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K

    Juni 2012

Monatsgeschichte Juni 2012: Eine Erzählung zu Menschen aus unserer Zeit

 

Busstreik in Montgomery

 

Thema:  Gewalt erleben – und wie mit ihr umgehen?
Ziel:         Wahrnehmen, welche Kraft in konsequent praktizierter und gut durchdachter Gewaltlosigkeit stecken kann
Fördert:

  • Nachdenken über Strategien gegen Gewalt
  • Wertbewusstsein
  • Wahrnehmungsfähigkeit
  • Empathie

Heiligengeschichten und –legenden der christlichen Tradition erzählen davon, wie sich Frauen und Männer mutig und selbstbewusst der auf andere ausgeübten Gewalt entgegengestellt haben. Man muss dabei aber nicht nur in ferne Jahrhunderte zurückschauen.
Zu den beeindruckendsten Repräsentanten des christlichen Glaubens im 20. Jh. gehört ohne Zweifel der amerikanische farbige evangelische Pfarrer Martin Luther King. Er hat mit seiner Glaubensüberzeugung, mit Mut und Entschlossenheit und mit dem konsequenten Einsatz von Instrumenten der Gewaltlosigkeit die Überwindung der Rassentrennung in den USA in die Wege geleitet.
Ein schon „klassisches“ Detail dieser Befreiungsgeschichte ist der Busstreik in Montgomery 1955, der mit dem mutigen Widerstand der schwarzen Näherin Rosa Parks angestoßen wurde.

 

Den ganzen Tag über war Rosa Parks auf den Beinen gewesen, so wie an jedem Arbeitstag im großen Warenhaus in Geschäftszentrum der amerikanischen Stadt Montgomery. Sie steht nun zusammen mit einigen Kolleginnen nun an der Bushaltestelle, der Bus kommt, sie steigt ein, er ist schon fast voll, die Frauen setzen sich auf die noch freien Plätze gleich hinter den für weiße Fahrgäste reservierten. Ja, das gehört auch zu ihrem Alltag, dass schwarze und weiße Personen streng voneinander getrennt sind – bei der Arbeit, in den Gasthäusern und Kinos und auch im Bus. Und natürlich sind es immer die besseren Plätze, die für die Weißen reserviert sind. Denn die haben ja schließlich die Macht im Land.

Rosa ist müde, sie freut sich, dass sie sitzen kann und wartet darauf, dass der Bus endlich abfährt. Aber immer noch steigen Leute zu. Jetzt sind es einige Weiße. Sie schauen sich im Bus nach freien Plätzen um, sehen keine, reden mit dem Fahrer. Der steht auf, geht zu Rosa und ihren Kolleginnen und fordert sie auf, aufzustehen und den Bus zu verlassen: „Ihr seid Schwarze“, sagt der Fahrer, „die Weißen haben das Vorrecht auf Sitzplätze, also, steigt aus!“ Das tun die anderen schwarzen Frauen, nur Rosa bleibt sitzen. Sie weigert sich aufzustehen und sagt laut und deutlich: „Ihr seid doch auch Christen! Und ihr wisst doch, dass alle Menschen vor Gott gleich sind, ob schwarz oder weiß. Darum ist es nicht recht, dass ihr Weißen uns Schwarze ständig benachteiligt. Ich bin müde, meine Füße tun mir weh, ich habe auf den Bus gewartet und nehme jetzt mein Recht auf den Sitzplatz in Anspruch“.

Aber der Busfahrer und die zuletzt zugestiegenen Weißen achten nicht darauf, was Rosa sagt, sondern schreien sie nun an: „Steh gefälligst auf, sonst holen wir die Polizei!“ Doch Rosa bleibt sitzen. Jetzt ist ihre Müdigkeit verflogen. Mit klopfendem Herzen schaut sie auf die weißen Fahrgäste, die wütend auf sie einreden. Es wäre jetzt wohl viel einfacher für sie, schnell aufzustehen und zu gehen. Jetzt wäre noch eine gute Gelegenheit dazu. Aber Rosa bleibt sitzen. Es ist wie ein innerer Befehl. „Gott will, dass die Menschen aller Hautfarben gleich sind“, sagt sie vor sich hin. Und darum kann sie jetzt nicht einfach aufstehen und gehen. Sie weiß, dass dieser Tag noch ein ungemütliches Ende für sie bringen wird. Trotzdem steht sie nicht auf.

Ja, und dann kommt die Polizei und verhaftet Rosa Parks. Die folgenden Tage muss sie im Gefängnis bleiben. Wenn sie wüsste, was inzwischen draußen geschieht, dann ginge es ihr wohl besser.

In Windeseile erzählen sich die Leute, was in dem Bus geschah. Am nächsten Tag treffen sich etwa fünfzig Farbige, die zu den angesehenen Bürgern der Stadt gehören und beschließen, nicht mehr mit dem Bus zu fahren. Tausende von Zetteln werden gedruckt und verteilt, in ihnen werden alle zum Busstreik aufgerufen – und fast alle Schwarzen halten sich daran. Sie gehen jetzt lieber jeden Tag zu Fuß zur Arbeit, auch wenn es stundenlang dauert, kommen mit Fahrrädern oder organisieren Fahrgemeinschaften. Aber sie steigen in keinen Bus mehr ein. Und weil die Fahrgäste bislang meist Schwarze waren, sind die Busse jetzt ziemlich leer. Tag für Tag. Das hat es in Montgomery noch nie gegeben. Der Busgesellschaft entgeht viel Geld, das sie sonst mit den Fahrpreisen verdient hätte.

Was gibt den Schwarzen den Mut und die Kraft, so lange durchzuhalten?
An den Abenden treffen sie sich zu Gesprächen mit Martin Luther King, dem ebenfalls schwarzen Pfarrer, und der sagt immer wieder eindringlich: „Die Trennung der Menschen in Schwarze und Weiße ist nicht Gottes Wille! Und die Gewalt, die Beleidigungen und Demütigungen, Bedrohungen und Überfälle, die wir von Weißen bisher ertragen mussten, das erst recht nicht. Aber es ist auch nicht Gottes Wille, dass wir mit Gewalt zurückschlagen. Das erzeugt nur neuen Hass. Lasst uns mit Hingabe und ohne Hass gegen unsere weißen Brüder und für die Gerechtigkeit kämpfen! Nur so können wir der Welt zeigen, dass wir alle Gottes Kinder sind!“

Der Busstreik ist ein großer Erfolg. Aber Rosa Parks wird zu einer Geldstrafe verurteilt. Viele Weiße empören sich weiterhin über die gegen die allgemeine Ordnung gerichteten Aktionen, beschimpfen schwarze Mitbürger, es kommt auch zu neuen Gewalttaten. Und doch können sie niemand dazu zwingen, mit dem Bus zu fahren. Aber auch anderes geschieht: Je länger die Schwarzen die Mühen auf sich nehmen, desto mehr kommen auch Weiße ins Nachdenken. Es dauert noch ein ganzes Jahr, bis der Oberste Gerichtshof der USA ein neues Urteil fällt: Schwarze und Weiße sind in den Bussen gleich zu behandeln.

Freilich dauerte es noch viele Jahre, bis sich diese Gleichbehandlung auch in den Schulen, Geschäften und Fabriken, also überall dort, wo die Menschen zusammenkommen, nach und nach durchgesetzt hat.

Gesprächsanregungen

  • Die Kolleginnen von Rosa Parks sind gleich aus dem Bus ausgestiegen. Kannst du dir vorstellen, warum?
  • Rosa Parks hat geahnt, dass der Widerstand ihr viel Ärger einbringen wird. Und trotzdem ist sie sitzen geblieben. Was hat sie wohl dazu gebracht, das zu tun?
  • Meinst du, ob Rosa Parks im Gefängnis bereut hat, dass sie nicht ausgestiegen ist?
  • Wie ist es möglich, dass so viele Menschen mit dem Busstreik täglich Mühen auf sich genommen haben? Es wäre doch viel bequemer für sie gewesen, mit den Bussen zu fahren!
  • Pfarrer King hat immer wieder betont, dass Gott die Menschen gleich geschaffen hat. War es trotzdem recht, sich gegen die Gewalt der Weißen auf diese Weise zu wehren?
  • Wie passt das zu Jesu Gebot, den Nächsten zu lieben? Wie passt das zu Kings Worten von den weißen Brüdern und Schwestern? 

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