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Theologisch-religionspädagogische Stichworte

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Erzählung des Monats Juni

Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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Erzählungen zum Reformationsjahr

 In den Geschichten des Monats besonderer Akzent beim Reformationsgeschehen

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Suchhilfe Bibelgeschichten (Altes und Neues Testament)

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K

    Erzählvorschlag

Ruth: Im Vertrauen auf Gott eine neue Heimat suchen und finden

Ziel:
- In der Erzählung miterleben, wie der Aufbruch in das fremde Land zu einem guten Ziel führt
- Im Vertrauen auf einen gelingenden Neuanfang bestärkt werden


Ruth lebt mit ihrem Mann und dessen Mutter Noomi im Land Moab, weit weg von uns, aber in der Nähe von Israel, dem Land von Abraham und Sara, Mose, später auch von David und noch später von Jesus. In Moab ist Ruth zuhause. Ihr Mann und Noomi sind Ausländer, denn sie stammen aus dem Land Israel.

Ruth hört gerne zu, wenn Noomi davon erzählt, wie ihre Familie vor vielen Jahren Israel verließ, weil dort eine Hungersnot herrschte, und wie sie als Fremde in Moab eine neue Hei-mat fanden. Ruth war noch nie in einem anderen Land, und sie kann sich gar nicht so recht vorstellen, wie das ist, wenn man wohin kommt, wo Vieles anders ist als es zuhause war. Da gelten andere Gesetze, da spricht man eine andere Sprache, da gibt es anderes Essen und da gibt es auch eine andere Religion. Ruth mag Noomi gern und auch Noomi mag die Ruth. Das gilt auch für all das, was Noomi und ihr Mann aus deren Heimat Israel mitgebracht ha-ben, vor allem den Glauben an den einen Gott. Wenn Noomi und ihre Söhne zu dem einen Gott beten und Geschichten von ihm erzählen, dann sagt Ruth immer wieder: Zu diesem Gott möchte ich auch gerne gehören.
Aber dann geschieht Schlimmes: Noomis Mann und auch beide Söhne sterben, und Noomi beschließt wieder in ihre Heimat Bethlehem zurückzukehren. „Ich muss jetzt dahin zurück, wo ich herstamme“, sagt sie mit schwerem Herzen zu Ruth und der Frau ihres anderen Soh-nes. „Ich will in meiner alten Heimat den Rest meines Lebens verbringen“. Und dann sagt sie noch zu den beiden Frauen: „Geht auch ihr zurück zu euren Familien, in euer Elternhaus, wo ihr zuhause seid. Fangt dort ein neues Leben an!“

Doch Ruth schüttelt den Kopf. Sie wehrt sich gegen diesen Vorschlag. „Ich will bei dir blei-ben, ich will dich nicht verlassen!“ sagt sie zu Noomi. „Ich kann dich doch jetzt nicht im Stich lassen. Wir beide gehören doch so sehr zusammen!“ Aber Noomi antwortet: „Ich weiß, wie schwer es ist, aus der eigenen Heimat fort zu ziehen, in ein fremdes Land. Das möchte ich dir nicht zumuten. Denn meine Heimat Bethlehem wird für dich ein fremder Ort sein, mit fremden Menschen, fremden Gesetzen und fremden Gewohnheiten der Leute, die dort le-ben. Du bist noch so jung, du wirst am besten in deiner Heimat einen neuen Ehemann finden!“ Wieder schüttelt Ruth den Kopf: „Ich lasse dich nicht allein gehen. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen! Du hast mir so viel davon erzählt, wie du zu dem einen Gott gebetet hast, und wie Gott euch auf dem Weg in euer fremdes Land, unsere Heimat, begleitet hat. Das wird jetzt umgekehrt sein. Jetzt gehe ich mit dir in mein fremdes Land, das deine Heimat ist, und Gott wird uns beide beschützen, wie er damals euch beschützt hat!“

Dann machen sich die beiden auf den Weg und kommen nach vielen Tagen in Bethlehem an. Es ist dort Vieles so anders, als Ruth es sich vorgestellt hatte. Und auch für Noomi ist Vie-les anders geworden. Sie kennt kaum mehr jemand, auch für sie ist Vieles fremd. „Gott wird uns helfen!“ sagen die beiden immer wieder.

Zwar finden die beiden ein Häuschen, in dem sie wohnen können, aber wovon sollen sie leben? Immer wieder klopft Noomi mit Ruth bei ihren Verwandten an: „Habt ihr nicht eine gute Idee, wie es mit uns beiden, vor allem mit meiner Schwiegertochter Ruth weitergehen könn-te?“ Aber die wissen auch nichts. Sie schauen nur die fremde Frau Ruth aus dem Land Moab komisch an, als wollten sie sagen: „Was willst du eigentlich bei uns? Du gehörst doch nicht hierher! Unsere Völker sind doch nicht befreundet! Geh doch besser wieder zurück in deine Heimat!“ Es sind keine schönen Tage für Ruth. Was ihr Kraft gibt, ist Noomi, die fest zu ihr hält. Und gemeinsam erinnern sich die beiden an die Geschichten von Menschen, die auch ihre Heimat verlassen hatten, um im fremden Land eine neue Heimat zu finden.

„Morgen beginnt die Getreideernte“, sagt Noomi eines Tages zu Ruth. Bei uns ist es üblich, dass nach der Ernte die Armen auf die Felder gehen und die Getreidehalme aufsammeln, die übrig geblieben sind. Das gibt wieder einiges Mehl zum Brotbacken!“ – „Diese Regel ist ganz praktisch für uns“, meint Ruth, „aber lohnt sich denn die Mühe?“ Noomi spricht weiter: „Geh zuerst auf das Feld des Boas. Der ist auch mit mir verwandt. Er ist freundlich, und ich glau-be auch, dass du ihm gefällst“. Und dabei lächelt sie schelmisch. „Auf jeden Fall ist er groß-zügig und lässt bestimmt etwas Getreide für die Armen übrig“.

Und so ist es auch. Noomi und Ruth lesen auf Boas’ Feld die letzten Ähren auf. Im Laufe des Tages kommt auch Boas selbst auf den Acker, um nach seinen Arbeitern zu sehen. Er be-grüßt Noomi, lernt dann auch Ruth kennen und unterhält sich freundlich mit ihr. Am nächs-ten Tag lesen sie auf einem anderen Feld des Boas Ähren auf. Und da fällt Ruth auf, dass erstaunlich viele Ähren übrig geblieben sind. Ruth macht sich dazu ihre Gedanken.

Dann ist die Ernte zu Ende, und der Tag ist da, an dem gemeinsam das Erntefest gefeiert wird. Ruth wundert sich überhaupt nicht, dass Boas auch sie und Noomi zum Fest auf seinen Ernteplatz eingeladen hat. Ruth und Boas reden viel miteinander, singen und tanzen zusam-men mit den anderen und verstehen sich sehr gut.

Ruth denkt so vor sich hin: „Es ist zwar alles so anders als bei uns zuhause im Land Moab. Aber es ist so schön, wenn man Menschen um sich hat, die einen mögen. Da ist alles gar nicht mehr so fremd. Und sie denkt dabei an Noomi und immer mehr auch an Boas. Sie sagt im Stillen vor sich hin: „Ich glaube, dass Boas mich mag, und ich mag ihn auch. Aber ich bin doch eine Ausländerin, ich komme doch aus einem fremden Land! Ob er nicht doch lieber eine Frau aus seinem eigenen Volk heiraten wird?“

Es ist schon spät am Abend, als Noomi zu Ruth sagt: „Geh doch zu Boas! Ich glaube er war-tet auf dich!“

Gesprächsimpulse

- Ruth hat von Noomi viel darüber erfahren, wie es ist, in ein Land und zu Menschen zu kommen, die man nicht kennt.
  Wie ist das wohl bei uns?
- Ruth ist mit Noomi in deren Heimat gegangen. Sie hat sich sicherlich genau überlegt, was da auf sie zukommt. Was ist ihr da
  wohl durch den Kopf gegangen?
- Was Noomi und Ruth da gemeinsam erlebt haben, hat das auch etwas mit Gott zu tun? Was meinst du dazu?
- Ein Glück, dass es den Boas gegeben hat. Durch ihn ist für Ruth Vieles leichter ge-worden. Hast du das in der Geschichte
  gemerkt?
- Ob sich Boas wohl auch überlegt hat, ob er sich mit jemand aus der Fremde anfreun-den soll? Was ist ihm wohl durch den Kopf
  gegangen?
- Wie ist die Geschichte wohl weitergegangen?
 

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© 2017 Frieder Harz