und deutlich für den neuen Glauben. Und trotzdem tut sie viel für ihn.

Gesprächsanregungen

  • Anna war Herrin auf der Mindelburg. Wie konntest du sie auf ihrem Weg durch die Räume der Burg begleiten? Was hast du vor deinem inneren Auge gesehen?
  • Wenn ihr Ehemann Georg nicht da war, hatte Anna an seiner Stelle wichtige Entscheidungen zu treffen. An welche kannst du dich erinnern? Welche anderen könnten es wohl noch gewesen sein?
  • Der Stadt- und Landvogt Hans Haintzel riet Anna, freundlich und standhaft zugleich zu sein. Wie hat er das wohl gemeint? Wo und wann gilt das heutzutage auch noch?
  • Im Gespräch zwischen Georg und Anna ging es um den neuen Glauben und die Ereignisse der Reformation. Was konntest du erfahren, wie Anna und Georg den neuen Glauben kennengelernt und was sie dabei besonders beschäftigt hat?
  • Was Annas Förderung der Reformation betrifft, so haben Menschen über sie verschieden geurteilt. Die einen meinten, sie hätte ruhig noch mehr tun können und sich offener zum neuen Glauben bekennen sollen. Die anderen fanden genau richtig, was sie getan hat. Was spricht für die eine Meinung, was für die andere? Und was meinst du?

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© 2017 Frieder Harz