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K

    Mai 2014

Noah und die große Flut (1.Mose 7-9)

Ziele:

  • Miterleben, wie inmitten einer Wasserkatastrophe die Rettung von Menschen und Tieren geschieht
  • Unlösbare Fragen unbeantwortet stehen lassen können, um sich Noahs Beitrag zum Rettungsgeschehen zuzuwenden
  • Mit Noah auch in der schlimmen Situation am Vertrauen auf Gottes Schutz und Bewahrung festhalten

Berichte von Naturkatastrophen gehören zu den Nachrichten dazu, die uns alltäglich begleiten. Viele dieser Ereignisse sind weit weg, wie Erdbeben und Tsunami-Fluten, Wirbelstürme und Überschwemmungen auf der einen Seite, Dürre und Feuer auf der anderen. Viele kommen uns bedrängend nahe, schon durch beklemmende Fernsehbilder, auch durch Katastrophen in Urlaubsregionen, durch Überschwemmungen im eigenen Land. Und dann stellen die Kinder ihre Fragen, warum das so ist und warum man da nichts dagegen machen kann – und schließlich auch, warum Gott, der doch der liebe Gott ist, nichts dagegen tut.

Das bisher unerschütterlich wirkende „Vertrauenshaus“ der Kinder, ihr Bild der Welt, in dem sie sich bislang sicher und geschützt fühlten, bekommt Risse der Verunsicherung und auch der Angst. Die erste Reaktion ist, diese ‚Risse’ überspielen zu wollen: das ist ja weit weg, das betrifft uns ja gar nicht, usw. Aber die Kinder lassen sich damit nicht abspeisen und bohren weiter: Warum ist das so? Warum muss das so sein? Und wenn die Katastrophe zu nahe kommt, ergehen die Hilferufe an die professionellen Erzieherinnen und Erzieher: Reden Sie doch bitte mit den Kindern! Nehmen Sie ihnen doch bitte die Angst!

Was ist zu tun? Zum einen gilt es die Eindrücke und damit verbundenen Ängste der Kinder ernst zu nehmen. Es ist zu akzeptieren, dass hier Fragen aufbrechen, auf die es keine einfachen und befriedigenden Antworten gibt. Zum anderen ist es wichtig, dem Vertrauen der Kinder in ihre Welt von innen her Kraft zu geben: Auch wenn das ‚Haus des Vertrauens’ Risse bekommt, die nicht zu übersehen sind, wird es in seinen Fundamenten Bestand haben. Es gilt Kinder so zu stärken, dass sie trotz der Verunsicherungen ihr Grundvertrauen nicht verlieren. Dazu tragen starke Vertrauensbindungen zu geliebten Personen bei, auch Mutmachgeschichten, die davon erzählen, wie Menschen Verunsicherungen – auch im Vertrauen auf Gott - durchstehen konnten, also Geschichten, in denen sich Menschen durch die Not hindurch getragen und begleitet wussten.

Die bekannteste biblische Geschichte, die von einer Naturkatastrophe erzählt, ist die von der Sintflut, von Noah und dem Bau der Arche, die Menschen und Tieren einen Neuanfang gewährt und die mit dem symbolkräftigen Bild des Regenbogens endet. Sie ist beliebt, ist das Thema unzähliger Kinderbibelbücher bis hin zu Kindermusicals. Kirchliche Kindertagesstätten heißen oft ‚Arche’ oder ‚Regebogen’. Die biblische Geschichte erzählt in 1. Mose 7ff. von einer gewaltigen urzeitlichen Naturkatastrophe und von der Rettung. Inwiefern sie für kleine Kinder eine Vertrauens- und Hoffnungsgeschichte sein kann, das gilt es nun genauer zu bedenken.

Am Schluss sagt Gott im Zeichen des Regenbogens: Solange die Erde steht, wird es die verlässlichen Naturabläufe von Tag, Nacht und den Jahreszeiten geben. Auch Katastrophen werden nichts daran ändern, dass diese Erde lebenswert bleibt. Das ist für die Kinder eine wichtige Vertrauensbotschaft: eine Totalvernichtung wird es nicht geben. Alle Zerstörungen tragen die Rückkehr zu geordneten Verhältnissen in sich. Kinder mit ihren beschränkten Handlungsmöglichkeiten brauchen solche Zusagen. Je mehr die Erwachsenen Instrumente des Handelns in Händen halten, etwa als Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, desto mehr muss dann auch deren eigene Mitverantwortung dafür benannt werden, damit diese Zusage am Ende der Noah-Geschichte gültig bleiben kann. Kleine Kinder haben diese Instrumente noch nicht, sie brauchen ermutigende Hoffnungsbotschaften.

Eindrücklich ist auch das archaische Bild der rettenden Arche, in der Mensch und Tier geborgen sind. Mitten im außen umgebenden Unheil tut sich im Inneren des Schiffs eine geordnete Welt auf, in der das Zusammenleben auf friedliche Weise gelingt. Das muss nicht romantisch verklärt werden – es ist dort eng und auch ungemütlich; es verlangt Rücksichtnahme aufeinander: Noah hat viel zu tun, um Ordnung zu halten. Das Warten wird sehr lang, mit ihm steigt die Ungeduld. Aber das Leben steht hier im Zeichen der Rettung, und das bietet Raum für die eigene Vorstellungskraft der Kinder.

Schwieriger wird es mit dem Anfang der Geschichte. Kleine Kinder mögen sich abfinden mit der Erklärung, dass die Menschen böse waren und deshalb bestraft wurden. Sie identifizieren sich gerne mit dem guten Noah, der von Gott mit Recht zum „Chef“ der Arche auserwählt wurde, Aber Erwachsene erzählen immer wieder davon, dass diese Erklärung sie schon als Kinder nicht mehr zufrieden stellte: Waren die Tiere auch böse? Und die Fische wohl nicht, denn an denen ging die Katastrophe ja vorbei? Gibt es das wirklich, dass alle Menschen böse waren und nur einer nicht? Welchen Fehler hat Gott bei der Erschaffung der Welt gemacht, dass fast alle Menschen so böse werden konnten? War die Vernichtung die einzige Möglichkeit, die Welt zu retten? Hätte Gott sich nicht etwas Besseres ausdenken können? Sind an den Katastrophen, die im Fernsehen gezeigt werden, auch böse Menschen schuld? Was haben sie Böses getan?... Wie würden Sie wohl auf solche Fragen antworten?

Die Fragen der Kinder decken auf, dass die Erklärung mit der Bosheit der Menschen nicht zufriedenstellend ist und immer nur neue Fragen provoziert. Da ist es doch ehrlicher und hilfreicher, auf solche Erklärungsversuche ganz zu verzichten und – um im Bild zu bleiben – die Risse im ‚Vertrauenshaus’ mit ihnen nicht mühsam zu übertünchen. Hilfreicher erscheint deshalb ein anderer Weg, bei dem von vornherein auf vorgegebene Erklärungen verzichtet wird: Warum die Sintflut gekommen ist, warum sie Gott so hat geschehen lassen, wissen wir nicht. Wir können nur Vermutungen anstellen, die uns aber alle keine befriedigenden Antworten geben. Wir müssen damit leben zu lernen, dass es für Schlimmes meistens keine zureichende Erklärung gibt. In der Noah-Geschichte aber gibt es eine weiter reichende Rettungsperspektive: die Ordnung unserer Welt wird nicht zerstört werden, Neues wird beginnen. Noah und seine Geschichte mit der Arche ist der Bürge dafür.

Wahrscheinlich werden die Kinder selbst nach Erklärungen suchen – und sie werden dabei auch spüren, dass diese nicht umfassend sein können. Das damit verbundene Unbehagen, die Unsicherheit und Unruhe aber werden nicht verdrängt, sondern sie dürfen zur Sprache kommen. Mit Noah und dem Fortgang der Geschichte tritt Neues, Zuversichtliches, Ermutigendes neben sie. So wird es beim Erzählen dieser Geschichte auf feines Gespür dafür ankommen, wo sich das Unbehagen der Kinder regt, um ihm Raum zu geben statt es zu verdrängen, um dem eigenen Streben nach erklärenden Antworten bewusst zu widerstehen und das Offenbleiben plausibler Erklärungen auszuhalten – um sich dann mit Noah umso mehr den kräftigen Hoffnungs- und Rettungsbildern zuzuwenden.

Die umfängliche biblische Geschichte ist in einzelne Erzählabschnitte gegliedert, mit denen sie über einen größeren Zeitraum hinweg erzählt und jeweils auch gestaltet werden kann.

 

1. Die Geschichte von Noah – eine Hoffnungsgeschichte

Der erste Erzählabschnitt beginnt bei Erfahrungen in unserer Zeit, um von ihnen aus auf die Erzählung der biblischen Urgeschichte zu blicken. Damit wird der Unterschied zwischen der Erzählung und ihrer Botschaft ins Spiel gebracht. Es geht nicht um eine historische Echtheit dieses Geschehens, sondern um seine Aussagekraft, ihren Charakter als Mutmach- und Hoffnungsgeschichte. Dieser Abschnitt setzt die Fähigkeit voraus, gleichsam von außen auf die biblische Erzählung zu blicken und ist deshalb für ältere Kinder gedacht, die sich schon darüber wirklich so passiert ist. Dieser Anfang kann zum Nachdenken darüber einladen, welche Botschaft in dieser Geschichte steckt.
Das kann dann ganz zum Schluss etwa mit solchen Fragen geschehen.

Gesprächsimpulse:

  • Denkt noch einmal an den Anfang: Warum wohl haben sich Menschen im Unwetter diese Geschichte erzählt?
  • Wo hat es ihnen wohl gut getan, mit Noah durch diese Geschichte mitzugehen?
  • Wo haben sie sich wohl mit ihren Sorgen wiedergefunden?
  • Was in der Geschichte hat ihnen neue Hoffnung gegeben?
  • So eine große Arche könnte heute niemand bauen. Was könnte für uns heute solch eine Arche sein, in der man sich auch bei einem schlimmen Unwetter sicher und geborgen fühlen kann?

Manchmal gibt es Tage, an denen man am besten zu Hause bleibt. Dunkle Wolken türmen sich am Himmel auf, es wird immer dunkler. Und dann regnet es, ja es schüttet geradezu das Wasser vom Himmel, ununterbrochen, in einem fort, und immer wieder von Neuem. „Es regnet ja, als ob die Welt unterginge“, sagen dann oft die Erwachsenen. Aber kann das wirklich geschehen, dass die Welt untergeht?
Manchmal hat solcher Regen freilich schlimme Folgen: das Wasser in den Flüssen steigt über die Ufer und überschwemmt das Land, die Straßen und Häuser, die Gärten und Felder. Menschen müssen ihre Häuser verlassen und anderswo Schutz suchen. Da ist die Not oft groß.
Schon vor langer, langer Zeit - wenn damals die Menschen Angst vor solch langem Regen, vor Wasserfluten und Überschwemmungen hatten, und wenn sie sich ängstlich fragten: „Hört denn der Regen nie mehr auf?“ – da haben sie sich die uralte Geschichte von Noah und der Flut erzählt.

 

2. Noah bekommt einen Auftrag

Dieser Erzählteil führt in die Geschichte ein. Die Frage, warum Gott die Flut schickt, klingt nur kurz an, denn für sie gibt es keine zureichende Erklärung. Vielmehr wird das Hilfreiche und Weiterführende eingebracht: Noah bekommt von Gott einen großen Auftrag und zugleich das Versprechen, dass Noah ihn gut bewältigen wird.
Hier ist auch Raum für eigene Konstruktionsvorschläge der Kinder.

Noah ist bereits ein alter Mann. Viel hat er schon erlebt. Wenn er abends mit seiner Frau und seinen Söhnen zusammensitzt, dann erzählt er oft von früher und von seinen schönen Erlebnissen, von reichen Ernten, wenn auf den Feldern und in den Weinbergen alles gut herangewachsen war. Er erzählt auch von schlimmen Jahren, in denen Stürme und Regen viel Schaden anrichteten. Und am Schluss sagt er dann immer: Gott hat es gut gemeint mit uns, auch wenn es manchmal schwierig war. Auf ihn können wir uns verlassen. In der Nacht, wenn die andere schlafen, da ist Noah oft noch lange wach, spricht mit Gott und hört auch Antworten von ihm.

Auch in dieser Nacht ist es so: Noah dankt Gott für den Tag, und dann hört er Gott sprechen: „Noah, ich muss dir etwas Wichtiges sagen! Es wird bald ein langer, langer Regen kommen, der alles Land überschwemmt.“ Noah fährt erschrocken von seinem Bett hoch und sagt: „Habe ich richtig gehört? Du schickst einen Regen, der alles überschwemmt? Warum denn das? Und wie soll es dann mit unserer Welt weitergehen?“ Gott antwortet ihm: „Es wird mit der Welt weitergehen, ja es wird mit ihr neu beginnen. Und das ist deine Aufgabe“. Eigentlich hätte Noah gern gewusst, warum Gott den großen Regen schickt, aber jetzt ist er neugierig auf seine neue Aufgabe, für die Gott ihn auserwählt hat. Gott spricht weiter zu ihm: „Du wirst ein großes Schiff bauen, in dem viele, viele Tiere Platz haben und natürlich auch du und deine Familie. Von jeder Art soll ein Pärchen in der Arche wohnen“. Noah ist ganz verwirrt: „Gott, ich habe noch nie ein Schiff gebaut, ich bin kein Schreiner, sondern Landwirt, ein Schiffsbauer bin ich nie und nimmer! Wie soll das denn alles gut gehen?“ – „Mach dir da keine Sorgen“, hört Noah Gott sagen, „Es wird dir alles gut gelingen!“ Und dann sieht Noah wie in einem eigenartigen Traum vor sich, wie nach und nach aus Brettern und Stangen ein Schiff entsteht und immer größer wird, bis es dann mit einem großen Dach zum Schutz gegen den Regen fertig ist.

 

3. Fragen über Fragen

Dieser Abschnitt ist nicht zwingend für den Erzählverlauf. Er nimmt mögliche kritische Fragen der Kinder auf. Mit ihnen kann die Rätselhaftigkeit des Geschehens zur Sprache kommen. Es geht vor allem darum, auf abschließende Antworten zu verzichten – auch auf die Erklärung der Flut als gerechte Strafe. Es geht um das Ahnen, dass uns so Vieles unzugänglich bleibt, was aber das Vertrauen auf Gottes Schutz und Begleitung nicht zerstören muss. Die formulierten Fragen lassen sich als Gesprächsimpulse für die Kinder nutzen.

Jetzt ist Noah erst einmal beruhigt, denn durch diesen Traum weiß er nun genau, was er zu tun hat. Aber über das, was Gott ihm da angekündigt hat, muss er noch viel nachdenken: Warum nur lässt Gott einen so großen Regen kommen, durch den alles auf der Erde kaputt geht? Ist es eine Strafe für uns Menschen? Aber es gibt doch böse und gute Menschen! Ist das gerecht? Warum will Gott die ganze Welt noch einmal neu machen? Kann er das nicht auf eine andere Weise tun? Und warum hat Gott gerade mich ausgewählt zum Weiterleben und zu der großen Aufgabe? Fragen über Fragen, und immer neue kommen hinzu, bis ihm fast schwindlig davon wird. Darum denkt er dann wieder lieber an den Traum von dem großen Schiff.

 

4. Vorbereitungen für die Rettung

Die Arbeit hilft Noah, die dunklen Gedanken der unlösbaren Warum-Fragen zurückzustellen.
Jetzt sind die Kinder eingeladen, als „Mitarbeiter“ Noahs die Arche auf dem Bauteppich o.ä. zu errichten, als auch als Helfer die Tiere in die Arche zu geleiten. Alles steht im Zeichen des Gelingens eines großen Projekts.

Schon am nächsten Tag beginnt Noah zusammen mit seinen Söhnen mit der Arbeit. Sie fällen Bäume, bereiten die Stangen und Bretter vor – genauso, wie Noah es in dem Traum gesehen hat. Die Nachbarn fragen Noah, ob er eine so große Ernte erwartet, dass er eine riesige Scheune bauen muss, aber Noah schüttelt nur den Kopf. Er muss seine Gedanken immer wieder auf den Traum richten, damit er beim Bau des Schiffes keinen Fehler macht. Und die Arbeit gelingt ihm gut. Eines Tages steht ein riesengroßes Schiff fertig da.

In der nächsten Nacht redet Noah wieder mit Gott: „Und wie soll es nun weitergehen mit deinem eigenartigen Plan? Soll ich jetzt wohl die Tiere einzeln einfangen?“ Aber Gott antwortet ihm: „In der Arche ist jetzt in den vielen voneinander abgetrennten Räumen genug Platz für die Tiere. Du musst jetzt nur noch die große hölzerne Rampe der Arche öffnen. Bald wird der Regen kommen. Das spüren die Tiere. Ich habe es so eingerichtet, dass von jeder Art ein Pärchen in der Arche Schutz sucht“. Und so war es auch. Von allen Seiten kamen pärchenweise die Tiere und suchten in der Arche ihren neuen Unterschlupf. Noah und seine Leute mussten nur zusehen.

Gesprächsimpulse:

  • Zuerst war Noah noch sehr ängstlich und zögerlich vor der großen Aufgabe. Ob er sich später wohl anders gefühlt hat? Was meinst du?
  • Was hat ihm wohl bei dieser Aufgabe am meisten Freude gemacht?
  • Wo würdest du in diesem Teil der Geschichte am liebsten Noah sein?
  • Wo meinst du, dass Noah besonders gut die Hilfe Gottes gespürt hat?

 

5. Sicher in der Arche

Dann beginnt die Flutkatastrophe. Ganz bewusst ist der Blick nicht nach draußen, sondern nach drinnen in den geschützten Raum der Arche gerichtet. Leitend soll nicht ein Untergangsszenario sein, sondern das der Rettung. Im Zeichen der Geborgenheit wird wahrgenommen, was draußen geschieht; für die Kinder kann das dann etwa ein Spiel mit den Tönen des Regens werden, vielleicht auch ein Geschaukelt-Werden in den Wellen: in der Arche sind sie alle sicher und behütet.

Bald ist die Arche gefüllt, die ersten dunklen Regenwolken ziehen am Himmel auf. Da nimmt Noah seine Familie mit an Bord und zieht von innen die Rampe hoch, bis das Schiff fest verschlossen ist. In der ersten Nacht kann Noah vor Aufregung kaum schlafen. So viel geht ihm durch den Kopf: „Habe ich auch alles richtig gemacht und nichts vergessen?“ fragt er sich immer wieder. Da hört er Gott zu sich sprechen: „Hab keine Angst, Noah! Ich selbst habe euer großes Schiff fest verschlossen. Ich werde es beschützen, so dass ihr alle sicher seid in der Zeit des großen Regens!“ – „Danke Gott“, antwortet Noah, und damit kann er einschlafen.

Am nächsten Tag beginnt der Regen. Noah kann ihn nicht sehen, aber er kann hören, wie die Tropfen auf das Dach der Arche trommeln: mal leiser, mal stärker, mal ganz fein, dann mit einem kräftigen Rauschen. Und dann spürt er auch, dass sich das Schiff bewegt: es schwimmt. Da knarzen die Bretter, und manchmal schaukelt das Schiff in den Wellen – hin und her, hinauf und hinunter. Da geht Noah durch das Schiff und beruhigt alle, die ängstlich sind. Und er sagt laut zu sich selbst und zu den anderen: Gott ist bei uns in der Arche. Er beschützt uns in dem großen Regen.

 

6. Wann ist der Regen endlich vorbei?

Mit einem Zwischenschritt wird die Spannung weiter aufrechterhalten und zugleich das nahende Ende der Geschichte vorbereitet. Da könnte eine Stilleübung gut dazu passen.

So geht es nun schon seit etlichen Tagen. Allen in der Arche wird allmählich die Zeit lang. „Wann können wir endlich wieder nach draußen?“ fragen Noahs Söhne, ihre Frauen und Kinder. „Habt Geduld“, antwortet Noah. „Gott wird uns schon zeigen, wenn es so weit ist“. Auch die Tiere werden unruhiger, auch sie drängt es hinaus ins Freie.
Dann hört der Regen auf. Auf dem Dach der Arche ist es nun ruhig. Alle genießen diese Stille, denn sie wissen: der große Regen ist zu Ende. „Wie geht es jetzt weiter?“ fragen die Söhne Noahs ihren Vater. Der antwortet: „Gott wird uns bald neues, trockenes Land schenken!“

 

7. Land in Sicht

Die Arche als Symbol der Rettung hat nun ihren Zweck erfüllt. Jetzt geht es um den Aufbruch in das „neue Leben“. Zu diesem Verständnis kann auch gut ein Noah-Bild beitragen.
Das Essen und Trinken kann eine Verbindung zur islamischen Noah-Tradition des Aschura-Fests mit der „Aschura-Suppe“ herstellen.

Wirklich, der Regen ist vorbei! Da öffnet Noah die große Luke auf dem Dach der Arche und schaut hinaus. Er atmet die frische Luft ein. Das tut gut. Dann blickt er um sich: überall noch Wasser, so weit das Auge reicht! Auch Noah spürt jetzt die Ungeduld in sich. Wann wird er endlich sagen können: „Land in Sicht!“? Wer könnte ihm dabei helfen, die ersten Hinweise auf Land mitten in dem großen Wasser zu entdecken? Denn er spürt genau, wie jeden Tag die Ungeduld bei den Menschen und Tieren wächst.
Da hat er eine Idee: Er nimmt einen Raben und lässt ihn fliegen. Doch der flattert nur hin und her und kehrt bald wieder zur Luke zurück. Noah weiß: es ist noch nicht so weit. Ein paar Tage später nimmt er eine Taube. Die fliegt weit weg – Noah freut sich schon – aber auch sie kehrt wieder zur Arche zurück: immer noch kein Land.

Wieder ein paar Tage später schickt Noah erneut eine Taube los und wartet gespannt. Doch auch sie kommt wieder zurück. Aber – was ist das? Sie trägt einen kleinen Zweig im Schnabel. Noah freut sich: das ist das erste Zeichen vom Land. Gleich erzählt er den anderen davon. „Es wird nicht mehr lange dauern“, ermuntert er sie. „Gott wird uns bald ein neues Land schenken“. Aber das Warten geht weiter.
Wieder schickt Noah eine Taube los und wartet und wartet – und sie kommt nicht zurück. Damit weiß er: die Taube hat außerhalb der Arche einen neuen Unterschlupf gefunden. Aber immer noch geht das Warten weiter.

Da – endlich – ragen die Spitzen von Bergen aus dem Wasser, und dann wird immer mehr Land sichtbar. „Jetzt feiern wir im Schiff unser Abschiedsfest“, sagt Noah. Sie essen und trinken und wissen, dass jetzt wirklich bald die lange Reise zu Ende ist. Mitten unter ihrem Festmahl spüren sie einen Ruck. Das Schiff ist an Land gestoßen und steckt fest. Da bricht Noah die große Klappe am Schiff auf, und alle Lebewesen auf dem Schiff drängen nach draußen, suchen sich ihren Weg in dem neuen Land.

Gesprächsimpulse:

  • Wenn man fast schon am Ziel ist, fällt das Warten besonders schwer. Kennst du das auch?
  • Mit guten Nachrichten fällt das Warten leichter. Wo hast du das schon erlebt?
  • Wie könnte Noah den anderen noch anders beim Warten helfen? Welche Worte fallen dir dazu ein?

 

8. Gottes großes Versprechen

Der Schluss streift noch einmal kurz die unlösbaren Fragen, um dann aber dem Neuanfang viel Raum zu geben. Der Dank für die Bewahrung in der Arche führt hin zu dem beruhigenden Versprechen Gottes mit dem Symbol des Regenbogens. Mit dessen Gestaltung (vgl. S.xx) mag dieses Versprechen verdeutlicht werden.

Zum Schluss verlässt auch Noah mit seiner Familie die Arche. Er sucht sich einen geeigneten Platz, baut aus Steinen einen Altar, feiert einen Dankgottesdienst und betet: „Gott, warum du das große Wasser geschickt hast, verstehe ich immer noch nicht. Aber es gibt so Vieles, für das ich dir danken möchte. Und dann erinnern sie sich alle daran, wie sie Gottes Begleitung und Schutz gespürt haben. Sie danken für den guten Plan für das Schiff, und dass ihnen nichts Schlimmes passiert ist, dass das Zusammenleben von Menschen und Tieren in der Arche so gut gelungen ist, für die gute Landung, für die Sonne, für die frische Luft und den Wind, den sie spüren.

Sie schauen nach oben und sehen einen wunderschönen Regenbogen. Und Noah hört Gottes Stimme, die zu ihm spricht: „Noah, dieser Bogen soll das Zeichen des neuen Anfangs sein. Was auch immer geschehen mag, ich bin bei euch. Jetzt und für immer soll in der Welt eine gute Ordnung sein, auf die sich alle verlassen können. Solange die Erde steht, wird es den Wechsel von Säen und Ernten, von Frost und Hitze, von Sommer und Winter, von Tag und Nacht geben. Auf diese Ordnung könnt ihr euch verlassen. Das verspreche ich euch. Der Regenbogen soll das Zeichen des Freundschaftsbundes zwischen mir und euch sein. Freut auch an dem neuen Land und geht gut mit ihm um, mit seinen Tieren und Pflanzen“. Und dann geht Noah mit seiner Familie an die Arbeit, denn es gibt viel zu tun.

Gesprächsimpulse:

  • Hast du am Schluss der Geschichte die Erleichterung des Noah gespürt?
  • Kannst du sie auch ohne Worte mit deinem Körper zeigen?
  • Zu Danken gab es viel: Was kannst du zu dem Dankgebet beitragen?
  • Warum ist wohl der Regenbogen ein besonders gutes Zeichen für die Freundschaft zwischen Gott und den Menschen?

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© 2017 Frieder Harz