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Aktuelles:

Erzählung des Monats Januar

Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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Suchhilfe Bibelgeschichten (Altes und Neues Testament)

70 Geschichten der Bibel für das eigene Erzählen erschlossen

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Theologisch-religionspädagogische Stichworte

 Neu: Beginn einer Serie mit Kurzartikeln zu wichtigen Stichworten für die religionspädagogische Theorie und Praxis in den Kitas   Neu im Mai:  'Gottesbilder' Neu im Juli:   'Gebet'    mit vielen Anregungen und Beispielen zu Gebeten in der Kita

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Mutige Frauen der Reformation

 Ein Vortrag zur Bedeutung der Frauen im Reformationsgeschehen

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Reformatorengespräch

 Zum Reformationsfest ein Reformatorengespräch 

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K

    Januar - Paulus in Damaskus

Paulus – das Erlebnis vor Damaskus verändert sein ganzes Leben


Vorüberlegungen

In der Geschichte der Jesusbewegung nach den Erscheinungen des Auferstandenen ist das Wirken des Apostels Paulus von herausragender Bedeutung. Zwar steht mit Recht bei den Erzählungen aus dem Neuen Testament das Wirken Jesu im Vordergrund. Aber Paulus ist der eigentliche Begründer des Christentums als einer eigenständigen Religion neben dem Judentum. Mit seinen Reisen durch Kleinasien und bis nach Europa und mit seinen theologischen Grundlegungen in den Briefen hat er die Basis geschaffen, auf der sich die Botschaft von Jesus Christus weit über Palästina hinaus entfalten konnte.

Einige Paulusgeschichten liegen in der Erzählsammlung schon vor: Paulus Kommt nach Europa (Apostelgeschichte 16); die Begegnung mit Lydia in Philippi (Apostelgeschichte 16,14ff.); Gemeinschaft macht stark (1.Korinther 12); indirekt auch bei der Auseinandersetzung mit Petrus in Antiochia (Petrus in Antiochia). Dazwischen gilt es erzählend noch manche Lücke zu schließen. Das beginnt hier mit der beeindruckenden Wandlung des Saulus vom gesetzestreuen Pharisäer und wütenden Verfolger der Jesus-Anhänger zum unermüdlichen Botschafter des Glaubens an Jesus Christus. In eigenen Aussagen in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien (Galater 1,11ff.) spricht er selbst nur knapp andeutend von diesem Ereignis. Jahrzehnte später wird es von Lukas in seiner Apostelgeschichte (Kap.9) ausführlich vorgestellt. Das gibt uns wichtige Anhaltspunkte für die nachfolgende Geschichte, die aus der Perspektive von zwei erdachten Mitgliedern der immer noch jüdischen Jesus-Gemeinschaft erzählt wird.

Wer sich auf diese Geschichte einlässt, stößt auf Themen, die auch unsere Gegenwart betreffen:

  • Wo die Orientierung an sicherlich wichtigen Regeln, Ordnungen, Gesetzen rigoristisch wird und ohne Empathie für die betroffenen Menschen geschieht, da kann auch Frömmigkeit zu Verhärtung und bedrohlichem Fanatismus werden.
    Werden Gesetze von der Beziehung zwischen Mensch und Gott her verstanden, so wie Jesus sie vorgelebt hat, oder wird das Gesetz selbst zum Gott?
  • Wer sich ändert, muss mit Unsicherheiten rechnen: bei sich selbst, bei neuen und noch misstrauischen Freunden, auch bei ehemaligen Freunden, die kein Verständnis für die Veränderung haben. Von vorsichtiger Annäherung der neuen Freunde und enttäuschter Abwendung der alten erzählt auch diese Geschichte.
    Was ist der Gewinn, was der Preis für Veränderungen im Leben?
  • Für Paulus ist die Freiheit vom Zwang des Gesetzes zu einem Leitthema seiner Verkündigung geworden, das er besonders in seinem Galaterbrief entfaltet hat. Als „Quereinsteiger“ hatte er keine eigenen biografischen Bezüge zum Jesusgeschehen, so wie es die Evangelisten Jahrzehnte später beschrieben haben. In seinen theologischen Briefen kommt er nur sporadisch auf die Ereignisse des Wirkens Jesus zu sprechen. Umso wichtiger ist es deshalb, sich anbietende Bezüge zu den Jesuserzählungen in den Blick zu nehmen, von denen Paulus sicherlich viel von seinen neuen Jesus-Freunden erfuhr. angemessen zur Geltung?
    Wie kann auch die Verwurzelung des Paulus im Wirken Jesu angemessen zur Geltung kommen?

Unter solchen Leitaspekten gibt die folgende Geschichte Anregungen zur je eigenen Ausrichtung des Erzählens bei kleinen und größeren Kindern wie auch bei Jugendliche und Erwachsenen geben. Das gilt auch für durch die Geschichte angeregte Gespräche.

 

Erzählung

Auf dem Weg nach Damaskus

Zwei Männer, Tertius und Gaius, sind auf dem Anstieg von der Talebene hinauf zur großen Stadt Damaskus im Land Syrien. Der Weg ist steil. Schweigend gehen die beiden Schritt für Schritt voran. Sie haben eine wichtige Nachricht für die Freunde in der Stadt. Nach einer Wegbiegung öffnet sich ihnen der Blick auf Damaskus, das im hellen Sonnenlicht wunderbar leuchtet. Sie bleiben stehen, gebannt von dem prächtigen Eindruck, den ihnen die Stadt bietet. „Es stimmt schon, wenn die Leute unsere neue Heimat Damaskus die leuchtende Stadt nennen“, meint Tertius. Gaius nickt und sagt nach einer kleinen Pause: „Ich muss bei diesem Anblick auch an unsere alte Heimatstadt Jerusalem denken. Erinnerst du dich, wie wir so oft aus dem Tal hinaufgestiegen sind zu ihren stolzen hohen Mauern und der Tempel in der Sonne leuchtete?“

Gaius senkt den Kopf und murmelt vor sich hin: „Vertrieben hat man uns, weil wir angeblich keine richtigen Juden sind“. Tertius ergänzt: „Und weil wir Jesus-Freunde sind, hat man besonders genau auf uns geschaut, ob wir auch all die Speisevorschriften und vielen anderen Gebote unserer jüdischen Religion genau einhalten“. „Ach“, meint Gaius, „dass wir keine richtigen Juden sind, weil unsere Vorfahren nicht aus Israel stammen, und dass wir es mit den Speisegeboten nicht so genau nehmen, weil wir anders aufgewachsen sind, das ist doch nur ein Vorwand. Das Entscheidende ist dabei, dass wir eben Jesus-Freunde sind. Die Religionswächter in Jerusalem haben gedacht, dass mit Jesu Tod am Kreuz die ganze Sache erledigt ist und bald kein Mensch mehr von ihm und seiner Botschaft redet. Dass es ganz anders gekommen ist, dass seine Botschaft durch uns Jesus-Freunde lebendig bleibt, das ärgert sie gewaltig. Deshalb richtet sich ihr Zorn gegen uns“. Tertius erwidert: „Ich denke gerade an das, was Jesus zu den Speisegeboten gesagt hat: Nicht das, was der Mensch zu sich nimmt, ist das Entscheidende, sondern das, was aus seinem Mund herauskommt an guten und bösen Worten, an Gedanken, die anderen helfen oder ihnen schaden. Das war so klug und einleuchtend, was er gesagt hat. Deshalb sind seine Gegner auch zu unseren Feinden geworden“. Gaius nickt und meint nachdenklich: „Die Gesetze allein können Menschen kalt, starr und hartherzig machen. Die Liebe muss dazukommen, so wie sie Jesus uns vorgelebt hat. Nur dann sind die Gesetze wirklich gut“.

Nach einer Pause sagt Tertius: „Das gilt ja auch für den Saulus, der mit allergrößtem Eifer die Gesetze achtet und ohne Liebe alle die verfolgt, die es anders machen, so wie wir“. Gaius nickt: „Er ist ja auch angeblich kein ‚richtiger‘ Jude, weil seine Eltern aus Tarsus stammen. Sie haben sogar das römische Bürgerrecht. Darum heißt er ja nicht nur Saulus, sondern ganz römisch Paulus. Vielleicht will er gerade deshalb mit den Religionsgeboten alles richtig machen“. Tertius seufzt: „So wird es wohl sein. Komm, wir müssen weiter. Wir wollen doch unsere Freunde in Damaskus vor Saulus warnen. Wir müssen unbedingt eher dort sein als er mit seinen Gefährten. Mit ihren Pferden sind sie schneller als wir“. Beim raschen Aufbruch meint Gaius noch: „Warum nur kann er uns Jesus-Freunde nicht in Ruhe lassen? Aus Jerusalem sind wir um unseres Glaubens willen vertrieben worden, und jetzt werden wir auch hier in Damaskus von ihm verfolgt!“

 

Erstaunliche Neuigkeiten über Saulus

Noch rechtzeitig vor Saulus haben Tertius und Gaius die Stadt erreicht. Kurz darauf treffen sich die Jesus-Freunde bei Hananias in seiner Wohnung. Auch andere haben bereits davon gehört, dass Saulus auf dem Weg nach Damaskus ist. „Er ist mit bewaffneten Freunden unterwegs“, berichtet einer, „um etliche von uns gefangen zu nehmen und nach Jerusalem zu bringen. Dort sollen sie dann zu hohen Strafen verurteilt werden. Am besten ist es, wenn wir uns in unsere Häuser zurückziehen und uns dort möglichst gut verstecken. Dann können wir nur noch darum beten, dass die Gefahr an uns vorbeigeht“. Die anderen nicken und ziehen sich schweigend und bedrückt in ihre Häuser zurück. Bald sitzen auch Tertius und Gaius in ihrem Unterschlupf, warten und beten. So vergehen Stunden und Tage – und es geschieht nichts. Keine geheimen Nachrichten von Freunden, keine Unruhe auf den Straßen.

Da wollen Tertius und Gaius nicht länger warten und machen sich vorsichtig auf den Weg zu Hananias. „Weißt du, was inzwischen geschehen ist?“ fragen sie ihn. „Oh ja, etwas ganz und gar Unglaubliches“, antwortet der geheimnisvoll. „Kommt mit!“ Ohne Scheu und Vorsichtsmaßnahmen macht sich Hananias mit den beiden auf den Weg, auf einer der schnurgeraden Prachtstraßen mitten hinein in das Stadtzentrum. Dabei erklärt er den beiden: „Habt keine Angst! Sauls Gefährten sind schon wieder weg. Nur Saulus allein ist noch da. Ihn werden wir jetzt besuchen!“ Erschrocken weichen die beiden zurück, doch Hananias ermuntert sie: „Ihr braucht wirklich keine Angst zu haben!“ Und er erzählt: „Eine innere Stimme – ich habe sie als Gottes Stimme erkannt – hat mich beauftragt, zu diesem Haus dort zu gehen“. Er zeigt auf ein Haus ganz in der Nähe. „Dort traf ich Saulus an. Er saß ruhig und still da, konnte nichts sehen, war ganz und gar hilflos. Langsam, mit vielen Unterbrechungen, berichtete er von seinem Erlebnis kurz vor unserer Stadt: Er fühlte sich plötzlich wie von einem hellen Blitz getroffen, stürzte vom Pferd, hörte eine Stimme, die zu ihm sagte: ‚Saul, Saul, warum verfolgst du mich?‘ Und auch: ‚Ich bin Jesus, den du verfolgst‘. Diese Sätze haben ihn innerlich aufgewühlt. Alle seine Gedanken, Pläne und Ziele sind durcheinander geraten. Ich habe ihm die Hände auf den Kopf gelegt und einen Segen für ihn gesprochen. Er hat darauf leise gesagt: ‚Alle meine Kraft will ich jetzt in den Dienst dieses Jesus stellen!‘“

 

Begegnungen mit Paulus

Was die beiden von Hananias hören, können sie kaum glauben. So geheimnisvoll und auch wunderbar ist es. Jetzt sind sie bei dem Haus angekommen. Scheu und zurückhaltend treten sie ein. Sie werden von diesem Saulus freundlich begrüßt, vor dem sie vorher so viel Angst hatten und der jetzt ein ganz anderer geworden ist. Auch er erzählt noch einmal von seinen Erlebnissen vor der leuchtenden Stadt Damaskus, und immer wieder sagt er: „Ich will jetzt zu euch Jesus-Freunden gehören. Ich will mit meinem ganzen Leben nur noch diesem auferstandenen Jesus Christus, seiner Botschaft und seiner Gemeinde dienen“.

Tertius, Gaius und Hananias erleben nun einen ungeheuer wissbegierigen Saulus. Gerne nennt er sich jetzt Paulus, als Zeichen für die größte Veränderung in seinem Leben. Sie berichten von ihrem Glauben an Jesus Christus, und immer wieder ruft Paulus dazwischen: „Wie konnte ich das alles früher nur so anders und so falsch verstehen! Ich wollte es doch ganz genau nehmen mit Gottes Geboten und den Gesetzen unseres Glaubens und habe darüber die Liebe zu den Menschen aus den Augen verloren. Ich konnte Jesus und euch nur als Feinde sehen. Alle meine Gedanken waren wie eingesperrt in den Käfig meiner Feindbilder. Aber jetzt ist der Käfig geöffnet. Jetzt spüre ich die Freiheit eines neuen Glaubens, der mich zu einem ganz neuen Menschen macht!“

Die neuen Nachrichten sprechen sich rasch im Kreis der Jesus-Freunde herum. Alle sind zu einer Begegnung mit Paulus eingeladen. Die einen begrüßen ihn freudig und vertrauensvoll als ein neues und sehr berühmtes Mitglied der Jesus-Gemeinde. Andere sind eher zurückhaltend und wollen sich erst selbst ein Urteil bilden über den sonderbaren Wandel vom erbitterten Feind zum Freund. Manche sind misstrauisch und fragen sich: „Ob sich der vielleicht bei uns nur einschleichen will, um uns danach umso mehr Schaden zuzufügen?“

Dann beginnt Paulus zu sprechen. Oft sind es stockende Sätze, aber sie kommen ganz von innen heraus, direkt aus seinem Herzen. Das spüren die Zuhörerinnen und Zuhörer. „Ich wollte im Glauben an den einen Gott alles richtig machen“, berichtet er. „Ich bin in der Hafenstadt Tarsus aufgewachsen. Dort werden von Menschen aus verschiedenen Völkern die unterschiedlichsten Götter verehrt. Dazu kommt, dass sich auch dort der römische Kaiser auch wie ein Gott verehren lässt. Da lernte ich, wie wertvoll unser Glaube an den einen Gott ist. Ich habe beschlossen, mit meinem ganzen Leben ihm zu dienen, ja für alle ein Vorbild in diesem Glauben zu werden. Das bedeutete für mich bisher, ihm durch das genaueste Einhalten aller Gebote und Gesetze die Ehre zu geben. Und ich ärgerte mich über alle, die im Glauben an den einen Gott nicht so streng waren wie ich. Dazu gehörte auch Jesus, von dem ich hörte, dass er gerade die Sünder und Übertreter der Gebote zu seinen Freunden machte. Mein eigener Glaube wurde so immer strenger. Ich merkte gar nicht, wie ich immer mehr nicht Gott zum Gesetz meines Lebens machte, sondern das Gesetz zu meinem Gott. Ich erkannte nicht, wie weit ich mich von dem gütigen, freundlichen Gott entfernt hatte, bis es mir auf dem Weg nach Damaskus wie ein Blitzschlag, der mich durchfuhr, klar wurde. Meine ganze Kraft, die ich bisher der strengen Einhaltung der Gesetze unseres Glaubens gewidmet hatte, will ich jetzt dem Gott widmen, der uns mit seinen Gesetzen und Geboten Freude am Leben und Zusammenleben mit anderen schenken will – so wie es Jesus gezeigt und vorgelebt hat“. Gebannt hören die Jesus-Freunde zu. Dann stellen sie Fragen an Paulus, erzählen auch davon, wie ihnen Jesus für ihr Leben wichtig geworden ist, Als Tertius und Gaius am Abend nach Hause gehen, meint Tertius noch: „Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Paulus noch Vieles und Großartiges erleben werden“.

 

Wie ehemalige Freunde zu Feinden werden

Aufregendes geschieht in den nächsten Tagen schon, aber ganz anders, als es sich Tertius gedacht hatte. Die Verwandlung des Paulus vom Jesus-Feind zum Jesus-Freund hat sich inzwischen in der Stadt bei allen Juden herumgesprochen. Zu ihnen allen will Paulus reden und von seinem neuen Leben berichten. Immer wieder besucht er das jüdische Gebetshaus, die Synagoge. Er predigt, führt Gespräche, begründet seine neuen Gedanken über Gott und die Bibel. Auch Tertius und Gaius sind heute mit dabei und warten gespannt darauf, wie die anderen Juden über den neuen Paulus denken. Wird er sie für den Glauben an Jesus Christus begeistern können? „Wenn es einem gelingt, dann unserem Paulus“, flüstert Gaius Tertius zu.

Aber dann folgt eine große Enttäuschung. Statt Zustimmung, die sie zwar da und dort spüren, macht sich Ablehnung und sogar Wut breit. „Verräter“, rufen einige, „du warst unser Glaubensfreund und bist zu unserem Glaubensfeind geworden! Mit diesem Jesus aus Nazareth wollen wir nichts zu tun haben!“ Ein anderer schreit: „So wie du die Jesus-Freunde verfolgt hast, zu denen du ja nun leider dazugehörst, so wollen wir jetzt auch dich verfolgen und dir deinen Verrat heimzahlen!“ Immer klarer wird Tertius und Gaius, dass Paulus in Damaskus um sein Leben fürchten muss. Nach der Versammlung in der Synagoge reden sie ihm eindringlich zu: „Paulus, du musst unbedingt heute noch die Stadt verlassen! Niemand von uns kann dich sicher schützen!“ Aber die Stadttore sind verschlossen. Wie soll da die Flucht gelingen? Zum Glück hat eine Familie der Jesus-Freunde ihre Wohnung direkt an der Stadtmauer. Vom Dach ihres Hauses kann man mit einer Leiter auf die Stadtmauer steigen. Heimlich wird Paulus dorthin gebracht. An langen Seilen kann er auf der anderen Seite der Mauer hinunter gleiten und die Stadt verlassen.

Tertius und Gaius sind traurig, dass sie von dem neu gewonnenen Mitglied ihrer Gemeinde so schnell Abschied nehmen müssen. Immer wieder überlegen sie, wie es mit Paulus jetzt wohl weitergehen wird. „Hättest du je gedacht, dass unser Erlebnis mit Paulus so endet?“ fragt Gaius seinen Freund Tertius. Der meint: „Wer sich Feinde zu seinen Freunden macht, muss wohl auch damit rechnen, dass die früheren Freunde zu Feinden werden“. Nach einer Pause fügt er noch hinzu: „Vielleicht ist die Flucht des Paulus ja gar nicht das Ende, sondern erst der Anfang! Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, wie es mit unserem neuen Freund Paulus weitergehen wird“.

 

Gesprächsanregungen

  • Auf ihrem Weg nach Damaskus wandern die Gedanken der beiden Jesus-Freunde Tertius und Gaius zurück in ihre Vergangenheit und voraus in die kommenden Tage. An was aus ihren Gesprächen kannst du dich erinnern?
  • Stell dir vor, ein Fremder aus einem anderen Land kommt auf dem Weg mit ihnen ins Gespräch und möchte sie gerne kennenlernen. Dazu stellt er ihnen einige Fragen:

- Wenn ihr auch nicht aus Damaskus stammt – woher und wieso seid ihr nach Damaskus gezogen?

- Ihr seid Juden, aber nicht so ganz die „richtigen Juden“. Wie soll ich das verstehen?

- Wer war dieser Jesus, nach dem ihr euch benennt?

- Warum seid ihr als Jesus-Freunde in Damaskus in Gefahr?

- Wer ist dieser Saulus, von dem ihr gesprochen habt?

- Warum wohl hat er es sich in den Kopf gesetzt, euch Jesus-Freunde bis nach Damaskus zu verfolgen?

  • Was Hananias von Saulus erzählt, ist eine große Erleichterung für die beiden Freunde. Aber trotzdem haben sie eine Scheu, den „anderen, neuen“ Saulus zu besuchen.
    Wie passt beides zusammen?
    Wie kannst du das verstehen?
  • In ihrem Gespräch mit Paulus bekommen die beiden Freunde immer deutlicher eine Ahnung von dem, was er auf dem Weg vor Damaskus erlebt hat. Aber es bleibt trotzdem ziemlich geheimnisvoll.
    Was haben sie ihn wohl gefragt? Welche Antworten könnte er ihnen wohl gegeben haben?

- Was war das für ein Blitz, der dich von dem Pferd geworfen hat?

- Wie war es für dich, dass in dir auf einmal alles anders geworden ist?

- Auf einmal hast du Jesus und uns Jesus-Freunde mit ganz anderen Augen gesehen.Was ist für dich das Andere?

- Ging es dir in den Tagen nach diesem Erlebnis eher gut oder schlecht?

- Wie hast du deine erste Begegnung mit Hananias erlebt?

  • In seinem Bericht spricht Paulus auch von einem ‚Käfig seiner Feindbilder‘, aus dem er nun befreit ist.
    Wie ist das zu verstehen?
    Wie ist er in diesen Käfig geraten und wieder herausgekommen?
    Wo gibt es solche Käfige auch heute?
    Wie könnte man sie öffnen?
    Inwiefern kann die Botschaft von Jesus ein Schlüssel sein, mit dem man sie öffnen kann?
  • Paulus spricht viel von den Gesetzen. Auf der einen Seite sind sie wichtig und hilfreich, auf der anderen Seite können sie zu ‚Käfigen‘ werden.
    Worin unterscheiden sich ‚Gesetze mit Liebe‘ von ‚Gesetzen ohne Liebe‘?
    Wo steckt die Gefahr, dass Gesetze zu ‚Käfigen‘ werden können?
  • Paulus hat gesagt: „Ich wollte gerne Gott zu meinem Gesetz machen und habe doch das Gesetz zu meinem Gott gemacht“. Wie hat er das wohl gemeint?
  • Von seinen Gesprächen in der Synagoge hat sich Paulus sicherlich Anderes erwartet, als es dann gekommen ist.
    Auf dem Heimweg von solchen Gesprächen hat er sich zusammen mit seinen neuen Freunden wohl viele Gedanken gemacht, warum es so gekommen ist.
    Welche Gedanken könntest du zu solch einem Gespräch beitragen?
  • Dass die Jesus-Freunde Paulus zur Flucht verhelfen konnten, war für sie sicherlich ein gutes Erlebnis. Aber dieser Abschied ist ihnen bestimmt auch schwer gefallen.
    Wie könntest du diese Gefühle beschreiben?
  • Und dann machten sie sich viele Gedanken, wie es wohl mit Paulus weitergehen wird.
    Was wären dazu deine Vermutungen?

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© 2018 Frieder Harz