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    Elisabeth von Calenberg

Elisabeth von Calenberg - eine Herzogin als Reformatorin

Vorüberlegungen

Elisabeth von Calenberg (geboren 1510, gestorben 1558) war eine Frau mit oft gegensätzlichem Verhalten. Als strenge Herrscherin bestrafte sie die Mätresse ihres Ehemanns, indem sie diese Frau als Hexe anklagte und unbarmherzig bis zu ihrem Todesurteil verfolgte. In ihrer Spätzeit als Calenberger Herzogin hat sie ihr Land in einen Krieg zur Sicherung ihres Herrschaftsanspruchs mit einer schlimmen Vernichtungsschlacht getrieben. Sie war aber auch eine klug verhandelnde Fürstin, hat sich auf diese Weise wiederholt im Herzogtum ihren persönlichen Herrschaftsbereich gesichert, in dem sie dann unabhängig von der Zustimmung anderer ihr Reformationsprojekt in Gang setzen konnte. Der herzogliche Hof Calenberg litt unter großer Geldverschwendung und entsprechender Verschuldung. Als Folge davon musste Elisabeth das Ende ihres Lebens verarmt in Hannover verbringen. Andererseits achtete sie in den entstehenden evangelischen Kirchenordnungen auf haushälterischen Umgang mit den Finanzen im Lande.

Als 15-Jährige wurde sie aus dynastischen Gründen mit dem 55-jährigen Erich von Calenberg verheiratet. Nach dessen Tod 1540 heiratete sie Graf Poppo von Henneberg. In beiden Ehen insgesamt glücklichen Ehen erhielt sie Handlungsspielraum für ihr Lebensprojekt, das sie leidenschaftlich mit viel Hingabe verfolgte: die Verbreitung des reformatorischen Glaubens in ihrem Herzogtum.

Die Erzählung bündelt ihr reformatorisches Wirken und die damit verbundenen geschichtlichen Zusammenhänge und Details in drei Erzählabschnitten, die um 1537, 1538ff. und 1546ff. angesiedelt sind. Die einzelnen Szenen und Dialoge sind erdacht, sind aber in ihren Inhalten alle historisch belegt: der Besuch im Hause Luther und entstandene freundschaftliche Beziehungen; gemeinsame Aktivitäten mit Antonius Corvinus, dem von ihr berufenen Landessuperintendenten; Gespräche mit ihrem Mann, in dem wichtige politische Konstellationen der Reformationszeit anklingen.

Die Erzählung orientiert sich an Erfahrungen, die auch heutigen Kindern und Erwachsenen zugänglich sind: Tatendrang und Ideenreichtum; Fürsorge und Überbehütung; Enttäuschungen und Bereitschaft zum Vergeben. Je nach Altersstufe der Zuhörenden kann die Erzählung auf diese Erfahrungen fokussiert und auch reduziert, können die geschichtlichen Zusammenhänge und Details zurückgenommen oder ausgebreitet werden. In all dem geht es als roter Faden der Erzählung um Elisabeths Begeisterung für die neu entdeckte reformatorische Botschaft, deren Verkündigung in ihrem Herrschaftsbereich sie sich zur Lebensaufgabe machte und sie so zur Gründungsmutter der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wurde.

 

Erzählung – Teil 1: Ein Entschluss reift in Elisabeth

Elisabeth steht fertig zur Abreise vor dem Schreibtisch in ihrem Arbeitszimmer im Schloss von Hannoversch-Münden. Gleich wird sie sich auf den Weg zum Schloss Lichtenberg machen, zum Besuch bei ihrer Mutter, der Frau des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg. Vor ihr liegt eine große Landkarte. Sie zeigt ihr Herzogtum Calenberg, das sich von Münden im Süden über Göttingen und Hannover bis über Neustadt am Rübenberge ausdehnt. Vor etwa zehn Jahren hat sie Herzog Erich von Calenberg geheiratet und ist von Cölln bei Berlin hierher gezogen. Und jetzt geht es wieder in diese Richtung zurück bis in die Nähe von Wittenberg. „Das ist doch die Stadt der Reformation“ hat ihre erste Hofdame gemeint, die sie auf der Reise begleiten wird. „Werdet Ihr auch in diese Stadt kommen und einen Besuch bei Doktor Luther machen?“ fragt sie jetzt. „Ganz bestimmt“ antwortet Elisabeth, „denn meine Mutter und auch ihre Verwandten aus dem dänischen Königshaus sind mit Luthers freundschaftlich verbunden“. „Aber warum seid Ihr dann in der alten Lehre aufgewachsen?“ fragt ihre Begleiterin weiter.

„Davon will ich mehr erzählen, wenn wir in der Kutsche sitzen und dazu Zeit haben“, antwortet Elisabeth. Jetzt drängt die Abreise. Als dann die Räder der Kutsche rollen, erzählt sie, wie in ihrem Elternhaus des Kurfürsten von Brandenburg streng am alten Glauben festgehalten und auch die Kinder in diesem Glauben erzogen wurden. „Meine Mutter Elisabeth war zwar schon in ihrer dänischen Heimat der lutherischen Lehre zugetan“, berichtet sie, „aber sie musste es in Cölln heimlich tun. Als sie es dann offen zeigte und der Kurfürst - also mein Vater - davon erfuhr, ließ er meine Mutter einsperren“. „Wie unwürdig und hässlich“, erwidert die Hofdame. Elisabeth erzählt weiter: „Schließlich gelang meiner Mutter die Flucht zu ihrem Onkel, dem Kurfürst von Sachsen. Dort fand sie sichere Unterkunft, zuerst im Torgauer Schloss und jetzt im Schloss Lichtenberg, dem Ziel unserer Reise“. Elisabeth schweigt eine Weile, dann bricht es aus ihr heraus: „Nie, nie werde ich mich so weder von meinem Ehemann noch von sonst einem Menschen behandeln lassen. Was mir wichtig erscheint, das werde ich mit aller Macht durchsetzen“. Wieder schweigt sie. Aber die Hofdame weiß genau, was ihre Herzogin jetzt auch damit meint. Vor Jahren hatte ihr Mann, Herzog Erich, heimlich eine andere Frau. Als Elisabeth es erfuhr, hatte sie getobt und gewütet und nicht geruht, bis diese Frau mit dem Tod bestraft wurde. Die meisten am Hof waren zutiefst erschrocken darüber und wussten seither: So freundlich, warmherzig und fürsorglich die Herzogin auch zumeist ist, so streng und auch hart kann sie regieren.

Je näher die Reisenden ihrem Ziel kommen, desto neugieriger ist Elisabeth, was sie wohl bei ihrer Mutter und in dem evangelischen Wittenberg erleben wird. Endlich sind sie da. Elisabeth begrüßt ihre Mutter. Bald sitzen sie beieinander und schon wenige Tage später sind sie zu Besuch im Hause Luther. Elisabeth ist beeindruckt von dem regen Leben, das in dem ehemaligen Kloster herrscht. Studenten wohnen im Haus, gehen aus und ein. Katharina von Bora, Luthers Frau, gibt den Helfern in Haus und Garten Anweisungen. Sie nimmt von den Händlern Waren entgegen, die zur Verpflegung der großen Hausgemeinschaft nötig sind. Sie überwacht in der Küche die Zubereitung der Speisen. Die Gäste betreten die Wohnräume der Luther-Familie, lernen auch die Kinder kennen, vom zehnjährigen Hänschen bis zur Margaretha, die noch in der Wiege liegt. Sie setzen sich zum geselligen Plaudern. „Wir haben im selben Jahr geheiratet“, stellt Elisabeth überrascht fest. „Aber ich war damals erst 15 Jahre alt. Bei Fürsten ist das oft so üblich“. „Ich war damals schon 26“, lacht Katharina, „und dass ich als entlaufene Nonne einen Priester heirate, das war überhaupt nicht üblich“. Dann zeigt sie der überraschten Elisabeth den Ring, den sie von Elisabeths dänischem Onkel Christian bekommen hat. Elisabeths Mutter meint zufrieden: „Ihr beiden Frauen habt doch manches gemeinsam: Du, Elisabeth, regierst dein Land mit Entschlossenheit, Fürsorglichkeit und auch Zielstrebigkeit und Strenge. Und du, Katharina, regierst einen großen Haushaltsbetrieb mit straffer Hand, Umsicht, Aufmerksamkeit und viel Liebe“.

Am Mittagstisch, noch bevor das Essen aufgetragen wird, hält Martin, der Hausherr, eine kleine Andacht. Dann gehen die Gespräche hin und her. Von den anwesenden Studenten lässt sich Luther von ihren Fortschritten im Lernen berichten, erklärt ihnen manches. Elisabeth hört aufmerksam zu. Das alles ist so überzeugend und eindrücklich. Sie möchte unbedingt noch mehr davon erfahren. Auch andere Gäste sind da, aus verschiedenen Gegenden Deutschlands. Sie berichten, wie sich die Reformation in ihren Städten und Ländern entwickelt hat. Je mehr Elisabeth davon hört, desto klarer wird ihr: Dies alles sind gute Ratschläge, die auch sie bald in ihrem Herzogtum Calenberg brauchen kann. Denn immer deutlicher wächst in ihr der Entschluss heran: Sie wird auch in ihrer Heimat die Reformation einführen. Auf dem Weg zum Schloss und zur Schlosskirche lernt Elisabeth auch Mitarbeiter Luthers kennen und erfährt von ihren Aufgaben bei der Verbreitung des neuen Glaubens. Sie weiß, wo sie sich auch bei ihnen Rat holen kann, wenn sie ihren großen Plan verwirklichen wird.
Voller Begeisterung für die Verkündigung der frohen Botschaft, voller Ideen und Tatendrang kehrt sie in ihr eigenes Schloss in Münden zurück. Ihrem Mann Erich erzählt sie davon noch nichts. Sie muss erst selbst noch vieles über den neuen Glauben lernen. Sie weiß auch, dass Erich an seinem alten Glauben hängt. Da gibt es für sie beide noch allerhand zu bedenken.

Als dann nach einiger Zeit ihr Bruder Hans zusammen mit der Mutter zu Besuch kommt und Hans erzählt, wie er in seinem Land die Reformation eingeführt hat, da reift Elisabeths Entschluss endgültig: Calenberg wird bald evangelisch werden. Jetzt hat sie mit Erich viel zu bereden.

Gesprächsanregungen

  • Elisabeth war eine Frau mit ganz verschiedenen Eigenschaften. Welche hast du an ihr kennengelernt?
  • Wie beurteilst du diese Eigenschaften? Wie passen sie zusammen?
  • Welche dieser Eigenschaften kann sie gut für die Einführung der Reformation in ihrem Land brauchen?
  • Elisabeth und Katharina von Bora haben sich gleich gut miteinander verstanden. Kannst du dir vorstellen, warum?

Erzählung – Teil 2: Die Reformation nimmt Gestalt an

Bald nach dem Besuch der Mutter und von Bruder Hans hat Elisabeth mit ihrem Mann ein langes Gespräch. „Ich habe schon seit Längerem gespürt, dass du dich zur neuen Lehre Martin Luthers hingezogen fühlst“, sagt er. „Ich bewundere ihn durchaus, weil er so mutig das vertritt, was ihm wichtig ist. Aber erwarte bitte nicht von mir, dass ich meinen bisherigen Glauben verlasse!“ Elisabeth antwortet: „Ich bin doch auch im alten Glauben groß geworden und wir haben es mit unseren Kindern genauso gehalten. Ich habe mich früher über Luther geärgert, weil er meinen Onkel, den Bruder meines Vaters, Bischof Albrecht von Mainz, mit so bösen Worten beschimpft hat. Aber seit ich mehr von ihm und seinen Gleichgesinnten weiß, fühle ich mich so sehr hingezogen zu dieser neuen Lehre. Sie sagt uns, dass Gott uns nahe ist, dass wir das als Geschenk annehmen dürfen und nicht darum kämpfen müssen. Wir brauchen uns diese freundliche Nähe Gottes nicht mit Spenden zu erkaufen, müssen nicht Priester und Heilige um ihre Fürsprache bei Gott bitten. Das will ich ab sofort auch unseren Kindern beibringen und unseren Untertanen im ganzen Land“.

„Muss es denn so überstürzt sein?“ fragt Erich zurück. Braucht das Neue nicht Zeit zum Wachsen?“ Elisabeth schüttelt den Kopf: „Jetzt ist die Zeit reif! Das spüre ich. Und es muss ein klarer Wille sein, der unser Calenberger Volk leitet. Davon bin ich überzeugt. Und vergiss nicht: Dein Vetter Heinrich von Wolfenbüttel lauert nur darauf, die Macht über unser Herzogtum zu gewinnen. Er wird niemals der Reformation die Tür öffnen“. Erich antwortet: „Du weißt, dass ich dem Kaiser und mit ihm der alten Lehre verbunden bin. Das habe ich mit deinem Vater gemeinsam. Gemeinsam haben wir vor Jahren gekämpft. Dem Kaiser habe ich Gehorsam geschworen. Seinen Zorn zu reizen kann für uns alle gefährlich sein. Ich achte deinen neuen Glauben, aber achte du auch meine Verpflichtungen!“

Aber Elisabeth treibt die Reformation voran. Es fällt ihr nicht schwer, sich alle Schritte genau zu überlegen. Zuerst knüpft sie Kontakte zu Landgraf Philipp von Hessen, der in seinem Land schon frühzeitig die Reformation eingeführt hat. Er hat in der Gruppe der evangelischen Fürsten hohes Ansehen. Das könnte auch ihr Rückhalt geben. Sodann braucht sie einen guten Prediger des neuen Glaubens, der seine Zuhörer begeistern kann. Bald hat sie ihn mit Philipps Hilfe gefunden. Es ist Anton Rabe – er nennt sich in lateinischer Sprache Antonius Corvinus. Sie holt ihn an den Mündener Hof und macht ihn zu ihrem theologischen Berater.

Wenige Jahre später, im Jahr 1540, stirbt Erich. Zum Trauern bleibt wenig Zeit. Sohn Erich ist mit seinen 12 Jahren noch ein Kind. Wenn Vater Erichs Vetter Heinrich von Wolfenbüttel bis zum Regierungsantritt des jungen Erich Regierungsantritt das Regierungsrecht bekommt, dann ist es aus mit den Reformationsplänen. Elisabeth kämpft für ihre Reformation – und sie sichert sich geschickt die Regierungsmacht. Jetzt kann sie weiter an ihren Plänen arbeiten. Mit Magister Corvinus, der ja auch schon Landgraf Philipps Berater war, plant sie Schritt für Schritt das weitere Vorgehen.

Wieder einmal sitzt sie mit ihm im Mündener Schloss zur Beratung zusammen. Beide sind sich einig, dass eine neue, evangelische Kirchenordnung für das Land geschrieben werden muss. Gerade denken sie über die Zukunft der Klöster nach. „Ich will sie nicht abschaffen“, meint Elisabeth, „sondern sie sollen im reformatorischen Sinn umgestaltet werden“. „Das heißt“, spricht Corvinus weiter, „es geht um die Verkündigung des Evangeliums, so wie wir es bei Luther lernen“. Elisabeth nickt zustimmend und fährt fort: „Wer im Kloster bleiben will, kann es tun, aber niemand darf daran gehindert werden, das Kloster zu verlassen. Bei den Mahlzeiten soll jetzt statt Geschichten der Heiligen aus den Schriften Martin Luthers vorgelesen werden. Nach und nach sollen leer gewordene Klöster in Schulen für Jungen und Mädchen umgewandelt werden. Was die Klöster bisher an Reichtum angesammelt haben, das soll gut durchdacht für die Sorge für Arme verwendet werden“.

Corvinus meint: „Ich sehe, Ihr habt euch schon sehr gründlich in Luthers Schriften zur Durchführung der Reformation vertieft und denkt dabei bis in die Einzelheiten“. Elisabeth lacht und antwortet: „Ich will sogar abschaffen, dass der Heilige Nikolaus die Geschenke bringt. Das soll jetzt an Jesu Geburtstag am Weihnachtsfest geschehen. Jesus Christus ist unser Geschenkebringer. Darüber sollen sich schon die Kinder freuen. Auch das habe ich von Doktor Martinus gelernt“.

So arbeiten Elisabeth und Antonius zusammen. Elisabeth schreibt einen ausführlichen Brief an alle Bewohner des Herzogtums. Gemeinsam reisen die beiden durch das Land und beraten die Gemeinden. Sie freuen sich mit denen, die gerne diese neuen Wege gehen, führen einladende Gespräche mit solchen, die noch zögern oder das Neue ablehnen. Elisabeth denkt sogar noch weiter: Wenn ihr Sohn, der in einigen Jahren als Erich II neuer Herzog werden wird, sollte er so bald wie möglich heiraten. Sie fasst den Plan, die Verlobung ihres Sohns mit der Tochter Philipps von Hessen in die Wege zu leiten. Dann wären das starke evangelische Hessen mit dem gerade evangelisch werdenden Herzogtum Calenberg eng verbunden. Als die Verlobung gelingt, freut sie sich diebisch über diesen klugen Schachzug. Alles sieht gut aus, dass ihr Herzogtum Calenberg zu einem starken evangelischen Land werden kann. Aber ist ihr Wille wirklich auch der ihres Sohnes?

Gesprächsanregungen

  • Herzog Erich und auch andere warnen Elisabeth vor einer überstürzten Einführung der Reformation. „Die Zeit ist reif“ meint sie. „Die Leute brauchen Zeit für das Neue“, sagen andere. Was spricht für das eine, was für das andere? Wo braucht die Reformation energisches Eingreifen, wo geduldiges Warten?
  • Elisabeth hat genaue Vorstellungen davon, wie ihr Land evangelisch werden kann. Was erscheint ihr dabei am wichtigsten?
  • Worauf sollten Elisabeth und Antonius Corvinus deiner Meinung nach außerdem achten?
  • Alles, was Elisabeth verändern will, hat mit der frohen Botschaft der Bibel zu tun. An welchen Maßnahmen kannst du das besonders gut erkennen?

Erzählung – Teil 3: Rückschläge und Neuanfang

Jahre später sitzen Elisabeth und Antonius Corvinus wieder einmal beisammen. Aber diesmal ist alles anders als früher. Die Stimmung ist bedrückt. Lange schweigen beide, bis Elisabeth den Kopf schüttelt und sagt: „Ich versteh das nicht! Ich hab‘ doch alles dafür getan, dass mein Sohn Erich ein guter Herrscher wird und so die frohe Botschaft in unserem Land ungehindert verkündigt werden kann. Ich habe ihm eine gute Ehefrau zugedacht. Ich habe den Einfluss vom machtgierigen Vetter Heinrich von Wolfenbüttel zurückgedrängt. Ich habe meinem Sohn zum Regierungsantritt ein eigens von mir geschriebenes Regierungsbuch mit 49 Artikeln überreicht. In denen steht alles drin, was einen guten Herrscher auszeichnet – von der Gottesfurcht bis zur Sorge für Gerechtigkeit, Einigkeit und Frieden, zur Fürsorge für die Bedürftigen, Witwen, Waisen und Fremdlinge im Land, für die Alten und Kranken. Ich habe das Verbot der unbiblischen Bräuche empfohlen und für den Schutz der Prediger des Evangeliums gesorgt. Bevor Erich vom Kaiser zum Reichstag nach Regensburg gerufen wurde, haben wir ihn schwören lassen, dem evangelischen Glauben treu zu bleiben. Er hat mich sogar gebeten, in seiner Abwesenheit das Land zu regieren, und…“ Sie kommt gar nicht zum Schnaufen beim Aufzählen all des Guten, das sie für ihren Sohn Erich getan hat.

„Und jetzt“ sagt sie mit matter Stimme, „nicht nur, dass er die Verlobung mit Landgraf Philipps Tochter aufgelöst und die katholische Sidonia von Sachsen geheiratet hat. Jetzt hat er sich von den Kaiserlichen überreden lassen, wieder zum alten Glauben zurückzukehren“. Und sie ruft: „Ist es denn recht, dass er so mein ganzes Lebenswerk zerstört? Gerade ein Jahr ist er Herzog, und schon kämpft er als kaiserlicher Offizier gegen die Freunde auf unserer Seite. Er will unbedingt die evangelischen Städte bis hin zu Bremen wieder zum alten Glauben zwingen. Und ist es nicht geradezu verrückt, dass die Fürsten auf unserer evangelischen Seite jetzt in unser Land einfallen, um Erich dazu zu zwingen, sich um sein eigenes Land zu kümmern und die Kriegerei im Norden aufzuhören? Denkt er denn überhaupt nicht an mich, seine Mutter? Er zwingt mich doch dazu, darauf zu hoffen, dass er den Krieg verliert!“

Ihre abgrundtiefe Enttäuschung schüttet sie in diesen Sätzen vor ihrem Helfer und Freund Corvinus aus. Der hört aufmerksam zu und meint dann vorsichtig: „Vielleicht hat Erich unter seiner so starken, klugen, fürsorglichen Mutter gelitten? Vielleicht sucht er gerade einen anderen Weg, auf dem er sich selbst als stark erleben kann?“ Elisabeth schüttelt den Kopf: „Ich habe es doch immer nur gut mit ihm gemeint!“

Als Sohn Erich nach der endgültigen Niederlage der evangelischen Fürsten im Krieg gegen die kaiserlichen Truppen nach Münden zurückkehrt, nimmt er energisch die Regierungsgeschäfte in seine eigenen Hände. Er betreibt die Rückkehr des ganzen Landes zum alten katholischen Glauben. Elisabeth wehrt sich dagegen, so gut sie kann. Aber sie ist jetzt nicht mehr die starke Herrscherin. Wo Elisabeth die evangelisch gewordenen Städte dazu ermuntert, am neuen Glauben festzuhalten, antwortet Erich mit Strafen gegen sie. Wo sie bei weiteren Reisen Erichs zum kaiserlichen Hof versucht, die Rückkehr zum alten Glauben aufzuhalten, antwortet er mit noch stärkerer Gegenmacht. Am härtesten trifft es sie, als er Antonius Corvinus verhaften und auf unbestimmte Zeit ins Gefängnis einsperren lässt. Und als ob das noch nicht genug Leid für ihn wäre, lässt er Corvinus ganze Büchersammlung mit all den Schriften der Reformatoren verbrennen. Hilflos muss sie erfahren, dass die vielen Bücher, mit deren Hilfe sie und Corvinus die Reformation im Land vorangebracht haben, nun alle vernichtet sind. All die Bücher, in denen auch sie so gerne gelesen hatte, sind verloren

Über ihrer Enttäuschung und Verzweiflung wird Elisabeth krank. Was sie am Leben hält, ist der Trost und Lebensmut, den sie in ihrem Glauben, in ihrer Bibel findet. Immer wieder liest sie in den Mutmachgeschichten der Bibel. Laut spricht sie die Trostworte „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir. Ich helfe dir, ich bin dein Gott!“ Und das, was sie tröstet und ihr Kraft gibt, schreibt sie auch vielen anderen, die durch die Anordnungen Erichs ebenfalls in Not und Verzweiflung geraten sind. Sie schreibt den evangelischen Predigern, die auch ins Gefängnis gesteckt wurden, wendet sich tröstend an ihre Frauen und Kinder, überhaupt an all die Bürger der Städte, die ihre Freiheit verloren haben.

Doch dann geschieht das Wunderbare: Erich wendet noch einmal seine Gesinnung. Von seiner letzten Reise zum Kaiser kehrt er als ein ganz anderer zurück ins Mündener Schloss. „Erich hat sich mit dem Kaiser überworfen und ihm den Rücken gekehrt“, wird ihr von Beobachtern am Hof zugetragen. Und die Räte und Bediensteten am Hof reden untereinander ganz viel zu der einen großen Frage: „Wie wird Elisabeth ihren Sohn Erich empfangen?“
Bald sitzen die beiden, Mutter und Sohn, zusammen im Beratungszimmer des Schlosses. Elisabeth begrüßt Erich als ihren Sohn und hört ihm aufmerksam zu. Erich erzählt, wie er beim Kaiser in Ungnade gefallen ist. Er weiß auch nicht so genau, warum. „Da habe ich dem Kaiser jahrelang mit all meiner Kraft gedient“, sagt er, „bin für ihn in den Krieg gezogen, bin für ihn bis nach Spanien gereist, habe deswegen meine Familie vernachlässigt. Und jetzt auf einmal wirft mir der Kaiser vor, ich habe mein Land in Unordnung verkommen lassen. Auf einmal braucht er mich nicht mehr und wirft mich weg wie ein Stück Holz“.

Elisabeth kann ihn gut verstehen und sie verzeiht ihm, was er ihr und der Reformation im Land angetan hat. Sie versteht auch, dass Erich nicht einfach wieder zum evangelischen Glauben zurückkehrt. Aber er verspricht ihr, dass er sie beim erneuten Aufbau der evangelisch-lutherischen Kirche im Herzogtum nicht behindern wird. Obwohl er katholischer Landesherr ist, bestätigt er die erneut in Kraft gesetzte Calenberger Kirchenordnung. Er stellt seinen Untertanen frei, welcher Glaubensrichtung sie angehören wollen, der katholischen oder der evangelischen. Das Tor zur Reformation ist wieder weit geöffnet.

Gesprächsanregungen

  • Elisabeth hat es so gut mit ihrem Sohn gemeint. Sie kann nicht verstehen, dass er sich so sehr von seiner Mutter abgewendet hat. Was mag ihn wohl dazu bewegt haben?
  • Gibt es etwas, worüber du dich an Erichs Stelle auch über seine Mutter geärgert hättest?
  • Was hätte Elisabeth wohl anders machen sollen?
  • Kennst du das auch, wenn man etwas Gutes tut und keinen Dank dafür erntet?
  • Als Elisabeth die Zerstörung ihres Lebenswerks vor sich sieht, ist sie ganz verzweifelt. Was bereitet ihr wohl am meisten Kummer?
  • Elisabeth findet Trost im Glauben. Welche biblischen Geschichten und welche Bibelworte sind es wohl, die ihr neuen Mut und Hoffnung schenken?
  • Als Erich reumütig zu seiner Mutter zurückkehrt, denkt Elisabeth zuerst nach, wie sie sich ihm gegenüber verhalten soll. Welchen Rat hättest du ihr dazu gegeben?
  • Vielleicht hat sich Elisabeth an das biblische Gleichnis von einem reumütig zurückkehrenden Sohn erinnert (Lukas 15). Kennst du es? Welche Gemeinsamkeiten zwischen ihm und Erichs Rückkehr kannst du entdecken?
  • Elisabeth hat vielen Leuten in Not Trost zugesprochen. Jetzt war sie auf eine ganz andere Weise stark. Was meinst du dazu?
  • Wie hat Elisabeth zum Schluss wohl ihre Freude und ihren Dank zum Ausdruck gebracht?
  • Erich ist auch nach seiner Rückkehr nicht wieder evangelisch geworden. Wie beurteilst du das?
  • Welche Nachteile, welche Vorteile siehst du darin, dass er als katholischer Herzog den evangelischen Glauben in seinem Land anerkennt?

Literaturangaben

Ernst-August Nebe: Elisabeth. Herzogin von Calenberg. Matrix Media Verlag, Göttingen 2006.
Sonja Domröse: Frauen der Reformationszeit. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2014, 3.A

 

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© 2017 Frieder Harz