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    März 2018

"Für uns gestorben" - Bartimäus denkt über Jesu Tod nach

 

Vorüberlegungen

In der Passionszeit werden Jesu Weg nach Jerusalem, seine letzten Tage dort und sein Leiden und Sterben bedacht. Die biblischen Berichte werden begleitet von der Frage, warum Jesus leiden und sterben musste, und auch von der Antwort, die sich wie ein roter Faden durch die überlieferten Passionslieder zieht: Jesus Christus ist für uns gestorben. Aber dieses „für uns“ verlangt nach weiterer Klärung, die in vielen theologischen Gedankengängen entfaltet wurde und dennoch eine Frage bleibt.

Die nachfolgende Erzählung soll ein Antwortversuch sein, der ganz unmittelbar bei den Personen um Jesus angesiedelt ist. Neben Petrus rückt Bartimäus (Markus 10,46ff.) ins Blickfeld. Er ist der Letzte in der langen Reihe derer, die Jesu heilsame Zuwendung erfahren haben. Und er bittet Jesus, mit ihm und seiner Jüngerschar mit nach Jerusalem ziehen zu dürfen. In den Passionserzählungen der Evangelien taucht er zwar nicht mehr auf, aber die Szene in Jericho bietet genug Anhaltspunkte, um ihn auch in Jerusalem zu Wort kommen zu lassen.

 

Erzählung

In Jericho

Auf ihrem Weg vom See Genezareth in die Hauptstadt Jerusalem haben Jesus und seine Jüngerschar in der Stadt Jericho noch einmal Rast gemacht. Sie sind gerade dabei, die Stadt zu verlassen, als ein Mann laut rufend auf sich aufmerksam macht. „Jesus, du Freudenbringer, geh nicht weg, ohne mir zu helfen! Wir setzen doch alle unsere Hoffnungen auf dich als unseren neuen König. Du hast so vielen Menschen geholfen, hast mit deiner Botschaft von Gottes Liebe zu uns Licht in ihre Dunkelheit gebracht. Geh nicht weg, ohne auch mir dieses Licht zu schenken! Ich bin in meinem Leben von so viel Dunkelheit umgeben. Lass es auch in meinem Leben hell werden! Du Gesalbter Gottes, du Sonne der Gerechtigkeit, erbarme dich über mich! Ich brauche dein Gotteslicht, das mich heil und gesund macht, du allein kannst es mir schenken!“

Immer lauter ruft dieser Mann. Jesus bleibt zögernd stehen und die Leute aus Jericho, die ihn und seine Freunde aus der Stadt hinaus geleiten, sagen: „Das ist der Sohn des Timäus. Der klagt oft über seine Blindheit und die Dunkelheit in seinem Leben. Wir können das schon gar nicht mehr hören Er muss doch selber schauen, wie er mit seiner Dunkelheit zurechtkommt“. Andere rufen zu Bartimäus zurück: „Halt doch endlich deinen Mund! Musst du uns auch jetzt noch mit deinem Geschrei belästigen?“

Jesus bleibt stehen und sagt zu seinen Jüngern: „Dieser Bartimäus erwartet von mir genau das, was ich ihm geben kann: Licht zum Leben, das ihm aus seiner Dunkelheit heraushilft. Ich will auch ihm Anteil geben an dem Licht, das Gott uns schenkt. Es ist mein Auftrag von Gott, auch in ihm dieses Licht zu entzünden. Es soll auch ihm Zuversicht geben. Es soll ihn sehend machen für das Hoffnungsvolle in der Welt.“

Immer lauter ruft der Blinde: „Du König all unserer Hoffnungen, du Gesalbter Gottes, erbarme dich, mache auch mich zu einem sehenden Menschen!“
Jesus sagt laut: „Schickt ihn her zu mir!“ Als Bartimäus das hört, springt er auf und rennt dahin, wo er Jesus wahrnimmt. Dann ist er bei ihm, und Jesus fragt ihn: „Was erwartest du von mir?“ Bartimäus antwortet aus tiefstem Herzen: „Nur eines, dass es in mir wieder hell wird, dass mit dem Licht die Freude in mein Leben zurückkehrt, dass ich wieder dazugehöre zur Gemeinschaft mit den anderen und mit Gott. Hilf mir, dass ich wieder sehen kann!“

Jesus nimmt sich Zeit für ihn, lässt ihn seine Nähe und die Nähe Gottes spüren. Er nimmt ihn in seine Arme und schenkt ihm das Licht, das sein Leben neu werden lässt. Bartimäus ist ganz und gar durchdrungen von dem, was er mit Jesus erlebt. Dann bringt er noch eine Bitte vor: „Jesus. du hast mir die Augen geöffnet für das, was du uns im Namen Gottes schenkst. Deshalb möchte ich gerne bei dir bleiben und zu deinem Jüngerkreis dazugehören“. Und so zieht er mit den anderen hinauf nach Jerusalem Ob er wohl dort all das miterlebt, von dem die Evangelien berichten – den Einzug in Jerusalem, den Streit mit den Händlern im Tempel, das festliche und zugleich geheimnisvolle Abendessen mit Jesus im Kreis der Jüngerinnen und Jünger, die Verhaftung Jesu im Garten Gethsemane?

In Jerusalem

Stellen wir uns vor, dass er auch dabei war, als am Abend des Karfreitags die Jesusfreunde beisammen sitzen. In düsterer, gedrückter Stimmung sitzen sie in dem Raum, in dem sie einen Tag zuvor gefeiert haben, aber jetzt ohne Jesus. „Warum musste das geschehen?“ klagen sie. „Er hätte doch noch so viel Gutes tun können!“. Schweigen lastet über der Gruppe. Die Frauen, die bis zur Kreuzigung mitgegangen waren, erzählen stockend von dem, was sie mit ansehen mussten.

In das Schweigen hinein erzählt Simon Petrus von den dunkelsten Minuten in seinem Leben, nämlich als er im Hof des hohenpriesterlichen Palasts aus Angst vor einer Verhaftung seine Freundschaft mit Jesus verraten hat. „Ich habe ja im Hof das Verhör von Jesus mitverfolgen können“, erzählt er. „Die Mitglieder des Hohen Rats wollten Jesus noch eine Brücke bauen. Sie ließen durchblicken, dass sie ihm bei einem Widerruf seiner Behauptungen Freiheit und Leben zu schenken würden. Ich höre noch ihre Worte: ‚ Sag uns, dass dein Auftrag von Gott ein Irrtum gewesen ist, dass du dir das nur angemaßt hast, dass dir dazu jegliche theologische Berechtigung fehlt, dass du all die Irrtümer, die du in die Welt gesetzt hast, bereust‘. Aber das hat er nicht getan. Er hat vielmehr in aller Klarheit vor den Priestern im Verhör diesen Auftrag bekräftigt: ‚Was ich getan habe, ist wahr und richtig‘ – so hat er es deutlich gesagt.

Nach einer Pause spricht Petrus weiter: „Er war so mutig und konsequent, und ich war so feige“. Dann schweigt er. „Du hast dich bis in den Hof des Hohenpriesters vorgewagt“, sagt einer im Kreis“. Petrus antwortet: „Aber als ich gefragt wurde, ob ich auch zu diesen Jesusleuten gehöre, da habe ich es mit der Angst zu tun bekommen und das weit von mir gewiesen“.

Nach einer langen Pause sagt ein anderer: „Das ist jetzt wohl das Ende unserer wunderbaren Geschichte mit Jesus, mit unseren Wanderungen durch die Dörfer und Städte am See Genezareth, mit seinen Worten und Taten, die uns immer wieder neu die Augen öffneten für seine Botschaft von Gott. Warum nur musste es so kommen? Warum nur hat er sich in den Kopf gesetzt, nach Jerusalem zu gehen? Er kannte doch die Gefahren, die hier auf ihn warteten! Gehörte das wohl auch zu seinem Auftrag?“

Da schaltet sich Bartimäus ins Gespräch ein: „Seine Standhaftigkeit hat seinen Tod besiegeltt. Aber als du, Simon, vom Verhör berichtet hast, da hat es mich innerlich gepackt: Was wäre gewesen, wenn er widersprochen hätte? Dann wäre er jetzt zwar als ein freier Mann unter uns. Aber alles, was er an Licht in die Welt gebracht hat, wäre in die Dunkelheit zurückgefallen. Er selbst hätte das Licht, das er für uns war, wieder ausgelöscht. Alles wäre ein Irrtum gewesen. Für mich hätte das die Rückkehr in meine Dunkelheit bedeutet. Ehrlich gesagt, ich bin froh und dankbar dafür, dass er nicht widerrufen und seinen schrecklichen Tod auf sich genommen hat. Er hat die Tür zum Leben, die er uns geöffnet hat, nicht wieder zugeschlagen. Er hat mir das Licht, das er mir in Jericho geschenkt hat, nicht wieder weggenommen. Er hat die Worte voller Vollmacht und Gotteskraft, mit denen er so viele Kranke und Bedrängte ins Leben zurückgeführt hat, nicht für ungültig erklärt. Mit seinen Worten im Verhör hat er seiner Botschaft einen letzten und endgültigen Nachdruck gegeben. Für seine Treue zu seinem Auftrag ist er gestorben, für das Licht, das er mir geschenkt hat. Für uns alle, denen uns seine Botschaft von Gott eine neue Lebensperspektive gegeben hat, ist er gestorben. Für uns alle hat er Leiden und Tod auf sich genommen“.

„Aber ist er nicht gerade damit gescheitert?“ wirft ein anderer fragend ein. „Seine Stimme ist nun erloschen. Der Gottesbote ist verstummt. Er blieb konsequent, ja.“ Und nach einer Pause folgt noch der Satz: „Sein Auftraggeber scheint ihn wohl im Stich gelassen zu haben“.

„Das kann nicht sein“, antwortet Bartimäus. „Was Jesus getan hat, macht Gott nicht rückgängig. So wie Jesus in Gottes Auftrag Menschen ins Leben geführt hat, so wie er uns aus der Dunkelheit ins Licht geleitet hat, so wird auch Gott Jesus in allem, was er getan und bewirkt hat, aus der Dunkelheit seines Todes in ein neues und großartiges Licht führen, größer und herrlicher, als wir es uns vorstellen können“.

 

Gesprächsanregungen 

  • Was war es wohl für ein Licht, das sich Bartimäus von Jesus erbeten Hat?
  • Als Petrus vom Verhör Jesu beim Hohenpriester erzählt hat, das hat Bartimäus mit höchster Aufmerksamkeit zugehört. Was war es wohl, was ihn so sehr beeindruckt hat?
  • Wie für die anderen Freunde Jesu war Jesu Tod auch für Bartimäus ein schlimmes Ereignis. Aber gleichzeitig war für ihn auch ein Gefühl der Erleichterung dabei. Wie passt beides zusammen?
  • Bartimäus konnte den anderen sagen, dass Jesus für ihn gestorben ist. Wie hat er das wohl gemeint?
  • Konnten das die anderen auch von sich sagen? Wie hätten sie das wohl begründet?

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