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K

    November 2014

Elisabeth von Thüringen


Ziele

  • An der Gestalt der Elisabeth wahrnehmen, wie christlicher Glaube die tätige Nächstenliebe einschließt
  • Sich zu eigenen Überlegungen anregen lassen, wie Gerechtigkeit im Zusammenleben der Menschen gefördert werden könnte

Elisabeths Leben und Wirken ist historisch gut belegt: Sie kam 1207 als Tochter des Ungarnkönigs Andreas II. zur Welt, wurde 1211, als Vierjährige mit Ludwig, Erbprinz von Thüringen, verlobt und zur gemeinsamen Erziehung auf die Wartburg gebracht. Die Heirat erfolgte 1221, als Elisabeth 14 Jahre alt war. Das Paar bekam vier Kinder. Durch bescheidene Lebensführung und Sorge um Arme und Kranke, durch Nachtwachen, Fasten- und Bußübungen versuchte Elisabeth der Idealgestalt damaliger Zeit, dem hl. Franziskus, nachzustreben.
Als Ludwig zu einem Kreuzzug aufbrach, legte Elisabeth 1226 im Beisein des Kreuzzugpredigers Konrad von Marburg das Gelübde immerwährender Keuschheit ab für den Fall, dass Ludwig sterben sollte. Nach dem Tod ihres Mannes, 1227, entsagte sie ihrem Besitz, gab ihre Kinder in fremde Obhut und ließ auf ihrem Witwengut ein Hospital errichten. Dort pflegte sie aufopfernd Kranke. Von ihrem fanatischen Beichtvater Konrad von Marburg angeleitet, unterwarf sie sich härtester Kasteiungen. Völlig entkräftet und ausgemergelt starb Elisabeth, erst 24 Jahre alt, am 17. November 1231.
Wegen ihrer eindrücklichen Lebensgeschichte wurde Elisabeth sehr verehrt und bereits 1235 heilig gesprochen. Die Elisabethkirche in Marburg mit ihrer Grablege ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt. Erzählungen und Bilder von ihrem Wirken verbinden sich mit Legenden, deren bekannteste wohl das „Rosenwunder“ ist. Deshalb zeigen Bilder sie meist mit dem Korb voller Rosen.

 

Erzählanregung

Elisabeth lebt auf einer Burg, Wartburg heißt sie. Sie ist die Frau des Burgherrn, des Landgrafen von Thüringen. Sie hat viele Mägde und Knechte, die dafür sorgen, dass es ihr und ihrer Familie gut geht. Eigentlich könnte sie ein sorgloses Leben führen, aber sie sieht so manches, das andere auf der Burg gerne übersehen.

Heute Morgen zum Beispiel hat sie beobachtet, wie Bauern Mehlsäcke in die Burg gebracht haben. Ärmlich waren sie gekleidet, hatten gar keine richtigen Schuhe an. Der Burgverwalter hat sie ziemlich hochnäsig behandelt, und schnell waren sie wieder draußen vor dem Tor. Geld haben sie keines bekommen. Sie fragt den Verwalter: „Warum bekommen die Leute keinen Lohn, die sind doch viel ärmer als wir?“ Der Angesprochene lacht bloß: „Gräfin, das sind doch nur Bauern, die ihre Steuern bei uns abliefern. Die sind dazu verpflichtet. Das war schon immer so. Es gibt eben reiche und arme Leute. Und wir haben das Glück, dass wir bei den Reichen sind“. Elisabeth muss noch lange über diese Worte nachdenken. „Alle sind doch von Gott gleich geschaffen“, murmelt sie vor sich hin.

Am Nachmittag schaut sie nach den Mägden in der Küche. Sie stammen aus den Bauernfamilien. Aufmerksam hört Elisabeth zu, was sie aus ihrem Leben erzählen: „Wenn unsere Väter die Mehlsäcke auf die Burg gebracht haben, dann war für uns oft kaum mehr etwas übrig. Und wenn das dann zuende war, mussten wir hungern“. Und Elisabeth denkt: Hier auf der Burg muss niemand hungern. Im Gegenteil, hier kann man essen, soviel man will. Ist das so in Ordnung? Will das Gott so?

Am Abend findet wieder eines der zahlreichen Feste auf der Burg statt. Der Wein fließt in Strömen, die Tische sind voll mit guten, kostbaren Speisen. Die Gäste lachen, essen und trinken. Aber Elisabeth kann heute nicht mitlachen. „Warum bist du so ernst?“ fragen die Gäste sie, „was beschäftigt dich denn so sehr, dass du nicht ausgelassen mit uns feiern kannst?“ Da sagt Elisabeth: „Wisst ihr eigentlich, woher all die guten Sachen kommen? Die Bauern haben dafür mühsam gearbeitet, mussten viel abgeben und haben nichts dafür bekommen. Unsere Vorratskammern sind voll mit Fleisch, Mehl und Wein, und die unserer Bauern sind leer. Das ist doch nicht gerecht!“ Die Gäste versuchen Elisabeth zu ermuntern: „Das ist eben so. Da kann man nichts machen. Denk nicht weiter darüber nach! Zerbrich dir nicht den Kopf über Sachen, die du doch nicht ändern kannst! Feiere lieber mit uns mit!“

Aber Elisabeth muss weiter darüber nachdenken. Gott will das bestimmt nicht, denkt sie, und sie hört sich weiter bei den Mägden um. Und da erfährt sie, in welchen Familien die Not besonders groß ist – und hat eine Idee. Am nächsten Tag füllt sie einen Korb mit Broten, geht hinunter ins Dorf zu den ärmsten Familien und teilt die Brote aus. Sie erlebt, wie dankbar die Menschen sind und macht das von da an immer wieder. Ihre Verwandten im Schloss wundern sich, finden das komisch und sagen zueinander: „Warum tut sie das bloß? Sie kann sich doch mit viel angenehmeren Sachen die Zeit vertreiben!“

Jahre später ist Elisabeths Ehemann gestorben und ein anderer ist Burgherr. Der findet es gar nicht gut, dass Elisabeth so viele Sachen zu den Armen bringt. Er stellt sie zur Rede und sagt: „Die Vorräte auf der Burg gehören alle mir, und ich verbiete dir, auch nur einen Korb voll wegzugeben. Die Bauern sollen selbst sehen, wie sie zurechtkommen.“ – „Wenn sie nicht so viel an uns abgeben müssten, kämen sie zurecht“, antwortet Elisabeth. „Darum will ich ihnen helfen.“ – „Nichts da, antwortet der Neue, „zum Schluss verschenkst du noch die ganze Burg!“ Von da an bringt Elisabeth heimlich ihre Körbe mit Brot zu den Armen.

Die freuen sich über Elisabeth und sind auch sehr stolz auf sie. Und sie erzählen sich von ihr auch eine Geschichte, die freilich niemand von ihnen selbst miterlebt hat. Sie ist aber so schön und passt wunderbar zu Elisabeth:
„Eines Tages hat Elisabeth wieder einmal heimlich den Korb mit Broten gefüllt und sich im Morgengrauen auf den Weg gemacht. Sie ist sich ganz sicher, dass niemand sie beobachtet hat, als sie leise durch das Burgtor gegangen ist. Allerdings hat sie übersehen, dass sie ein Wächter unbemerkt beobachtete. Kurz vor den ersten Häusern im Dorf hört sie plötzlich Pferdegetrappel hinter sich und den Befehl des Burgherrn: „Stehen bleiben!“ Er steigt wütend vom Pferd ab, geht auf sie zu und sagt: „Jetzt habe ich dich erwischt! Jetzt ist endgültig Schluss damit! Für jedes dieser Brote im Korb lasse ich dich einen Tag lang in der Burg einsperren. Dann vergehen die deine dummen Gedanken!“ Elisabeth antwortet: „Das sind keine dummen Gedanken. Das ist vielmehr die Freude, die ich zu den Menschen bringe. Das ist wie Licht für sie, wie Farben der Freude, wie Blumen der Nächstenliebe!“ – „Mach endlich den Korb auf!“ befiehlt der Burgherr. Elisabeth nimmt langsam das Tuch weg – und vor ihr liegen viele rote Rosen im Korb. Da ist der Burgherr still, steigt auf sein Pferd und reitet zum Schloss zurück.

Und wenn die Leute sich im Dorf diese Geschichte immer wieder erzählen, dann sagen sie zum Schluss: „Ja, ja, der Korb der Elisabeth ist voller Blüten der Liebe, jedes Mal neu!“

 

Gesprächsanregungen

  • Obwohl es Elisabeth selbst gut ging, hatte sie auch einen Blick für die Not unter ihren Mitmenschen. Was hast du in der Geschichte von diesem aufmerksamen Blick erfahren?
  • Kennst du auch Geschichten von anderen Personen, die solch einen Blick hatten (z.B. Sankt Martin)? Was kannst du von ihnen erzählen?
  • Elisabeth ließ sich von ihrer Fürsorge für andere nicht abbringen. Was hätte sie dazu verleiten können, damit aufzuhören?
  • Um anderen sinnvoll zu helfen, muss man gut beobachten können und auch gute Ideen haben. Kennst du dazu Beispiele aus der eigenen Erfahrung?
  • Manchmal sagen die Leute: Da kann man doch nichts ändern! Stimmt das wirklich?
  • Was haben die Leute wohl gemeint, wenn sie sagten, dass Elisabeths Korb voll ist mit Blüten der Liebe?

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© 2017 Frieder Harz