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Erzählungen des Monats August

Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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Erzählungen zum Reformationsjahr

 In den Geschichten des Monats besonderer Akzent beim Reformationsgeschehen

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    Erzählung: Im Tempel wie zuhause (Lukas 2,41ff.)

Im Tempel wie zu Hause - Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lukas 2,41ff.)

Ziele:
• wahrnehmen, wie für den jungen Jesus der Tempel zu einem Ort wurde, an dem er sich wohl fühlte
• bedenken, wie ein Ort zu einem Wohlfühlort werden kann
• anhand dieser Geschichte über die Besonderheit Jesu von klein an nachdenken

Vorüberlegungen

Im ältesten Evangelium, dem des Markus, beginnt die Jesusgeschichte mit dem erwachsenen Jesus, nämlich mit dessen Taufe durch Johannes den Täufer im Jordan. Matthäus und Lukas fügen Kindheitslegenden hinzu, die Jesus schon von Beginn seines Lebens an als den kennzeichnen, der von Gott dazu bestimmt ist, den Anbruch des Reiches Gottes zu verkünden und dies in seinem Wirken anschaulich zu bestätigen. Dazu gehört auch die Erzählung von einer Wallfahrt des 12jährigen Jesus mit seinen Eltern nach Jerusalem. Während die Familien aus Nazareth zur Heimkehr aufbrechen, bleibt der junge Jesus im Tempel in ein intensives Gespräch mit Schriftgelehrten versunken. Die Eltern vermuten ihn zuerst bei mitreisenden Nachbarfamilien, kehren dann beunruhigt nach Jerusalem zurück, suchen ihn dort und finden ihn schließlich bei diesem Gespräch. Auf Vorhaltungen von Maria und Josef antwortet Jesus Wisst ihr nicht, dass ich im Hause meines Vaters sein muss? - erntet damit aber nur Unverständnis.

Es war zur Zeit Jesu üblich, dass jüdische Familien zu den hohen Festen nach Jerusalem reisten. Da die Strecke von Nazareth in die Hauptstadt etwa 100 km beträgt, wurden sicherlich nur die älteren Kinder mitgenommen. Eine besondere Zäsur im jüdischen Lebenslauf ist für einen Jungen etwa im 13. Lebensjahr die religiöse Mündigkeit, mit der er zum „Sohn des Gesetzes“ wird. Das befähigt ihn, für sein eigenes Leben und seinen Glauben selbst Verantwortung zu übernehmen. (Ab dem Mittelalter wird dies als „bar mizwa“ gefeiert.) Somit könnte Jesu Teilnahme an der Wallfahrt am Ende seiner Kindheit als besondere Vorbereitung auf dieses Ereignis verstanden werden.

So wie zur Synagoge die Lehrgespräche und auch Unterrichtsgespräche gehören, konnte das wohl auch für den Tempel gelten. Diese Umstände werden bei Jesus nun – in der biblischen Kindheitserzählung - auf seinen besonderen Auftrag und seine spätere Vollmacht von Gott hin akzentuiert.

Im Blick auf die Erzählung wird das sich Wohlfühlen im Tempel hervorgehoben, zu dem in besonderer Weise die Anerkennung als Gesprächspartner im Kreis der Schriftgelehrten gehört. Das gibt den Kindern Raum, eigene Wohlfühlorte – auch in Verbindung mit für sie wichtigen Personen - zu bedenken, als auch dem Besonderen der Person Jesu weiter nachzugehen.

 

Erzählanregung

Schon seit Wochen hat sich Jesus auf die Reise nach Jerusalem und die Besuche im Tempel gefreut. Zwölf Jahre ist er nun alt und weiß schon so viel über den Glauben an Gott. Mit seinen Eltern Maria und Josef hat er sich auf die lange Reise gemacht. Als sie endlich in der großen Stadt angekommen waren, hat er voller Erstaunen und Verwunderung die mächtigen Mauern und prächtig geschmückten Gebäude betrachtet. Ehrfürchtig betrat er die äußeren Hallen des Tempels. Dann ist bald seine Neugier in ihm aufgewacht, und er hat die einzelnen Bereiche dieses großen Bauwerks samt seinen Ecken und Winkeln erkundet. Er sah die Händler, die lautstark Opfertiere verkauften – da war es ihm zu laut und geschäftig. Wohler hat er sich dort gefühlt, wo Menschen saßen, die zusammen in den Heiligen Büchern lasen, immer wieder aufsahen und sich gegenseitig zu erklären versuchten, was sie gerade gelesen hatten. Zu solchen Ecken hat es Jesus immer wieder hingezogen. Aufmerksam hörte er bei den Gesprächen zu, machte sich seine eigenen Gedanken und freute sich, wenn andere dasselbe dachten wir er. Die anderen waren schließlich oft die Gelehrten, die sich schon seit vielen Jahren mit den Heiligen Schriften beschäftigten.

Einmal sah einer dieser klugen Männer Jesus bei solch einem Gespräch an, nickte ihm freundlich zu, und Jesus sagte, was er zu der gerade gestellten Frage dachte. Die anderen wiegten nachdenklich die Köpfe. „Das ist ein sehr guter Gedanke“, meinte einer, und Jesus freute sich über dieses Urteil.

Heute ist für Jesus und seine Familie der letzte Tag in Jerusalem. Nur noch wenige Stunden ist es bis zum Aufbruch. Dann geht es wieder nach Hause, nach Nazareth. „Lasst mich noch einmal zu den Schriftgelehrten gehen“, bettelt er bei seinen Eltern. „Ihr könnt dann auch schon losgehen, ich komme mit unseren Nachbarn hinterher“. Josef fragt erstaunt zurück: „Was ist es denn, was dich so sehr zum Tempel und zu den Leuten dort hinzieht?“ Jesus antwortet: „Ich fühle mich dort so wohl, es ist, als ob ich auch dort zu Hause bin“. Josef meint dann nur noch: „Na ja, wenn das so ist, dann wollen wir dich nicht hindern, dann kannst du ja mit den Nachbarfamilien, die nach uns aufbrechen, hinterher kommen“.

Und so sitzt Jesus wieder bei diesen Gelehrten der Heiligen Schrift. Er fühlt sich schon wie einer von ihnen. Es ist ihm, als ob er schon seit Monaten an diesen Gesprächen teilnimmt, so angenehm und vertraut sind sie ihm, so sehr fühlt er sich in diesem Kreis wohl. Dabei sind es ja erst wenige Tage. Bei jeder neuen Frage warten die Schriftgelehrten darauf, dass auch er seine Meinung dazu sagt. Manchmal widersprechen sie ihm auch. Aber auch das ist ein Zeichen dafür, wie sehr sie seine Worte ernst nehmen. Jesus merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. „Noch diese Frage“, denkt er sich, „da warten sie noch auf meine Antwort dazu“, und dann sind sie schon wieder bei der nächsten. Ach, so könnte es die ganze Zeit weitergehen! Gerade sind sie bei einer ganz kniffligen Diskussion darüber, woran man erkennen kann, dass Gott es gut mit uns Menschen meint. Immer wieder nicken sie Jesus zu und warten darauf, was er zu sagen hat. Dann teilen andere ihre Meinung mit, und auch Jesus sagt wieder etwas dazu. So geht es immer weiter, Stunde um Stunde.

Doch jetzt hört Jesus plötzlich Stimmen, die näher kommen, und er erschrickt. Diese Stimmen kennt er gut, es sind die seiner Eltern und seiner Nachbarn. Und jetzt erst fällt ihm auf, wie spät es schon ist. Stunden müssen vergangen sein. Er sollte doch schon längst mit den Nachbarn unterwegs sein zurück nach Nazareth. „Hier muss Jesus sein“, hört Jesus seine Mutter sagen. „Da war er auch in den letzten Tagen am liebsten“. Hastig verabschiedet sich Jesus von den Gelehrten, verlässt die Gesprächsrunde und geht auf seine Eltern zu.

„Da bist du ja“, ruft Josef. „Wenn du wüsstest, wo wir dich überall schon gesucht haben!“ Schnell eilen sie zu den anderen Familien, die auf dem Weg warten. Und dann erzählen die Eltern, wie sie schon vor Stunden losgezogen sind und dachten, dass Jesus mit den Nachbarn nachkommt. Und die Nachbarn erklären Jesus: „Wir wussten ja nichts davon und dachten, du bist bei deinen Eltern“. Josef erzählt weiter: „Was meinst du, welche Aufregung es gab, als wir nach Stunden auf die Nachbarn warteten und du nicht dabei warst. Deshalb sind wir den ganzen Weg wieder zurückgegangen sind, um dich zu suchen.“ - „Warum hast du uns das angetan?“ ruft Maria, „das gibt es doch nicht, dass du lieber im Tempel bist als zuhause!“ Jesus sagt darauf: „Es tut mir sehr leid, dass ich euch so viel Mühe bereitet habe. Aber ich habe mich wirklich bei den gelehrten Männern wie zuhause gefühlt und deshalb ganz und gar die Zeit vergessen. Der Tempel ist mein Zuhause, da fühle ich mich tatsächlich am wohlsten“. „In Nazareth gibt es auch Schriftgelehrte, mit denen du reden kannst“, meint Maria dann, und sie ist wohl auch stolz auf ihren Jesus, der so klug mit den Gelehrten reden kann.

„Lasst uns endlich losgehen“, mahnt Josef, wir haben schon so viel Zeit verloren. Aber in den nächsten Stunden ist Jesus in seinen Gedanken nicht bei den Schriftgelehrten in Nazareth, auch nicht in seinem Elternhaus, sondern immer noch bei den Gesprächsrunden mit den Gelehrten im Tempel. „Über was sie wohl jetzt reden“, denkt er sich und seufzt: „Ach, ich hätte mit ihnen noch so viel zu bereden gehabt!“


Gesprächsimpulse

  • Unterwegs haben die Nachbarskinder Jesus gefragt: Was war denn so toll an den Gesprächen im Tempel? Was meinst du, was Jesus ihnen geantwortet hat?
  • Was meinst du, warum die alten Gelehrten sich so gerne mit Jesus besprachen und es ihnen so wichtig war, was Jesus ihnen geantwortet hat?
  • Jesus hat gesagt, dass der Tempel für ihn wie ein neues und anderes Zuhause ist. Was alles hat es für ihn dazu gemacht, dass er sich dort so wohl fühlen konnte?
  • Kannst du dir vorstellen, dass es verschiedene Orte gibt, an denen man sich wie zuhause fühlen kann? Kennst du auch solche Orte?
  • Wie muss für dich ein Ort sein, an dem du dich so richtig wohl fühlst?
  • Zu einem Wohlfühlort gehört das Drumherum und gehören Menschen. Wie war das wohl bei Jesus im Tempel?
  • Wie ist das bei dir und deinen Wohlfühlorten?
  • Wie wichtig ist es für dich an deinen Wohlfühlorten, dass Menschen da sind, mit denen du dich gut verstehst?
  • Der Abschied von einem Wohlfühlort fällt schwer. Erzähle, wie du so etwas erlebt hast.

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© 2017 Frieder Harz