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K

    April 2013

Mirjam und die Rettung Moses (2. Mose 1)

Mögliche Bezüge:

  • Identifikationsangebote für Mädchen
  • Situationen, in denen es um Durchhaltekraft geht: Pläne schmieden und vollenden; in Bedrängnis nicht aufgeben
  • Theologisieren, wie sich Gottes Kraft in menschlichem Wirken zeigt

Die Geschichte von Mirjam führt uns in die Anfangszeit Israels im zweiten Jahrtausend v.Chr. Eine israelitische Sippe hatte in Ägypten Aufnahme gefunden, aber nach kurzer Zeit entpuppte sich dies als schlimme Falle: die Israeliten durften das Land nicht mehr verlassen, wurden zur Sklavenarbeit – wohl im Zusammenhang des Pyramidenbaus – gezwungen, litten große Not. Die Befreiung geschah durch Mose, der von Gott dazu beauftragt wurde, vom ägyptischen Pharao die Erlaubnis zum Auszug einzufordern. Das gelang ihm im Zusammenhang vieler aufregender Zwischenfälle.

In der biblischen Überlieferung wird neben der zentralen Gestalt des Mose auch seine Schwester Mirjam erwähnt. Sie verdient es, neben den vielen Männergestalten in der Bibel die ihr gebührende Beachtung zu finden. Als Beispiel einer starken Frau gibt die Geschichte von ihr viele Anstöße, darüber nachzudenken, was ihre Stärke ausmacht. 

Eindrucksvoll ist da besonders die biblische Geburtslegende des Mose. In ihr lernen wir auch die beiden ägyptischen Hebammen kennen, die sich dem Befehl des Pharao widersetzen und dadurch Menschenleben retten. Und Mirjam bekommt in dieser Geschichte die Aufgabe zugeschrieben, den Plan zur Rettung des Mose wesentlich in die Wege zu leiten. (Weil Mirjam den Mädchen und Jungen zur Identifikation angeboten wird, geht in der folgenden Erzählung - abweichend von der biblischen Vorlage - die Rettungsidee samt der Verwirklichung von ihr aus.)

Ziele:

  • Eine wichtige Frauengestalt der Bibel kennenlernen
  • Ihre Sorge und Angst, Mut und Freude miterleben
  • Vertrauen in eigene Fähigkeiten gewinnen
  • Gottes Wirken im menschlichen Planen und Durchführen wahrnehmen

1. Müde und erschöpft kommt der Vater von der Arbeit heim. Mirjam freut sich, wenn er zuhause ist, aber sie spürt heute auch, dass es ihm schlecht geht. „Heute war es wieder besonders schlimm“, erzählt der Vater. „Wir mussten Lehmziegel formen und dann zu den Brennöfen tragen, wo sie zu Backsteinen gebrannt wurden, den ganzen Tag, ohne Pause hin und her. Und die Ziegel sind schwer. Als unser Nachbar einmal nicht mehr konnte, kam gleich ein Aufseher und schlug ihn mit der Peitsche. Wie lange soll das bloß noch weitergehen?“ – „Warum hilft uns Gott nicht?“ fragt Mirjam. „Wir beten doch alle Tage: Gott, sieh die Not deines Volkes an und errette uns aus dieser schlimmen Lage!“ Der Vater wiegt den Kopf und sagt: „Wir wissen auch nicht, warum uns Gott im Stich lässt. Wir können nur hoffen, dass diese schlimme Zeit bald vorbei ist! Wenn es nur ein Zeichen der Hoffnung gäbe, ein kleines Zeichen. Dann könnten wir das alles besser ertragen!“ Mirjam kümmert sich um ihren Vater, damit er es wenigstens am Abend ein bisschen angenehm hat. Sie würde so gerne helfen, aber sie weiß nicht, wie. „Vielleicht finde ich ein Zeichen der Hoffnung“, denkt sie sich, auf das alle warten. Auf jeden Fall will sie ihre Augen und Ohren aufmerksam offen halten.

 

2. Ein paar Tage später kommt sie bedrückt nach Hause. „Von den Frauen habe sich eine schlimme Geschichte gehört“, sagt sie. Der ägyptische König, der Pharao hat befohlen, dass alle neugeborenen Buben getötet werden sollen. „Warum sagt er das?“ fragt sie die Mutter. „Er hat Angst“, antwortet die, „dass unsere Jungen groß und stark werden und sich dann gegen die ägyptischen Aufseher wehren könnten. Dafür sollen dann lieber die Frauen schuften, die sind nicht so stark!“ Mirjam ist empört. Ein Zeichen der Hoffnung ist diese Geschichte wirklich nicht!
Die Zeit vergeht. Eines Tages, als sie wieder nach Hause kommt, flüstert sie ihrer Mutter zu: „Ich glaube, heute habe ich ein Zeichen der Hoffnung gefunden!“ – „Dann erzähle es uns gleich allen“, antwortet die Mutter. Und Mirjam erzählt: „Ich war bei meiner Freundin. Und dort habe ich von zwei ägyptischen Frauen etwas gehört, Pua und Schifra heißen die. Die haben sich einem Befehl des Pharao widersetzt.“ – „Das sind die beiden ägyptischen Hebammen“, unterbricht die Mutter, „die bei der Geburt auch unserer Kinder mithelfen, damit alles gut geht. Erzähl weiter, was hast du von ihnen gehört?“ Mirjam erzählt weiter: „Sie haben den Auftrag neugeborene Jungen aus unserem Volk zu töten, aber das tun sie nicht! Unser Beruf ist es, lebendige Kinder zur Welt zu bringen, sagen sie, das andere ist nicht unser Beruf. Aber der Pharao und seine Beamten waren sehr zornig über die beiden. Sie wurden eindringlich ermahnt, sich an den königlichen Befehl zu halten. Und jetzt gehen sie heimlich zu unseren Frauen bei der Geburt und kommen später noch einmal ganz normal und sagen dann: Die Frauen haben schon geboren, da war kein Junge. Das finde ich ganz schön mutig!“ – „Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass es so mutige ägyptische Frauen gibt, aber erst ein kleines“, sagt die Mutter. Denn die kleinen Jungen müssen ja versteckt werden, und das bringt noch viele neue Schwierigkeiten, und die Freiheit bringt uns das noch nicht. Wir können nur weiter hoffen!“

 

3. Wieder vergeht die Zeit. In diesen Tagen hat Mirjam große Sorgen. Sie hat erfahren, dass ihre Mutter ein Kind erwartet. Eigentlich freut sie sich ja darauf, aber was ist, wenn es ein Junge ist? Wird der dann getötet? Oder kann man ihn verstecken? Aber wie soll das gehen? Sie überlegt hin und her, was man denn tun kann, wenn das Baby ein Junge ist. Seit Wochen geht die Mutter gar nicht mehr auf die Straße. Oft weint sie und sagt zu Mirjam: „Was sollen wir bloß tun, wenn es ein Junge wird?“ Gemeinsam beten sie zu Gott, und Mirjam betet auch noch für sich: „Lieber Gott, gib mir bitte eine gute Idee!“ Und dann ist es soweit. Das Kind ist da. Es ist ein Junge. Die Eltern sind verzweifelt. Aber Mirjam erklärt ihnen jetzt ihren Plan. „Dein Plan ist verwegen“, sagt der Vater, „aber es bleibt uns keine Wahl!“

 

4. Gemeinsam machen sie ein Körbchen zurecht, in das hinein das Baby passt. Sie dichten das Weidengeflecht mit Lehm sorgfältig ab, damit kein Wasser von außen hinein kann und es wie ein Schiff ist. Da hinein legen sie das kleine Kind. Dann gehen sie heimlich hinunter zum Nil-Fluss. Mirjam hat vorher alles genau erkundet. „Wenn wir jetzt das Schiffchen losschwimmen lassen, dann treibt es genau zu dem Platz hin, wo in wenigen Minuten die Tochter des Königs erscheinen wird und wie an jedem Abend badet. Sie wird das Körbchen bestimmt sehen!“ – „Es ist ein Wagnis auf Leben und Tod“, seufzt leise die Mutter, „ob ich jemals wieder mein Kind sehen werde?“ Und Mirjam betet leise: „Lieber Gott, hilft mir, dass alles gut geht! Es ist alles so gefährlich!“ Und dann schwimmt das kleine Schiffchen vom Ufer weg. Die Mutter weint still vor sich hin und verschwindet vorsichtshalber. Mirjam bleibt in ihrem Versteck und passt gut auf.

 

5. Das Körbchen schwimmt genau in die richtige Richtung. Und jetzt kommt auch die Königstochter mit ihren Freundinnen. Es klappt, es klappt, jubelt Mirjam innerlich. Sehen sie das Körbchen? Ja, jetzt rufen sie sich erstaunt etwas zu. Eine trägt das Körbchen ans Ufer, sie machen es auf, alle freuen sich über das Baby, streicheln es, nehmen es heraus. Dann schauen sie herum, etwas ratlos. Jetzt ist für Mirjam der entscheidende Augenblick gekommen. Sie geht leise zum Weg und schlendert dann ganz normal zum Nilufer, dorthin, wo die Frauen sind. Als Mädchen darf sie das. Sie tut ganz ahnungslos, begrüßt die Frauen sehr höflich, wundert sich mit ihnen über das eigenartige Körbchen. Sie hört zu, wie die ägyptischen Frauen beschließen, das Baby unter ihren persönlichen Schutz zu nehmen. Aber wer kann das Kind stillen? Mirjam tut so, als ob sie scharf nachdenkt und sagt dann: Ich kenne da eine Frau, die könnte das tun. Und die Königstochter ist einverstanden. Und dann stockt Mirjam fast der Atem: Die Tochter des Pharao nimmt ihren kostbaren Schmuck vom Hals, legt ihn dem Baby auf den Bauch und sagt: Das ist das Zeichen dafür, dass diesem Kind nichts passieren darf. Es soll wie mein eigenes Kind sein. Und es soll Mose heißen. Kein Soldat darf es töten, und du trägst die Verantwortung dafür, dass es dem Kind gut geht. Am besten bringst du es gleich zu der Frau, die es stillen kann. Und du wirst auch mir regelmäßig das Kind bringen, damit ich selbst sehen kann, wie es ihm geht.

 

6. Als Mirjam mit dem Baby zurückkommt, weint die Mutter wieder, aber diesmal vor Freude. Alle bewundern das Schmuckstück der Königstochter. Mirjam ist jetzt neben der Mutter die wichtigste Person. Sie achtet sorgfältig auf ihren Bruder. Und sie sorgt auch dafür, dass niemand außerhalb der Familie erfährt, dass dieser Junge ihr Bruder ist. Er ist für andere immer nur das Findelkind der Königstochter. Das ist gar nicht so leicht, sich nicht zu verplappern. Am meisten muss Mirjam Acht geben, wenn sie das Kind in den Königspalast bringt und der Königstochter von Mose erzählt, damit ihr nichts herausrutscht. Aber es geht alles gut. Jeden Abend betet Mirjam mit den Eltern ein Dankgebet. Und der Vater sagt immer wieder zu ihr: „Jetzt haben wir wirklich ein sehr großes Zeichen der Hoffnung!“

Gesprächsanregungen:

• Was war für euch in der Geschichte am spannendsten?
• Die beiden Hebammen hatten großen Mut. Es hätte mit ihnen auch ganz anders ausgehen können.
• Wo habt ihr in der Geschichte Mirjam als besonders stark erlebt?
• Mirjam hat nach Zeichen der Hoffnung gesucht. Was kann eurer Meinung nach ein Zeichen der Hoffnung bewirken?
• Mirjam hat auch viel zu Gott gebetet. Meint ihr, ob ihr das geholfen hat?
 

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© 2017 Frieder Harz