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Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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K

    Juli 2012

Besuch in der Ikonen-Malwerkstatt

Ziele:
entdecken, wie sehr Ikonen orthodoxe Frömmigkeit zum Ausdruck bringen
wahrnehmen, unter welchen Bedingungen Ikonen entstehen

Fördert:
Interesse an anderen Konfessionen
Nachdenken über die Bedeutung von Bildern des Glaubens
Interesse, viel über Ikonen zu erfahren


Einblicke in das Besondere orthodoxer Frömmigkeit können uns die Ikonen (= griechisches Wort für Bilder) und der Umgang mit ihnen geben. Die Bedeutung der Ikonen wird erst auf dem Hintergrund der heftigen theologischen Streitigkeiten in den frühen Kirchen des Ostens verständlich: Einerseits sollte das biblische Bilderverbot (2. Mose 20,1ff.) den Glauben davor schützen, dass den Bildern selbst Heiligkeit zukommt, die doch nur der abgebildeten Person gebührt. Andererseits waren die Bilder unverzichtbar, um die weithin lese- und schreibunkundigen Gläubigen in möglichst anschaulicher Weise mit den Inhalten des Glaubens vertraut zu machen. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung waren strenge Regeln, unter denen das Malen von Ikonen erlaubt war. Sie werden in der Erzählung in elementarisierter Form zur Sprache gebracht.
In der Erzählung klingt auch an, welchen besonderen Ort die Ikonen im orthodoxen Kirchenraum und Gottesdienst haben.


Heute Nachmittag sind wir zum Besuch bei Meister Giorgos eingeladen. Er ist der Chef einer Malerwerkstatt, in der Ikonen hergestellt werden. Ikone ist der griechische Name für Bild. Es sind ganz bestimmte Bilder, die in diesem Haus gemalt werden: Bilder von Maria und den anderen Heiligen, von Johannes dem Täufer und natürlich von Jesus. Diese Bilder sind so ganz anders, als wir sie sonst kennen. Warum sie so sind, das wird uns gleich Meister Giorgos erklären.

Er begrüßt uns freundlich und führt uns zuerst in die Kapelle des Hauses. Ein paar Besucher sind gerade dabei, sie zu verlassen. Beim Ausgang verneigen sie sich vor einem Bild unter Glas, das vor den Augen auf einem Gestell liegt, machen das Kreuzzeichen und küssen es. Dann gehen sie hinaus. Das Bild müssen wir uns doch gleich anschauen. Richtig, es ist eine Ikone, und es zeigt drei Engel, die wir an den Flügeln und dem goldenen Schein über ihren Köpfen erkennen können. „Die Geschichte dazu erzähle ich euch später“, sagt Giorgos. Wir wollen zuerst einmal wissen, warum die Leute die Ikone geküsst haben. Draußen in einer kleinen Vorhalle vor der Kapelle erklärt er es uns: „Früher, als die meisten Menschen noch nicht lesen und schreiben konnten, da haben sie durch Bilder aus der Bibel und vom Leben der Heiligen erfahren. Unsere Kirchen sind bis heute ganz mit diesen Bildern ausgemalt. Den Besuchern der Gottesdienste sind die Bilder sehr ans Herz gewachsen, sie haben sie verehrt, ehrfürchtig mit den Händen berührt und auch geküsst. Und so wie auch heute noch in vielen Häusern Kreuze angebracht sind, haben orthodoxe Christen zu Hause solche Ikonen-Bilder von ihren Lieblingsheiligen aufgehängt.

Dann aber sind die Priester und Bischöfe zu den Malern gekommen und wollten ihnen das Malen verbieten: „Die Leute sollen Gott, Jesus Christus und die Heiligen selbst verehren und nicht die Bilder!“ haben sie geschimpft. Die Maler waren zuerst erschrocken, haben sich dann aber mit den Priestern zusammengesetzt und beraten und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Verehrung soll wirklich nicht dem Bild selbst gelten, sondern den Personen auf ihm. Deshalb malen wir Maler diese Personen nun immer gleich und denken beim Malen ganz fest an sie. Wir beten darum, dass Gott uns zum Malen anleitet. Es soll so sein, dass die Menschen, die dann die Ikone anschauen, nicht an unsere Malkunst und die Schönheit des Bildes denken, sondern ganz fest nur an die Person auf dem Bild. Deshalb schreiben wir auch immer die Namen dieser Personen auf das Bild. ‚So ist es gut’, haben die Priester gesagt. Wenn ihr Maler das so malt, dann ist es in Ordnung!“

Meister Giorgos geht jetzt mit uns hinüber in die Werkstatt. Unterwegs sagt er noch: „Das Malen einer Ikone ist für uns wie ein Gebet. Deshalb beginnen wir auch jeden Tag mit einer Andacht in der Kapelle und bitten Gott auch den ganzen Tag über, dass wir so malen können, dass später die Leute gut an Jesus, Maria und die Heiligen denken können. „Kann bei dir jeder Maler werden?“ fragen wir. „Nein“, antwortet Giorgos. „Er muss zum einen sehr gut malen können, denn ein schlechtes Bild wäre eine Beleidigung der Person auf ihr“. Und dann holt er aus seinem großen Arbeitskittel ein Büchlein hervor und liest vor: „Der Maler soll fromm sein und regelmäßig in den Büchern des Glaubens studieren und mit den Kirchenlehrern darüber sprechen“.

In der Werkstatt sind schon viele der Mitarbeiter von Giorgos bei der Arbeit. Da sind einige dabei, Bretter ganz glatt zu hobeln und zu schleifen und sie mit Kreide und Leim so einzustreichen, dass eine ganz ebene Fläche zum Malen entsteht. Andere haben ein bearbeitetes Holz vor sich und ritzen vorsichtig die Umrisse der Person hinein, die auf das Bild kommen soll. Sie haben Ikonenblätter neben sich liegen, die sie möglichst genau auf das neue Bild übertragen. „Alles muss genau stimmen“, meint Giorgos. „Aber wir Maler schauen uns die Vorlage für eine neue Ikone mit so viel Ruhe, Konzentration und Gebet an, dass wir sie wirklich ganz genau in unserem Kopf haben. Die Malvorlagen sind da nur noch eine Hilfe“.

Andere haben Ikonen vor sich, bei denen nur noch die Farben fehlen. „Natürlich kommen nur die wertvollsten Farben auf das Bild“ erklärt uns Giorgos. „Hauchdünne Blättchen aus kostbarem Gold werden aufgetragen“. Dass Rot und Blau auch ganz wertvolle Farben sind, das wissen wir bereits. Auf einem Tisch leuchtet uns schon eine bemalte Ikone entgegen. Der Maler ist gerade dabei, einen durchsichtigen Lack aufzutragen. „Der soll die wertvollen Farben vor dem Ausbleichen im Tageslicht schützen“, sagt Giorgos.

„Wozu braucht man eigentlich immer wieder neue Ikonen?“ fragen wir Meister Giorgos noch. „Na ja“, meint der, „es werden doch auch immer wieder neue Kirchen und Wohnhäuser gebaut, in denen Ikonen sein sollen“. Und dann lächelt er und meint: „Na ja, wir freuen uns auch, wenn wir wieder schöne neue Ikonen haben. Denn ein kleines bisschen verändern dürfen wir sie beim Malen doch. Das ist uns erlaubt – aber nur, wenn wir dabei wirklich ganz fest an die Person denken, die wir malen.“ Und dann zeigt er uns noch zwei Ikonen, an denen wir das selbst überprüfen können.

 

Gesprächsanregungen

  • Kannst du jetzt besser verstehen, warum die Ikonen so anders aussehen, als wir es in den Bildern der Bibel bei uns kennen?
  • Kannst du auch verstehen, warum sie oft so streng und starr aussehen?
  • Findest du die Regeln richtig, die für die Ikonenmaler gelten? Gäbe es andere Regeln, die du vorschlagen würdest?
  • Ist es richtig, dass die Ikonenmaler die Bilder nur ein kleines bisschen verändern dürfen?- Sollten Ikonenbilder auch bei uns im Haus hängen, und wenn ja, wo?

 

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© 2017 Frieder Harz