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Mutige Frauen der Reformation

 Ein Vortrag zur Bedeutung der Frauen im Reformationsgeschehen

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Theologisch-religionspädagogische Stichworte

 Neu: Beginn einer Serie mit Kurzartikeln zu wichtigen Stichworten für die religionspädagogische Theorie und Praxis in den Kitas   Neu im Mai:  'Gottesbilder' Neu im Juli:   'Gebet'    mit vielen Anregungen und Beispielen zu Gebeten in der Kita

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Erzählung des Monats Juni

Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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Erzählungen zum Reformationsjahr

 In den Geschichten des Monats besonderer Akzent beim Reformationsgeschehen

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Suchhilfe Bibelgeschichten (Altes und Neues Testament)

70 Geschichten der Bibel für das eigene Erzählen erschlossen

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    Einführung

Das Zusammenwirken von Kirchengemeinde und Kindertagesstätte ist oft von Mißverständ nissen und Schwierigkeiten belastet. Pfarrer klagen zuweilen darüber, daß sie mit dem Kin dergarten nur Mühe und Last hätten. Im Kirchengemeinderat wird gefragt: Wo tauchen denn die Eltern und Kinder in den Veranstaltungen der Gemeinde auf? Auf der Ebene der Kir chenleitung wird überlegt: Kann sich die Kirche angesichts der finanziellen Belastungen überhaupt noch Kindergärten leisten? Erzieherinnen fühlen sich von der Kirchengemeinde oft ausgenutzt. Ihr Beruf ist ein pädagogischer, das Arbeiten mit den Kindern. Etwas Religions-
pädagogik gehört auch dazu. Aber was die Kirchengemeinde will, das geht deutlich darüber hinaus, fordert Engagement über die normale Arbeitszeit hinaus. Und interessant ist für die Kirchengemeinde dann nur, was in diesem Bereich, jenseits der alltäglichen Arbeit mit den Kindern, geschieht. Für eine produktive Zusammenarbeit sind solche Gegebenheiten und Er fahrungen eine schlechte Basis.

Aber es gibt auch andere Beispiele: Im Kindergarten wird die Verabschiedung der Schulan fänger geplant. Dabei entsteht die Idee, mit allen Beteiligten einen Segensgottesdienst zu fei ern, in dem die künftigen Schulkinder ganz persönlich Gottes Segen zugesprochen bekom men. Nach anfänglichem Zögern erwärmen sich Erzieherinnen und Eltern für diesen Vor­schlag. Im Mitarbeiterkreis der Gemeinde wird die Idee vorgestellt und weiter bedacht. Der Pfarrer wird um theologische Anregungen und Hilfestellungen zum Thema Segen gebeten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde bieten ihre Hilfe bei der Gestaltung des Fe stes an. Im Gemeindebrief wird dazu eingeladen.

Welches Verständnis von Gemeinde läßt sich in diesen Beispielen erkennen?

  • Oft sind Vorstellungen von Mitte und Rand der Gemeinde leitend. Mitte der Gemeinde ist der Gottesdienst, zuerst der sog. Hauptgottesdienst, dann die anderen Gottesdienste; zum Kernbereich gehören auch die Gemeindekreise. Mehr am Rand liegen Kindergarten und Sozialstation. Sie haben mit dem Gemeindeleben weniger zu tun, sie sind vom Verkündi gungsgeschehen weiter entfernt. Wenn am Sonntag die Glocken läuten, ist die Kinderta gesstätte geschlossen.
     
  • Einrichtungen, die mehr am Rand angesiedelt sind, werden oft kritisch angefragt, ob sie denn überhaupt zur Gemeinde gehören. Sie sollen zeigen, daß sie auch mit der Mitte der Gemeinde verbunden sind. Die Anfragen lauten oft so:

    • Wo tauchen denn die Eltern und Kinder in der Gemeinde auf? Wo erscheinen sie in den
    • zentraleren Veranstaltungen der Gemeinde?
    • Wo zeigen sich die Eltern der Kirchengemeinde gegenüber erkenntlich, daß sie so viel
    • in die Kindertagesstätte investiert, so viel für die Kinder tut?
    • Werden die Eltern und Kinder, die jetzt öfter in der Gemeinde auftauchen, auch künftig
    • der Gemeinde die Treue halten?
    • Wie trägt die Kindertagesstätte zum Erscheinungsbild einer lebendigen Gemeinde bei?
    • Wo wirken die Mitarbeiterinnen bei Veranstaltungen der Gemeinde mit?
    • Lassen sie sich von der Verkündigung erreichen?
       
  • Für alle diese Vorstellungen ist bestimmend: Kirchengemeinde und Kindertagesstätte ste hen einander gegenüber. Kindertagesstätte soll sich zur Gemeinde hin in Bewegung set zen.

     
  • Das zweite Beispiel zeigt ein anderes Verständnis. Kindertagesstätte ist Gemeinde, muß es nicht erst werden. Was dort mit den Kindern und Eltern geschieht, gehört zum Auftrag der Gemeinde.

    Dieser Auftrag schließt unterschiedliche Dimensionen ein, bei denen nicht die Rangfolge ihrer Bedeutung zählt, sondern wie intensiv sie miteinander verbunden sind. Es geht in all dem, was Gemeinde tut und tun sollte, um

    Verkündigung, Weitergabe des Evangeliums
    Diakonie, Sorge um das Wohl der Menschen
    Kommunikation, Erfahrungen des Miteinanders
    Feiern, Unterbrechung des Alltags und Erleben, was unserem Leben Perspektive gibt.

    Mitte der Gemeinde ist dort, wo der Zusammenhang dieser Dimensionen besonders deut lich wird, wo das Zusammenwirken besonders gut gelingt.
  • Aus dieser Sicht hat der Kindergarten gute Chancen, „Mitte der Gemeinde“ zu sein. Wo sonst in der Gemeinde sind Menschen so viel beieinander? Wo sonst kann so ausgiebig praktiziert werden, daß Leben und Glauben zusammengehören? Wo sonst können sich Verkündigung, Sorge um das Wohl der Kinder und Eltern, Erleben von Zusammengehö rigkeit und Feiern so sehr miteinander verbinden wie in der Kindertagesstätte?
     
  • Bei den Aufgaben der Gemeinde geht es immer um Menschen. Deshalb sollte nicht von Veranstaltungsformen aus gedacht werden, sondern von dem, was die Menschen brau chen. Das gilt besonders für solche Gruppen, die sonst in unserer Gesellschaft zu wenig im Blick sind. Dazu gehören auch Familien, Kinder und ihre Eltern. Kirchengemeinde muß sich deshalb auch die Frage stellen:

    • Was kann Gottes Zuspruch und Weisung für Familien bedeuten?
    • Wo brauchen sie konkrete Hilfe und Unterstützung
    • Welche Erfahrungen von Gemeinschaft und Gemeinsamkeit brauchen Familien in
    • besonderer Weise?
    • Welche Bedeutung hat das Feiern mit Kindern und Eltern, was hilft ihnen dazu?
       
  • In der Kindertagesstätte geht es ständig um Antworten auf solche Fragen. Der Kontakt zu den Beteiligten ist eng. Immer mehr kommen neben den Kindern auch die Eltern mit ihren Bedürfnissen in den Blick. Erzieherinnen spüren besonders deutlich, wo die Problemzo nen liegen, was die Familien brauchen, in welchen Veränderungen sie stehen, welche Herausforderungen zu bewältigen sind. Mit ihrer Kindertagesstätte kann die Kirchenge meinde ihre Aufgaben an Kindern und Eltern gut wahrnehmen und annehmen. Kirche braucht Kindergärten, um ihrer Verantwortung gegenüber Kindern und Eltern gerecht zu werden.
     
  • Die Kindertagesstätte wirkt in Kirchengemeinde: der Kindergarten nimmt Aufgaben der Gemeinde wahr. Der pädagogische Auftrag des Kindergartens steht nicht quer zum theo logischen der Gemeinde, sondern beides gehört zusammen. Kindertagesstätte und Kir chengemeinde haben dieselben Ziele, sollten am selben Strang ziehen:

    • Religion und Glaube gehörten zum Leben dazu, dürfen nicht ausgeklammert werden.
    • Sorge um das Wohl der Menschen ist eine Grundaufgabe der Gemeinde.
    • Förderung des Miteinanders ist heutzutage besonders dringend, nicht nur im Blick auf
    • den Glauben.
    • Eine Kultur des Feierns tut not, in der Feste nicht nur konsumgesteuert sind, sondern
    • ihre Inhalte entfalten können.

  • Das Zusammenwirken von Kindertagesstätte und anderen Einrichtungen und Gruppen der Kirchengemeinde darf nicht von einseitigen Forderungen bestimmt sein, sondern muß als wechselseitiges Geben und Nehmen geschehen.

    • Kirche gewinnt Sensibilität für die Lebenssituationen der Kinder und Familien als be nachteiligter Gruppen in unserer Gesellschaft.
    • Kirche gewinnt Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft im Blick auf ihren Auftrag.
    • Kirche gewinnt Anregungen, den Menschen in ihre Lebenssituation hinein die gute Botschaft zu bringen, nicht als Fremdkörper, sondern als Deutung ihrer konkreten Wirklichkeit, ihrer Freude und ihrer Entbehrungen, ihrer Klage und Hoffnung.
    • Kirche gewinnt Anregungen, Kinder als Glaubende ernst zu nehmen, kind- und fami liengemäße Formen kennenzulernen, dem Glauben Ausdruck zu geben.
    • Kindertagesstätte gewinnt Unterstützung für ihren Dienst in der Gesellschaft.
    • Kindertagesstätte gewinnt Kontakte zu Menschen, Gruppen und Kreisen der Ge meinde.
    • Kindertagesstätte gewinnt Möglichkeiten der Selbstdarstellung.
    • Kindertagesstätte gewinnt Hilfestellung beim Umgang mit der religiösen Dimension.
       
  • Diese Sichtweise erfordert vielfach ein Umdenken:

    • Erzieherinnen verstehen sich als hauptamtlich Mitarbeitende in der Gemeinde, arbei ten im Austausch mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie akzeptieren, daß andere mitdenken, was in der Kindertagesstätte zu tun ist. Es kommt zu gemeinsamen Projekten mit anderen Mitarbeitenden. Mitarbeit in der Gemeinde außerhalb der Kin dertagesstätte gehört zum Dienstauftrag dazu und muß entsprechend eingeplant wer den.
    • Andere Mitarbeitende in der Gemeinde machen das Geschehen im Kindergarten auch zu ihrem Anliegen. In Mitarbeiterrunden haben die Fragen des Kindergartens ihren fe sten Platz. Erzieherinnen werden wie andere Hauptamtliche auch in den Dienst einge führt, werden wie die anderen über das Leben der Kirchengemeinde informiert.
    • Die Frage nach der Konzeption der Kindertagesstätte nimmt die Überlegungen zum Auftrag der Kirchengemeinde an den Familien mit auf. Umgekehrt läßt sich Kirchen gemeinde auf ihre Konzeption hin befragen. Wie formuliert sie ihre Aufgaben an Kin dern und Eltern, an welchem Leitbild orientiert sie sich, wie ist das Zusammenwirken all derer strukturiert, die in der Gemeinde mit Kindern und Eltern zu tun haben?
       
  • Diese Überlegungen gelten prinzipiell auch für Kindertagesstätten in kommunaler Träger schaft.

    • Auch eine Kirchengemeinde ohne eigenen Kindergarten braucht das Erfahrungsfeld der Kindertagesstätte, so wie sie im Blick auf ältere Kinder und Jugendliche das der Schule braucht. Gemeinsame Verantwortung der Kommune und der Kirchengemeinde für Kinder und Eltern nötigt zur Zusammenarbeit mit dem kommunalen Kindergarten.
    • Kindertagesstätten brauchen Öffnung ins soziale Umfeld hinein. Entsprechende An gebote der Kirchengemeinde sollten auch dem Kindergarten in kommunaler Träger schaft gelten.
    • Die religiöse Dimension gehört zum Erziehungs- und Bildungsauftrag auch des kom munalen Kindergartens. Das nötigt zur Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden.
    • Das Modell der gemeinsamen Aufgaben und des wechselseitigen Gebens und Neh mens ist eine bessere Basis für die Zusammenarbeit mit dem kommunalen Kindergar ten als das von Mitte und Rand. Kirchliche Vereinnahmung kann so vermieden wer den.

Im Folgenden werden nun die bisherigen Überlegungen hinsichtlich der vier Dimensionen von Gemeinde weiter konkretisiert. Dabei sind jeweils die folgenden drei Fragen leitend:

  • Was ist im Blick auf die Situation der Kinder und Familien festzuhalten?
  • Was kann die Kirchengemeinde von ihrer Kindertagesstätte lernen und gewinnen?
  • Was braucht die Kindertagesstätte von den anderen Gruppen und Einrichtungen der
  • Kirchengemeinde?

 

 
© 2017 Frieder Harz