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Aktuelles:

Erzählung des Monats Dezember

Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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Suchhilfe Bibelgeschichten (Altes und Neues Testament)

70 Geschichten der Bibel für das eigene Erzählen erschlossen

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Theologisch-religionspädagogische Stichworte

 Neu: Beginn einer Serie mit Kurzartikeln zu wichtigen Stichworten für die religionspädagogische Theorie und Praxis in den Kitas   Neu im Mai:  'Gottesbilder' Neu im Juli:   'Gebet'    mit vielen Anregungen und Beispielen zu Gebeten in der Kita

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Mutige Frauen der Reformation

 Ein Vortrag zur Bedeutung der Frauen im Reformationsgeschehen

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Reformatorengespräch

 Zum Reformationsfest ein Reformatorengespräch 

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K

    Neu anfangen können

Immer wieder neu anfangen können: 
Taufe als Zeichen der Sündenvergebung

 

1.  Meinungen und Fragen

-  In der Taufe werden einem die Sünden abgewaschen.

-  Kleine Kinder haben doch noch keine Sünde!

-  Wer nicht getauft ist, bleibt für immer mit der Erbsünde belastet.

-  Das mit der Sünde ist heute nicht mehr zeitgemäß!

 

2.  Theologische Gesichtspunkte

Die reinigende Funktion des Wassers wurde seit alters her in religiösen Riten auch auf die innere Reinigung bezogen. Johannes der Täufer sieht die Bedeutung der Taufe ausdrücklich in der Ver­gebung der Sünden. Das Untertauchen im Wasser, das "Sterben des alten Adam" (Martin Luther) meint auch das "Sterben" der eigenen Verfehlungen und Schuld. Vom Reinwaschen von der Sünde ist auch im Neuen Testament die Rede (1.Kor.6,11), und der Taufsegen spricht auch von der Verge­bung der Sünden. Die Glaubenden verlassen den Herr­schaftsbereich der Sünde und werden zu einem neuen, sündlosen Leben geboren.

Probleme allerdings ergeben sich, wenn man die Einmaligkeit der Taufe mit der Wiederkehr der Verfehlungen und Schuld im menschlichen Leben zusammensieht. Von einem sündlosen Leben nach der Taufe kann doch keine Rede sein. Oder soll man es machen die Kaiser Kon­stantin, der sich erst auf dem Sterbebett taufen ließ, um so wirklich sündlos sein Leben zu be­enden? Noch problematischer wird es bei der Kindertaufe. Welche Sünden sollen denn dem Säugling vergeben werden? Hier suchte die Lehre von der Erbsünde Klärung zu schaffen: Von Adam und Eva, vom Sündenfall im Paradies her, stünden die Nachgeborenen unter dem Fluch der Sünde. Der natürli­che Mensch werde unter diesem Fluch geboren und müsse davon befreit werden, deshalb sei auch die Sündenvergebung beim Täufling angemessen und notwendig. Die so entfaltete Erbsündenlehre und Vorstellung der Sündenvergebung in der Taufe ist aber kaum verständlich:

-   Eine Vererbung der Sünde ist kaum vorstellbar. Die Veranschaulichung der Erbsündenlehre drängte deshalb in den Bereich der Sexualität: menschliche Zeugung wurde in Verbindung mit diesem dog­matisch konzipierten Fluch gebracht, Sexualität damit abgewertet. Entstehung neuen Lebens war so nicht mehr Schöpfungsgabe Gottes, sondern mit einem tiefgehenden Ma­kel behaftet. Die historische Sexualfeindschaft der Kirche hat hier ihre Wurzeln.

-   Die Befreiung von diesem so unanschaulich-geheimnisvollen Makel durch die Taufe gewinnt so den Charakter eines ebenso geheimnisvoll, mystisch wirkenden Geschehens. Wer sich der Taufe entzieht, bleibt nach dieser Vorstellung für immer der Erbsünde verhaftet und verliert so das ewige Seelenheil. Damit rückt das Zwanghafte in den Vordergrund. Taufe wird zu einem Instru­ment der "Heilsanstalt" Kirche.

Entgegen solchen verwirrenden Missverständnissen bewahrt die Rede von der Erbsünde doch et­was auf, das für unser Leben und unseren Glauben wichtig ist. Dass wir uns als Menschen aus Schuld und Versagen nicht heraushalten können, wird wohl niemand bezweifeln. Das hat nichts mit Vererbung zu tun, sondern gehört zu unseren Lebensbedingungen. Als Menschen, die von Gott her zur Selbständigkeit und Verantwortung berufen sind, tragen wir immer auch die Mög­lichkeit falscher oder unterbliebener Entscheidungen mit uns, und diese Möglichkeit wird oft ge­nug zur Wirklichkeit. Von ihnen kann uns keine liturgische Handlung befreien. Es geht ja auch gar nicht darum, dass durch die Taufe Fehlentscheidungen, Versäumnisse, Sünden künftig unterblei­ben, sondern dass sie ihre lähmende, vereinsamende, in die Resignation trei­bende Wirkung verlie­ren. Sündenvergebung heißt damit, trotz der Kette zurückliegender und sicherlich auch künftiger Fehler und Versäumnisse, immer wieder neu und unbelastet beginnen zu können, entschlossen die Verantwortung für das eigene Leben und das anderer wahrzuneh­men. Sündenvergebung ist Be­freiung von dem Zwang, immer gut und tadellos sein zu müssen. Sie nimmt die Realität unserer Fehler ernst und hilft uns gerade damit zu einem befreiten Le­ben.

In dieser Sicht rücken auch Taufe und Glauben wieder nahe zusammen: In der Taufe wird auf einmalige Weise verankert, was für das ganze Leben gelten soll. Jeder Tag kann ein neuer An­fang geschehen. Jeden Tag kann die in der Taufe grundsätzlich zugesprochene Sündenverge­bung neu aktualisiert werden. Auch hier hebt das Geschehen der Taufe hervor, was zum Leben im Glauben tagtäglich dazugehört.

Ä Welchen Vorstellungen von der Erbsünde sind Sie früher schon begegnet?

Ä Was erscheint Ihnen unter dem Aspekt der Taufe als Sündenvergebung als besonders beden­kenswert?

Ä Wie sehen Sie den Zusammenhang von schicksalshafter Verstrickung und persönlicher Ver­antwortung?

Ä Welchen dieser Gesichtspunkte möchten Sie detaillierter mit ihren theologischen Gesprächs­partnerinnen und -partnern klären?

 

3.  Lösungsansatz

In den Taufgeschichten und -symbolen wird die in der Taufe zugesprochene Sündenverge­bung nicht ausdrücklich thematisiert. Dieser Aspekt der Taufe erscheint vielmehr in der Er­mutigung, vor befürchtetem Versagen nicht zu kapitulieren, sondern die bevorstehenden Herausforderungen anzunehmen. Taufgeschichten samt den begleitenden Symbolen erschei­nen so ganz bewusst als Mutmachgeschichten, die dazu einladen, trotz der eigenen Fehler und Versäumnisse das anzunehmen und anzupacken, was vor einem steht.

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© 2017 Frieder Harz