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Mutige Frauen der Reformation

 Ein Vortrag zur Bedeutung der Frauen im Reformationsgeschehen

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Theologisch-religionspädagogische Stichworte

 Neu: Beginn einer Serie mit Kurzartikeln zu wichtigen Stichworten für die religionspädagogische Theorie und Praxis in den Kitas   Neu im Mai:  'Gottesbilder' Neu im Juli:   'Gebet'    mit vielen Anregungen und Beispielen zu Gebeten in der Kita

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Erzählung des Monats Juni

Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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Erzählungen zum Reformationsjahr

 In den Geschichten des Monats besonderer Akzent beim Reformationsgeschehen

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Suchhilfe Bibelgeschichten (Altes und Neues Testament)

70 Geschichten der Bibel für das eigene Erzählen erschlossen

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K

    Judentum

Steckbrief Judentum

Obwohl jüdische Kinder eher selten in Kindertagesstätten anzutreffen sind, gehört das Judentum in den Kreis dieser kurzen Übersichten zu den für uns wichtigsten Religionen aus folgenden Gründen unbedingt mit dazu:

 

-         Das Judentum ist die dem Christentum am nächsten stehende Religion. Jüdische Glaubenstraditionen sind der Wurzelgrund des christlichen Glaubens. Jesus war Jude. Die hebräische Bibel ist das Alte Testament, in dem auch der christliche Glaube gründet. Christen sollten um diese Zusammenhänge wissen und einander als nächste Verwandte im Glauben wahrnehmen.

-         Das Verhältnis von Christen und Juden ist belastet durch Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Juden in ganz Europa, die im 20. Jahrhundert in unserem Land ein unvorstellbares Ausmaß erreichte. Zu einer christlich-religiösen Erziehung gehört auch, besonders sensibel darauf zu achten, in welchem Licht in ihren Zusammenhängen jüdischer Glaube erscheint.

 

Vom Glauben reden

Mit dem Alten Testament, der hebräischen Bibel, haben Judentum und Christentum eine breite Basis gemeinsamer Vorstellungen von Gott, der sein Volk erwählt und mit ihm einen Bund geschlossen hat. Die Psalmen sind gemeinsames Gebetbuch der Juden und Christen.

In der jüdischen Theologie wird dem Menschen Jesus, seinem Reden und Wirken weithin großer Respekt entgegen gebracht. Was Juden und Christen aber trennt, ist der Glaube an Jesus Christus, den Gott von den Toten auferweckt hat, und der als der lebendige Herr seiner Gemeinde mitten in ihr ist. Christen rufen ihn neben Gott, den Vater, auch im Gebet an. Und in der christlichen Theologie wird auch Vieles im Alten Testament auf das Kommen Jesu hin ausgelegt.

 

Zu vermeiden ist, dass beim Erzählen von Jesus ihm die (bösen) Juden in Schwarz-Weiß-Malerei gegenübergestellt werden. Zu unterscheiden ist

a)      Jesu Verhältnis zu den „Pharisäern und Schriftgelehrten“. Es war von vielen gemeinsamen Überzeugungen bestimmt, dabei auch von - nicht ungewöhnlichen - Diskussion und Lehrstreitigkeiten. Jesu Gleichnisse etwa ähneln sehr der jüdischen Lehrtradition,

b)      das Verhalten der Priesterschaft des Tempels in Jerusalem, die zusammen mit der römischen um der politischen Ordnung willen auch die Verurteilung eines religiösen „Unruhestifters“ in Kauf nahm. Zu betonen ist auch, dass das Todesurteil gegen Jesus von den Römern gefällt wurde.

 

Feste

Der jüdische Festkreis ist (wie der islamische) am Mondzyklus orientiert. Da das Mondjahr um11 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr, wird etwa alle drei Jahre ein Ausgleichsmonat (Adar II) eingeschoben. Das macht die Bestimmung der jüdischen Festtage etwas schwierig. Die jüdische Zeitrechnung setzt bei der Erschaffung der Welt an, die auf das Jahr 3760 v. Chr. datiert ist.

 

Passa (Pessach)

Es erinnert an den Auszug aus Ägypten und wurde zum wichtigsten Fest. Es ist auch das Hauptfest der jüdischen Familie, die feierlich das Passamahl begeht, bei dem die Speisen an diesen Auszug erinnern (ungesäuertes Brot; Bitterkräuter etc.). Das Abendmahl der Christen bezieht sich auf das Passamahl, das Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Tod feierte.

 

Wochenfest (Schawuot)

Sieben Wochen später – und damit auch in Nähe zum christlichen Pfingstfest – wird dieses Fest zur Erinnerung an die Offenbarung Gottes am Sinai (2. Mose 19-20) gefeiert.

 

Laubhüttenfest (Sukkot)

Es liegt im Herbst, und es hält die Erinnerung an die Wüstenwanderung wach. Darum halten sich fromme Familien mehrere Tage selbst errichteten Hütten auf.

 

Neujahr (Rosch ha-Schana)

Im Herbst beginnt auch das neue Jahr. Die Töne des Widderhorns, die an ihm geblasen werden, erinnern an den Widder, den Abraham an Stelle seines Sohnes Isaak geopfert hat (1.Mose 22).

 

Versöhnungstag (Jom Kippur)

Er wird mit großem Ernst als Fasttag begangen. In biblischer Zeit war dies der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester das Allerheiligste im Tempel betrat. Die Sünden des Volkes wurden symbolisch einem Bock aufgeladen, der als „Sündenbock“ in die Wüste geschickt wurde (3. Mose 16,21-22).

 

Chanukka (Tempelweihe, Lichterfest)

Dieses Fest im November / Dezember erinnert an die neue Weihe des Tempels 164 v. Chr. Dazu wird der achtarmige Chanukkaleuchter entzündet. Im christlichen Umfeld hat es manche Züge des Weihnachtsfestes (Grüße, Geschenke) angenommen.

 

Purim

Dieses fröhliche Fest im Februar / März erinnert an die Rettung vor einer Judenverfolgung durch die Königin Esther. Genaueres ist in der Bibel im Buch Esther nachzulesen. Als Fest der Kinde hat es karnevalistische Züge angenommen.

 

Alltag

Prägend für jüdisches Selbstverständnis ist die Orientierung an den Geboten, die nach der Überlieferung Mose direkt von Gott in Empfang genommen hat (2.Mose 20). Aus ihnen wurde durch einen lebendigen Auslegungsprozess ein Gefüge verpflichtender Regeln entwickelt, die dem Leben der Menschen und ihrem Zusammenleben mit anderen eine gute Ordnung geben.

Die Tora (= Weisung) besteht aus den 10 Geboten und einem Kreis weiterer 603 in der Bibel überlieferter Pflichten. Mündliche Auslegungen wurden im 2.Jh.n.Chr. in der Mischna niedergelegt, Ähnliches führte später zur Gemara, die zusammen mit der Mischna den Talmud (= Lehre) bildet.

Solche überlieferten Ordnungen regeln z.B. auch das Essen. Für die „koschere“ Küche ist der Verzicht auf unreine Tiere (z.B. Schalentiere) und die strikte Trennung von Milch und Fleisch kennzeichnend.

Den Alltag unterbricht der siebte Tag, der Ruhetag, der Sabbat (2.Mose 20,8-11; 5.Mose 5,14), vom Sonnenuntergang am Freitag bis zu dem am Samstag. Seit der Zerstörung des Tempels von Jerusalem (70 n.Chr.) hat sich das Bewusstsein der Zugehörigkeit zum Judentum in besonderer Weise an der Feier des Sabbat mit dem konsequenten Verzicht auf Arbeit festgemacht. In der häuslichen Sabbatfeier findet jüdische Frömmigkeit ihren besonderen Ausdruck. Besondere Kerzen begrüßen und verabschieden den Sabbat, und ihn prägt das festliche Sabbatmahl.

Die frühen Christen feierten den Tag nach dem Sabbat, den Auferstehungstag Christi, als wöchentlichen Festtag. Noch bis vor wenigen Jahren stand im Kalender der Sonntag als er erste Tag der Woche.

 

Gebet und Gottesdienst

Jüdisches Beten ist traditionell mit mancherlei Riten verbunden – der Gebetsmantel, die Kopfbedeckung, Gebetskapseln an Armen und Kopf. Kerngebet und zugleich Bekenntnis des Glaubens ist das Schma‘ Jisrael: Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer (5. Mose 6,4). Das gottesdienstliche Hauptgebet (Achtzehnbittengebet) weist etliche Bezüge zum Vaterunser auf.

 

Der Gottesdienstraum, die Synagoge ist vom Umgang mit der Bibel bestimmt. An der Stirnwand birgt der reich verzierte Tora-Schrank die kostbaren Schriftrollen, auf denen in sorgfältiger Handschrift und in hebräischer Sprache die biblischen Texte aufgezeichnet sind. Im Gottesdienst werden die jeweiligen Torarollen aus dem Schrank gehoben, feierlich zur Estrade gebracht und geöffnet. Um sie beim Lesen nicht zu beschmutzen und aus Ehrfurcht vor der Bibel wird nicht mit dem Finger der Text verfolgt, sondern mit einem Zeiger (Jad), der meist als Hand geformt ist. Zu dem Vorlesen aus der Tora kommt die Auslegung der Bibel durch den Rabbiner hinzu. Die Synagoge ist auch der Ort des Gebets. Vor dem Toraschrank steht das Pult des Vorbeters und Kantors. Denn viele Gebete werden im jüdischen Gottesdienst gesungen. Eine Orgel gibt es dort aber nicht und auch keinen Altar. Bei schmückenden Abbildungen ist streng darauf geachtet, daß nirgendwo Gott bildlich dargestellt wird.

 

Glaube im Lebenslauf

 

Beschneidung und Namengebung

 

In der Regel am 8. Tag nach der Geburt wird den jüdischen Knaben die Vorhaut beschnitten, als Zeichen der Zugehörigkeit zum Bund Gottes mit seinem Volk. Das geschieht im Rahmen eines Familienfestes mit Geschenken. Für Jungen und Mädchen findet die Namengebung meist am ersten Sabbat nach der Geburt in der Synagoge statt.

 

 

Bar-Mizwa und Bat-Mizwa-Feier

 

Hat ein jüdischer Junge mit 13 Jahren die Religionsmündigkeit erreicht, ist er zur Einhaltung aller Gebote der Tora verpflichtet und darf erstmals im Synagogengottesdienst die Toralesung vollziehen (Bar Mizwa = Sohn der Pflicht). Analog feiern Mädchen die Bat-Mizwa.

 

Hochzeit

Unter einem Trauhimmel, einem mit vier Stangen getragenen Baldachin, findet die Trauung statt. Nach dem Segensspruch wird der Ehevertrag verlesen. Das Zerbrechen eines Glases erinnert an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem.

 

 

Sterben und Tod

 

Die letzten Worte eines Menschen soll das Bekenntnis zu dem einen Gott sein. Bei der Beerdigung und beim Grab wird auf Schmuck verzichtet, zum Zeichen dafür, dass im Tod alle Menschen gleich sind. Beim Besuch des Grabes werden auf Grabstein oder –platte Steine gelegt.

 

Strömungen

Als sich im Mittelalter jüdisches Leben auf Europa konzentrierte, unterschied sich das sefardische Judentum in Spanien und dann im Vorderen Orient vom aschkenasischen in Frankreich und Deutschland und weiter im Osten Europas. Besonderheiten im Gottesdienst und das Jiddisch der aschkenasischen Juden, eine Art deutscher Dialekt, unterscheiden diese Gruppen.

 

Heutiges Judentum ist aber viel mehr durch die Differenzierung in orthodoxes, konservatives und Reformjudentum gekennzeichnet. Orthodoxe Juden beachten streng die Weisungen der Tora. Bemühungen, in der Neuzeit, v.a. in der Zeit der Aufklärung das Regelsystem zu liberalisieren, führten zum Reformjudentum, das heute v.a. in den USA vertreten ist (z.B. Gottesdienst in der Landessprache, Verzicht auf Speisevorschriften). Konservative Juden denken ähnlich liberal wie die Reformjuden, halten aber stärker an dem einigenden Band der hebräischen Sprache und Kultur fest.  

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© 2017 Frieder Harz