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K

    Oktober 2016

Rahab – eine starke, mutige Frau (Josua 2,1-16)

 

Ziel

in Rahab eine mutige Frau kennenlernen, die Fremden offen und unbefangen begegnet und ihnen Schutz gewährt 

Fördert:  Empathie und Gerechtigkeitssinn

 

Vorbemerkungen

Zu den starken Frauen, von denen im Alten Testament erzählt wird, gehört auch Rahab von Jericho.
Bekannter als diese Geschichte ist freilich diese nachfolgende von der Eroberung Jerichos, bei der Posaunenschall die Mauern zum Einsturz brachte.

Dazu ein paar wichtige Anmerkungen:

  • Die sog. „Landnahme“ also die Besiedelung Kanaans, des heutigen Palästinas, durch die israelitischen Stämme im 2. Jahrtausend vor Chr. war weitestgehend ein friedliches Nebeneinander der Zugezogenen mit den einheimischen Landesbewohnern über Jahrhunderte hinweg.
  • Schon vor dieser Zeit war Jericho, die archäologische Forschungen zeigen, eine von ihren Bewohnern verlassene Stadt.
  • Erst etliche Jahrhunderte später entstand die Erzählung von den Posaunen vor Jericho, mit folgender zentraler Aussage: Die Ansiedelung der Israeliten in ihrer neuen Heimat war allein Gottes Geschenk an sein Volk.
  • Geschichten mit symbolischer Aussagekraft eröffnen immer wieder neue Perspektiven. So kann der Einsturz der Mauern ohne militärisches Einwirken auch als Symbol dafür verstanden werden, dass mit Gottes Hilfe Mauern der Feindschaft, der Abgrenzung von Fremdem, der Einigelung in die eigenen Lebensgewohnheiten fallen können.
  • Mit ihrer mutigen Tat hat Rahab damit schon vorher eine Bresche in diese Mauern der Fremdenfeindlichkeit geschlagen.
  • Über dem allen steht das zentrale alttestamentliche Gebot (5. Mose 10,18f.): (Gott).. schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt auch ihr die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.

Eine weitere Klärung betrifft die im biblischen Text vorgestellte Gestalt der Rahab: 

Sie begegnet uns dort eher zwielichtig. Sie nimmt Spione der Israeliten, die Jericho belagern, bei sich auf und verhindert deren Gefangennahme. Mit ihrer schützenden List trägt sie so indirekt zum Untergang Jerichos bei. Als Prostituierte wohnt sie am äußersten Rand der Stadt, direkt an der Stadtmauer – zu der angesehenen Bürgerschaft Jerichos hat sie damit gewiss nicht gehört. Auf der anderen Seite tritt sie mutig für ihre Überzeugung ein, nämlich dass die beiden Israeliten vor dem Zugriff der Staatsmacht Jerichos zu schützen seien. Auch scheint sie für den Gott Israels Sympathien zu hegen. Ist sie von dessen Macht so überzeugt, dass sie sich mit der Rettung der Spione die eigene Rettung im Fall der zu erwartenden Eroberung verspricht?

Die Vielschichtigkeit der möglichen Motive Rahabs werden im Erzählvorschlag bewusst auf wenige hin elementarisiert. Die drohende Eroberung Jerichos wird – mit den vorher dargelegten Gründen - ausgeblendet. Rahab tritt für Fremde ein, denen sonst nur mit höchstem Misstrauen begegnet würde. Sie ist von deren Aufrichtigkeit und auch Vertrauen zu ihr angetan. Ihr Gerechtigkeitssinn gebietet ihr, mutig und zugleich ideenreich für deren Schutz und Rettung zu sorgen. Zugleich ist ihr Interesse am Gott Israels geweckt, dessen schützende Macht auch für sie gelten soll.

 

Erzählvorschlag

Solange mittags die Sonne heiß vom Himmel herunterbrennt, hält sich Rahab am liebsten in ihrer kleinen Wohnung auf. Die ist direkt an die große Stadtmauer hin gebaut. Deshalb ist es in ihrem schattigen Zimmer angenehm kühl. Aber jetzt ist die Sonne schon weiter gezogen. Die Stadtmauer wirft einen breiten Schatten vor Rahabs Haustür. Neben die setzt sie sich jetzt, denn da ist es viel interessanter als drinnen. Da kann sie nämlich gut beobachten, wer durch das große Stadttor ganz in der Nähe Jericho verlässt oder betritt.

Sie döst und träumt ein bisschen vor sich hin, doch dann schaut sie aufmerksam zum Tor. Zwei Männer sind gerade hindurch gegangen, in die Stadt hinein. Offensichtlich sind es Fremde, denn sie haben andere Kleider an als die Stadtbewohner von Jericho und die Bauern der umliegenden Dörfer. Diese beiden hat Rahab noch nie gesehen. Etwas unsicher schauen sich die beiden um, dann gehen sie nicht auf der breiten Straße mitten in die Stadt hinein, sondern wählen den schmalen Weg, der innen an der Stadtmauer entlang führt. „Sonderbar“, denkt sich Rahab, „ was wollen die beiden wohl in unserer Stadt? Und warum gehen sie den vielen Leuten auf der Hauptstraße aus dem Weg?“ Während sie über diese Fragen weiter nachdenkt, sind die beiden schon bei ihrem Haus angekommen.

Sie grüßen freundlich und Rahab erwidert den Gruß. „Wir waren noch nie hier“, erzählen sie von sich, „und wir suchen eine Übernachtungsmöglichkeit“. Rahab zögert einen Moment. Soll sie die beiden bei sich aufnehmen? Aber die beiden wirken sehr vertrauenswürdig. Rahab hat einen guten Blick dafür, schließlich ist ihr Haus auch eine Herberge, in der oft genug Fremde einen Unterschlupf suchen. Deshalb antwortet sie: „Ihr seid als meine Gäste willkommen!“ Außerdem ist Rahab auch neugierig und erfährt gerne etwas über andere Menschen.

Kurz darauf sitzt sie mit den beiden an einem Tisch, und die beiden erzählen weiter von sich: „Wir sind Israeliten“, sagen sie, „wir sind erst vor wenigen Monaten ins Land gekommen, Und wir wollen all das Neue in diesem Land kennenlernen, natürlich vor allem die Menschen“. „Und warum seid ihr nicht schnurstracks in die Mitte der Stadt hinein gegangen?“ fragt Rahab etwas misstrauisch. „Weil wir nicht wissen, wie wir in dieser Stadt aufgenommen werden“, antworten sie.

Jetzt fällt Rahab ein, was sie über die Israeliten gehört hat: dass sie einen starken, mächtigen Gott haben, der sie sicher durch alle Gefahren auf einem langen Weg durch die Wüste geleitet hat. Und sie erinnert sich auch daran, dass die Leute in Jericho oft Angst vor einem starken Volk mit einem starken Gott haben und deshalb oft sehr unfreundlich mit Fremden umgehen. Das findet Rahab sehr ungerecht. Deshalb antwortet sie den beiden: „Es war besser, dass ihr hierher gegangen seid. Tatsächlich werden Fremde bei uns meistens sehr misstrauisch angesehen und oft genug sogar eingesperrt. Aber ihr beiden wirkt sehr freundlich. Ich habe keine Angst vor euch!“ Die beiden antworten: „Und wir fühlen uns bei dir sicher“. Dann zeigt Rahab den beiden ihre Schlafkammer, damit sie sich von ihrer Reise ausruhen können.

Sie setzt sich wieder vor ihre Tür und schaut, was am großen Stadttor alles los ist. Und wieder ist sie auf einmal hellwach. Sie sieht zwei Polizisten in ihre Gasse einbiegen. Sie klopfen an jeder Tür, fragen die Bewohner. Die zucken mit den Schultern. Einer der Polizisten geht hinein und kommt bald wieder heraus. Dann gehen die beiden zur nächsten Wohnung.

Rahab weiß sofort, was das bedeutet: die Polizisten suchen die beiden Fremden. Das verheißt nichts Gutes. Wahrscheinlich sollen sie verhaftet und eingesperrt werden. Während die Polizisten näher kommen, überlegt Rahab fieberhaft: Soll sie die beiden Fremden in ihrem Haus verraten oder sie lieber vor der Polizei verstecken? Die beiden haben keine Waffen und verlassen sich darauf, dass sie bei ihr sicher sind. Sie vertraut den beiden und die vertrauen ihr. Sie muss sich etwas überlegen, um die beiden zu schützen. Und dann hat sie eine Idee und fasst einen Entschluss.

Sie geht ins Haus zurück und warnt die beiden. „Aber wo sollen wir den hin?“ fragen die erschreckt. „Keine Angst!“ antwortet sie. Sie führt ihren Gäste auf das flache Dach hinauf. Dort liegt ein großer Haufen von Flachs-Getreide, aus dem sie, wann immer sie Zeit hat, Fäden spinnt, aus denen feste Schnüre und auch Stoffe entstehen. „Los“, versteckt euch in dem Haufen da“, sagt sie, „und verhaltet euch ruhig!“ Dann geht sie hinunter und erwartet die beiden Polizisten.

„Hast du zwei Fremde gesehen?“ fragen sie gleich. „Oder hast du sie sogar bei dir aufgenommen? Jemand hat sie bei dir hineingehen sehen!“ Rahab nickt. „Doch, ich habe sie gesehen, und sie waren auch bei mir im Haus. Aber ich habe sie wieder fortgeschickt, damit sie die Stadt rechtzeitig verlassen können, bevor das große Stadttor geschlossen wird“. „Danke“, antworten die Polizisten, „wir müssen uns beeilen. Bevor das Tor schließt, müssen wir draußen nach den beiden suchen“. Und dann laufen sie schnell zum Tor und aus der Stadt hinaus.

Rahab geht gleich wieder hinauf zu den beiden und berichtet ihnen: „Wartet ab, bis es Nacht geworden ist“, sagt sie. „Dann könnt ihr die Stadt verlassen, denn hier seid ihr nicht mehr sicher“. „Aber wie denn?“ antworten die ängstlich. Rahab lächelt, holt ein langes Seil, das sie aus dem Flachs gesponnen hat und sagt. „Mit dem kommt ihr sicher über die Stadtmauer“.

So warten die drei auf die dunkle Nacht. Die beiden erzählen viel von dem, was sie erlebt haben, wie sie von ihrem Gott sicher durch die Wüste geführt wurden. Zum Schluss sagt Rahab: „Bittet euren Gott, dass er auch mich beschützt und behütet!“ Dann macht sie das Seil an ihrem Fenster fest, das zugleich eine Öffnung in der Stadtmauer ist, und wirft das andere Ende hinaus. „Es reicht sicher bis zum Boden“, sagt sie noch. Dann verabschiedet sie sich noch von den beiden. Die danken ihr herzlich für ihre Gastfreundschaft und Rettung und klettern an dem Seil die Stadtmauer hinunter ins Freie. Rahab zieht anschließend das Seil wieder zurück und bringt es an seinen alten Platz zurück.

 

Gesprächsimpulse

  • Rahab hat die beiden Polizisten belogen. Was das deiner Meinung nach richtig?
  • War Rahab deiner Meinung nach eine mutige Frau? Woran hast du in der Geschichte ihren Mut erkannt?
  • Die beiden Fremden konnten von Glück reden, dass sie Rahab getroffen haben. Wo überall konnten sie dieses Glück spüren?
  • Rahab dachte anders als viele ihrer Mitbewohner in der Stadt. Was war das andere bei ihr?

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© 2017 Frieder Harz