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K

    Februar 2013

 

Ritter Georg und sein Kampf gegen den Drachen

Ziel:

  • In der Geschichte den Kampf gegen den Drachen als mutigen Widerstand gegen das Böse mitvollziehen
  • miterleben, wie der Kampf gegen das Böse im Zeichen des Gelingens steht.

Die Darstellung des Hl. Georg, der den Drachen ersticht, findet sich auf unzähligen Bildern, auf plastischen Bilderfriesen über Kirchentüren und Standbildern. Die Legende erzählt, dass in einem See vor der Stadt Selene im nordafrikanischen Libyen ein Drache haust, der mit seinem Gifthauch die Stadt verpestet. Nur durch täglich zum Fraß vorgeworfene Lämmer kann er davon abgehalten werden, die Stadt zu vernichten. Nachdem keine Lämmer mehr zur Verfügung stehen, werden Kinder ausgelost – das Elend ist unermesslich. Es erreicht seinen Höhepunkt, als das Los die Königstochter trifft. Da tritt Ritter Georg auf und sagt seine Hilfe zu. Im Zeichen des Kreuzes sticht der das Untier so, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Mit dem Gürtel der Königstochter führt er dann den Drachen wie ein Hündchen in die Stadt. Die Angst der Bevölkerung ist aber immer noch da. Georg verspricht das Untier zu töten, wenn sich die Stadt zum Christentum bekehrt, was dann auch geschieht.

In den folgenden Jahren führt die von den römischen Kaisern betriebene Christenverfolgung dazu, dass viele Bürger der Stadt sich wieder dem früheren Glauben zuwenden. Georg legt daraufhin sein ritterliches Gewand ab, predigt im Zeichen der Armut den Glauben an Jesus Christus, wird gefangen genommen und gefoltert. Im Gefängnis erscheint ihm Christus und bewahrt ihn bei mehreren Versuchen seiner Peiniger, ihn auf grausame Weise zu töten. Doch schließlich wird Georg in einem dramatischen Geschehen enthauptet und nimmt so seinen Platz unter den Märtyrern ein.

In den Abbildungen dominiert der Ritter Georg mit seiner Befreiungstat. Der Drache ist ein gewissermaßen archetypisches Bild. Er steht für das Bedrohliche im Leben, vor allem für das nicht fassbare Ängstigende, gegen das man sich kaum wehren kann. Der eigenen Hilflosigkeit aber steht die rettende Tat des Hl. Georg gegenüber – eine symbolische Veranschaulichung der Botschaft, dass – vor allem mit der Hilfe des Glaubens – das Bedrohliche seine ängstigende Macht verlieren kann und wird.

Aus der umfänglichen Georgslegende wird in der folgenden Erzählung nur das Motiv des Drachenkampfs aufgegriffen.
Die Szenerie bleibt von Anfang an märchenhaft. Der Drache steht ja für Ängstigendes, Furchterregendes im weitesten Sinne, das in diesem Fall nur durch Vernichtung gebannt werden kann.
Mit dem mutigen Georg, der gegen das Böse angeht und es besiegt, werden sich die Kinder gerne identifizieren.
Mit den auf den Erzählvorschlag folgenden Gesprächsimpulsen können sie sich dann auch vom mythischen Bösen der Geschichte lösen, sich Bedrohlichem in ihrer Erfahrungswelt zuwenden und bedenken, wie man hier Angst überwinden kann.

 

Georg ist ein kräftiger Mann und ein mutiger Ritter. Er lebt in einem fernen Land, in dem so vieles ganz anders ist als bei uns. Anders sind vor allem die Gefahren, mit denen die Menschen dort leben müssen. Immer wieder zieht Georg seine Rüstung an, nimmt sein Schwert, schwingt sich auf sein Pferd und reitet los, um zur Stelle zu sein, wenn die Menschen Hilfe brauchen. Gerne suchen die Leute bei ihm Schutz. So reitet Georg von Stadt zu Stadt, redet mit den Menschen, lässt sich von ihren Sorgen erzählen und hilft mit, sie zu vertreiben.

Vor einigen Tagen hat er etwas Schlimmes gehört. Die Leute haben ihm erzählt, dass in der Nachbarstadt ein böser Drache die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Er lebt in einem großen See, kommt jeden Tag heraus, faucht und schnaubt auf furchterregende Weise und lässt sich nur besänftigen, wenn die Bewohner der Stadt ihm jeden Tag zwei Lämmer zum Fraß vorwerfen. Aber die Menschen dort haben jetzt keine Lämmer mehr. Und deshalb holt sich der Drache jetzt jeden Tag zwei Kinder. Die Stadtbewohner sind verzweifelt. Was sollen sie tun? Wer kann sie von diesem bösen Drachen befreien?

Georg hört aufmerksam zu, und die Leute schauen ihn aufmunternd an. Einer sagt: „Georg, die Leute dort warten auf dich!“ Da muss Georg zuerst schlucken, denn gegen einen Drachen hat er noch nie gekämpft. Der Mann redet weiter: „Georg, du bist der einzige, der helfen kann. Du kannst es wirklich! Die Menschen dort stehen alle auf deiner Seite und Gott auch. Es wird dir gelingen, mit Gottes Hilfe den Drachen zu besiegen!“

Georg muss noch über die Worte des Alten nachdenken und sagt dann zu sich: „Der Mann hat recht. Und ich weiß, dass Gott auf meiner Seite ist, wenn ich gegen das Böse kämpfe. Denn nur so können die Menschen in der Stadt wieder im Frieden leben“. Und dann setzt er sich auf sein Pferd und reitet los.

Als er in der Stadt angekommen ist, begrüßen ihn die Bewohner freundlich. Aber es fehlt die Freude. Georg spürt die Angst, die wie ein Nebel über der Stadt liegt. Er sieht nur traurige, müde, verzweifelte Gesichter.
Er reitet zum Königsschloss und trifft die Königin und den König in großer Verzweiflung an: „Stell dir vor“, sagen sie, „der Drache will jetzt, dass wir ihm unsere Tochter zum Fraß vorwerfen! Will er uns denn alle vernichten? Wir können uns nicht gegen ihn wehren. Wie gut, dass du genau zur rechten Zeit gekommen bist!“ Georg meint: „Mit Gottes Hilfe werde ich euch von diesem bösen Drachen befreien können. Vertraut auf Gott, und betet für mich, dann wird es gelingen!“

Am Abend reitet Georg zusammen mit der Königstochter hinaus zum See. Der Drache schmatzt schon vor Vergnügen und Appetit, als er die junge Frau sieht. Seine Augen funkeln böse. Sie funkeln noch mehr, als er Georg sieht. Er faucht ihn an und läuft auf ihn zu. Furchterregend sieht er aus. „Jetzt muss es sein!“ ruft Georg, reitet direkt auf ihn zu und stößt ihm blitzschnell sein Schwert in den weit aufgerissenen Rachen. Der Drache windet sich und bleibt betäubt liegen. Da schreit Georg ihn an: „Ich kämpfe im Namen Gottes dafür, dass Menschen friedlich und ohne Todesangst leben können. Du bist jetzt in meiner Gewalt!“ Georg geht mutig zu ihm hin, bindet ihn mit dem Gürtel der Königstochter und führt ihn zusammen mit ihr zurück in die Stadt.

Ängstlich blicken die Menschen diesem Zug entgegen, als die drei zum Königsschloss ziehen. Solange Georg bei dem Drachen steht, hält der still. Aber sobald er sich zur Seite wendet, bäumt er sich wieder auf und schnaubt wild, so dass alle vor Angst wegrennen. Da nimmt Georg noch einmal sein Schwert und ersticht den Drachen endgültig.

Erst jetzt lösen sich die Menschen von ihrem Schrecken und von ihrer Angst. Sie atmen tief auf, freuen sich und lachen, fassen sich bei den Händen und tanzen. Dann geht der König feierlich zu Georg und sagt: „Wir bewundern deine Kraft und deine Tapferkeit!“ Und Georg antwortet: „Es ist die Kraft, die Gott mir gegeben hat, damit ihr nie mehr vor diesem Ungeheuer Angst haben müsst!“

Noch in derselben Nacht findet ein großes Fest statt, und am nächsten Morgen reitet Georg weiter.

 

Gesprächsimpulse

  • Was gefällt dir an Georg besonders gut? Erzähle davon!
  • Ob Georg wohl gerne in die Stadt geritten ist, die von dem Drachen bedroht war? Was meinst du?
  • Was der alte Mann zu Georg sagte, war für ihn ganz wichtig. Warum wohl? Erinnerst du dich?
  • Georg hat den bösen Drachen bekämpft und getötet. Böses begegnet uns heute auf andere Weise. Auf welche? Wie kann man es da am besten bekämpfen?

 

 Tympanon der Georgs-Basilika auf dem Hradschin in Prag

 

Anregungen zum Bild

Das oben abgebildete großartige, im Mittelalter in Sandstein gearbeitete Relief ist als Tympanon über dem Nordportal der ehemaligen Klosterkirche St. Georg hoch oben auf der Prager Burg angebracht. Es sollte die Gläubigen schon beim Eintreten in die Kirche an die Geschichte der wunderbaren Rettung der Prinzessin durch den Namenspatron ihrer Kirche erinnern.

Auf dem steinernen Bild ist ganz im Vordergrund der Heilige Georg auf seinem mächtigen Schlachtross zu sehen. Er ist genau in dem Moment dargestellt, als er sich in den Steigbügeln erhoben hat und weit vornüber gebeugt mit seinem langen Schwert zum Schlag ausholt, um den Drachen zu erlegen und die Prinzessin zu erretten.
Auch das Pferd des Ritters hat sich auf die Hinterbeine gestellt und bedroht mit seinen Vorderhufen den Drachen. Der duckt seinen Körper fest an den Boden, macht sich ganz klein, hat aber seinen Kopf mit aufgerissenem Maul angriffslustig und - wahrscheinlich – Feuer speiend erhoben. Er ist in diesem Moment noch eine gefährliche Bestie.

Ganz klein in der Ferne ist die schöne Prinzessin in einem wunderbar fließenden Gewand zu sehen. Sie scheint den Kampf zu beobachten, ist aber wohl schon in Sicherheit, denn neben ihr ist auch die väterliche Burg abgebildet.

Im Vergleich zu vielen anderen bekannten Kunstwerken, die den Kampf des Heiligen Georg mit dem Drachen zeigen, ist dieses Relief überaus lebendig und naturnah gestaltet. So ist nicht nur die felsige Umgebung vor der Höhle des Drachen realistisch wiedergegeben, sondern auch die fließende Bewegung des Ritters auf seinem Pferd ist außergewöhnlich gut getroffen und lässt uns vermuten, dass der Künstler Ritterkämpfe genau beobachtete und dies in seine Kunst umsetzen konnte. Seine Begabung zeigt sich darüber hinaus auch in der geschickten Raumaufteilung zur Tiefe hin und in der dekorativen, detaillierten Darstellung des geflügelten Drachen.

Reliefs sind plastische, in Stein gearbeitete Bilder. Das Werkzeug besteht aus Sticheln verschiedener Größe und Holzhämmern, sog, Knüpfeln. Zu unterscheiden sind Viertel-, Halb- und Dreiviertelreliefs, je nachdem, wie weit die Figuren plastisch in die Tiefe gearbeitet sind.
Wie bei Holzschnitzarbeiten sind Korrekturen sehr schwierig, d.h. es muss von Anfang an groß und möglichst gleichmäßig über die ganze Fläche arbeitend begonnen werden, dann erst wird Schicht für Schicht in die Tiefe gearbeitet. Details werden erst ganz zum Schluss mit immer feineren Sticheln eingeschlagen.

 

Gesprächsanregungen:

  • Auf diesem aus Stein heraus geformten Bild kannst du viel von der Georgs-Geschichte wiedererkennen. Erzähle!
  • Am größten ist Ritter Georg mit seinem Pferd. Warum wohl?
  • Stell dir vor, der Georg auf dem Bild könnte sprechen. Was würde er jetzt wohl rufen?
  • So wie der Ritter auf dem Pferd sitzt und das Schwert hält, können wir gut erkennen, wie es ihm gerade geht. Was meinst du?
  • Der Künstler hat nie einen echten Drachen gesehen. Was war ihm bei der Darstellung des Drachens wohl besonders wichtig?

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© 2017 Frieder Harz