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K

    November 2016

Sankt Martin zeigt beim Kaiser großen Mut

 

Ziele

  • die bekannte Geschichte der Mantelteilung durch eine andere aus seinem Leben ergänzen und so die Martinsfeier bereichern
  • entdecken, wie sich Hilfsbereitschaft und Mut gut zusammenfügen können

Informationen

Im großen römischen Kaiserreich, zu dem damals zur Zeit des Hl. Martin auch Frankreich und weite Teile Deutschlands gehörten, regierte vom Jahr 383 – 388 Kaiser Maximus. Mit Gewalt war er an die Macht gekommen, und in der Bevölkerung war er wegen seiner Machtgier verhasst und gefürchtet. Aber viele Männer im Land, die selbst viel zu sagen und zu befehlen hatten, Statthalter und auch Bischöfe, ließen sich gerne vom Kaiser einladen, umschmeichelten ihn, um durch dessen Gunst Vorteile für sich selbst zu erlangen. Auch Bischof Martin erreichten solche Einladungen. Wie er darauf reagierte, erzählt die folgende Geschichte.

 

Erzählanregung

Martin sitzt in seinem Zimmer im Kloster, das er selbst gegründet hatte. Es ist bescheiden eingerichtet, und niemand, der es zum ersten Mal sieht, käme auf die Idee, dass es das Zimmer eines Bischofs ist. Es klopft an der Tür und Bruder Sebastian tritt ein. „Martin“, sagt er, „wieder ist die Einladung zu einem Besuch beim Kaiser eingetroffen. Andere würden sich nach solch einer Einladung sehnen, aber du lehnst sie immer wieder ab“. – „Aus gutem Grund“, erwidert Martin. Dieser Kaiser ist am Tod und an der Not so vieler Menschen schuld. Rücksichtslos denkt er nur an seine Macht, an seine eigenen Interessen. Ich will ihn nicht durch meinen Besuch bei ihm ehren. Dann könnten ja die Leute denken, auch ich will mich bei ihm einschmeicheln. Nein und nochmals nein!“ – Darauf antwortet Sebastian: „Aber du bist sehr bekannt im ganzen Land, die Leute wissen, was dir wichtig ist. Der Kaiser hat auch schon von dir gehört und möchte dich endlich kennenlernen“. – „Wozu?“ antwortet Martin, „indem er bekannte und geachtete Menschen um sich schart, will er doch nur, dass er damit auch bei den Leuten in einem besseren Licht dasteht. Nein, ich folge seiner Einladung nicht!“

„Aber diesmal ist es anders als bei den früheren Einladungen“, fährt Sebastian fort. „Der Kaiser hält sich in der Stadt Trier auf und es geht um wichtige Beratungen, die auch für unsere christlichen Gemeinden wichtig sind. Auch viele Bischöfe wollen kommen. Deshalb ist auch deine Stimme wichtig, und bei dieser großen Versammlung wird sie von vielen gehört“. Jetzt wird Martin nachdenklich und schweigt eine Weile. Dann sagt er: „Du hast Recht. Diesmal ist es etwas anderes. Diesmal werde ich die Einladung annehmen“.

Bald darauf kommt er in Trier an und wird in den vornehmen Räumen des kaiserlichen Palasts höflich empfangen. „Bischof Martin“, sagt der kaiserliche Hofdiener, „ ihr seid heute Abend natürlich zum festlichen Abendessen mit vielen Gästen eingeladen, und ihr werdet direkt neben dem Kaiser sitzen“. Martin kann sich über diese hohe Ehre nicht freuen. Er denkt sich: „Der Kaiser will mich sicher für irgendetwas ausnutzen. Er will wohl, dass die Leute mich für einen seiner Freunde halten“. Lange berät er sich mit seinem Mitbruder Sebastian, der ihn auch zum Essen begleiten und links neben ihm platznehmen wird. „Pass gut auf, Martin“, meint er. „Der Kaiser wird sehr freundlich zu dir sein. Aber du solltest ihn auf keinen Fall kränken oder beleidigen. Denn er ist schließlich viel mächtiger als wir alle“. – „Weil Gott auf unserer Seite steht, fürchte ich mich nicht vor seiner Macht“, antwortet Martin.

Dann ist es soweit. Martin nimmt neben dem Kaiser im festlich geschmückten Saal Platz, der Tisch ist beladen mit den feinsten Speisen. Das ist so fremd für Martin und er achtet genau auf alles, was der Kaiser sagt und tut. Der eröffnet jetzt das Festmahl, indem er die mit Wein gefüllte Trinkschale erhebt. Er wird gleich einen Schluck davon trinken und sie dann an die Gäste neben ihm weiterreichen. Aber nein, mit einem Zeichen weist er seinen Oberhofmeister an, die Schale Martin zu geben. Er soll den ersten Schluck trinken, die höchste Ehre für ihn in dieser Stunde. Doch plötzlich schießt Martin ein Gedanke durch den Kopf: „Wenn ich getrunken habe, muss ich die Schale nach rechts dem Kaiser weiterreichen. Und das ist das Zeichen dafür, dass ich ihn hoch ehre. Das kann und will ich nicht tun“.

Ein Raunen geht durch den Saal, als statt des Kaisers der bescheidene Bischof Martin den ersten Schluck trinkt. Doch dann ist plötzlich verwundertes Schweigen. Denn Martin reicht die Schale nicht nach rechts an den Kaiser weiter, sondern nach links an seinen Mitbruder Sebastian und sagt dazu: „Was ich bin und was ich Gutes wirken kann, das geschieht nicht aus meiner eigenen Kraft, sondern aus der Kraft Gottes. Und diese Kraft spüre ich im täglichen Zusammensein mit meinen klösterlichen Mitbrüdern, die mich bei allen meinen Aufgaben begleiten. Stellvertretend für sie alle reiche ich die Trinkschale an meinen Mitbruder weiter. Er ist würdig, als erster nach mir zu trinken“.

Alle blicken gespannt auf den Kaiser. Was wird der sagen nach dieser groben Unhöflichkeit? Der schweigt lange, und dann meint er: „Bischof Martin, was ihr gerade getan habt, das war sehr gefährlich, das hätte wahrlich niemand sonst im Saal gewagt. Ihr habt großen Mut bewiesen. Und dieser Mut verdient meinen Respekt. Ihr lasst euch auch nicht von einem Kaiser und seinem Glanz blenden. Ich spüre, dass ihr unter göttlichem Schutz steht. Darum werde ich euch und all denen, die um euch sind, nichts zuleide tun“.

Entspannt atmen alle im Saal auf. Das festliche Abendessen nimmt seinen Lauf und schnell läuft auch die Kunde durch das Land von dem großen Mut, den Bischof Martin auch gegenüber dem Kaiser gezeigt hat.

 

Gesprächsanregungen

  • Was hat Martin wohl dem Kaiser mitteilen wollen, als er die Trinkschale an seinen Mitbruder weiterreichte?
  • Wenn du Bruder Sebastian, der Begleiter von St. Martin, gewesen wärst, mit welchen Gefühlen hättest du Martins Verhalten im Festsaal neben dem Kaiser erlebt?
  • War es deiner Meinung nach richtig, dass Martin den Kaiser gekränkt hat? Hätte er sich anders verhalten sollen?
  • Welchen anderen Ausgang hätte die Geschichte auch nehmen können?
  • Wie kaAnn St. Martin auch heute ein Vorbild für uns sein?

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© 2017 Frieder Harz