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K

    September 2013

September 2013

Salomons Urteil (2. Samuel 3,16ff.) - "Ich will aber..."

 

Ziele:

  • wahrnehmen, wie das eigene Wollen auch das Lebensrecht der anderen im Blick haben sollte
  • bedenken, wo das Beharren auf dem eigenen Willen angemessen und wo das Verzichten sinnvoller ist

Die im Alten Testament überlieferte Geschichte vom Urteil Salomons stellt beispielhaft dessen Klugheit vor Augen, die ihn damals – als Sohn und Nachfolger des großen König Davids - berühmt gemacht hat. Anlass zu seinem Richtspruch ist der Streit um ein Kind und die Frage, wer die echte Mutter ist. Es geht im Verlauf der Urteilsfindung um die Einsicht, dass wahre Mutterliebe eher auf den eigenen rechtmäßigen Vorteil verzichtet, als dem Kind zu schaden.

Zugleich stellt die Erzählung eindringlich vor Augen, wie das starre Beharren auf dem eigenen Willen in die Sackgasse führen und letztlich schlimm ausgehen kann. „Ich will aber“ – das ist Ausdruck der Hartnäckigkeit, in der Kinder immer wieder versuchen, ihren Willen zu erproben und sich durchzusetzen. So wichtig solches Erproben ist, so wichtig ist es aber auch, die Grenzen des „ich will aber“ kennenzulernen und sie nicht aus den Augen zu verlieren. Zum Durchsetzen eigener Wünsche gehört es auch, zugleich das Wohlergehen der anderen Beteiligten im Blick zu behalten.

In der Nacherzählung nimmt die gewählte Hauptperson die Rolle eines Betrachters ein. Der königliche Diener muss sich nicht den Kopf zerbrechen wie Salomon. Er weiß auch nicht, wer die wahre Mutter ist und kann das Verhalten beider Frauen aus der Distanz mitverfolgen. Auf diese Weise gewinnen in der Erzählung beide Verhaltensweisen ihr Profil: Das „Ich will“ um jeden Preis, das zur Katastrophe führen würde, und das Verzichten zur rechten Zeit, um Schlimmes zu verhindern.

Oft geht es im Kinderalltag um ein Streiten um Dinge, um ein Haben-Wollen, das bis zu deren Beschädigung und sogar bis zu Verletzungen führen kann. Zum Glück geht die biblische Geschichte in der Wendung mit dem klugen Urteil Salomons gut aus und gibt uns so Anlass, auch rückwirkend das Verhalten der beiden Frauen sorgfältig zu bedenken. So kann die Erzählung mithelfen, die Einsicht zu bestärken, dass sich das eigene Wollen mit dem Mitdenken mit den Bedürfnissen anderer verbinden sollte – und das ist schließlich besser, als dem „Ich will“ lediglich Widerstand und Verbot entgegenzusetzen.


Schon seit etlichen Monaten ist Salomon König in Jerusalem. Ich bin Jehuda, einer seiner obersten Diener. Heute habe ich viel zu tun, denn es ist wieder einmal Gerichtstag. Da kommen Leute mit ihren Streitigkeiten und erwarten, dass der König ein gerechtes Urteil spricht, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind. Immer wieder muss ich mich wundern, mit welcher Klugheit unser König solche Urteile spricht. Nicht umsonst ist er deswegen weit über unser Land hinaus bekannt und berühmt. Ob das Salomon heute wohl auch wieder gelingen wird?

Aber für meine Gedanken habe ich jetzt keine Zeit, denn die Leute, all die Ratsuchenden und Streithähne stehen schon vor dem Tor des Königspalasts an, und ich muss dafür sorgen, dass alles ordentlich vor sich geht. Denn manche können auch hier im Hof vor der Halle des Königs nicht mit ihren Streitereien aufhören. O je, da draußen geht es ja schon wieder schlimm zu. Ich schaue nach und sehe zwei Frauen, die sich ganz arg zanken. Eine trägt ein kleines Baby auf dem Arm. „Gib her“, ruft die andere, „es ist mein Kind!“ – „Du lügst“, schreit die erste, „es gehört mir!“ Natürlich fängt da nun auch das Baby an zu weinen. Wie bringe ich die bloß zur Ruhe, wenn ich sie jetzt in den Warteraum herein lasse?

„Erzähl mir genau, was geschehen ist“, fordere ich die Frau mit dem Baby auf, und sie beginnt. „Wir zwei Frauen wohnen im selben Haus, schlafen sogar im selben Zimmer. Und wir haben auch fast zur gleichen Zeit ein Kind bekommen. Leider ist das meiner Nachbarin vor wenigen Tagen gestorben. Jetzt will sie meines haben, aber das gebe ich nicht her. Das ist doch klar, oder?“ Die andere Frau meldet sich schon heftig zu Wort: „Sie lügt! Ihr Kind ist gestorben, und in der Nacht hat sie die Kinder vertauscht, hat mir das tote Kind in den Arm gelegt und meines genommen. Ich kenne doch mein Kind! Das ist nicht recht!“ Da ruft die andere: „Stimmt überhaupt nicht, und ich will das Kind behalten. Ich gebe es nicht mehr her, auf keinen Fall!“

Das ist wirklich schwierig zu entscheiden. Keine der Frauen kann beweisen, dass es ihr Kind ist. Da bin ich doch gespannt, was der König dazu sagen wird. Das möchte ich unbedingt miterleben. Jetzt ist es nämlich schon so weit. Ich ermahne die beiden noch, sich ruhig zu verhalten, und dann stehen sie schon vor dem König. Der hört geduldig zu, was die beiden zu sagen haben. Die eine presst das Kind an sich und ruft immer wieder: „Es gehört mir, ich will es behalten“. Die andere versucht vergeblich, es ihr aus dem Arm zu nehmen.

Der König denkt eine Weile nach, dann verkündet er: „Auch ich kann nicht entscheiden, wer die richtige Mutter des Kindes ist. Darum soll jede eine Hälfte des Kindes bekommen!“ Ist der König verrückt geworden, denke ich, er wird doch nicht das Kind auseinanderteilen wie ein Stück Brot! Auch die beiden Frauen sind zuerst starr vor Schreck. Da lässt sich der König schon das Schwert reichen. Meint er es wirklich ernst?

Da ruft die Frau, die das Kind hat, laut und trotzig: „Das Kind gehört mir. Ich will es haben. Und wenn ich es nicht bekomme, dann soll es niemand bekommen!“ Wieder entsteht eine Pause, und der König nimmt das Schwert schon fester in die Hand. Da ruft die andere Frau, und ihre Stimme klingt ganz verzweifelt: „Nein, mein König. Das Kind soll leben! Auch wenn ich die Mutter bin, gebe ich es lieber meiner Nachbarin, als dass es getötet wird. Lieber verzichte ich auf mein Recht, aber das Kind soll am Leben bleiben!“

Da legt der König das Schwert zur Seite und verkündet: „Jetzt weiß ich, wer die wahre Mutter ist“. Er wendet sich zur ersten Frau mit dem Kind auf dem Arm und spricht: „Du willst nur deinen Willen durchsetzen, willst nur haben, denkst überhaupt nicht an die anderen und schon gar nicht an das Kind. Du hast keine Liebe zu dem Kind. Du kannst nicht die Mutter sein!“ Und dann wendet er sich zur zweiten Frau und sagt: „Und du verzichtest lieber auf dein Recht, auf dein Kind, auf deine Freude an ihm, nur damit es am Leben bleibt und es ihm gut geht. Du bist die richtige Mutter!“

Und er steigt vom Thron, nimmt der ersten Frau das Kind vom Arm und legt es behutsam in die Arme seiner richtigen Mutter. Zuerst ist es noch ganz mäuschenstill im Saal, aber dann geht unter den Dienern ein Gemurmel los. Die haben sich jetzt viel zu sagen.

 

Gesprächsimpulse

  • Wie findest du die Entscheidung des Königs? War sie richtig?
  • Hätte man die richtige Mutter auch daran erkennen können, dass sie bis zum Schluss energisch um ihr Kind kämpft?
  • Eigentlich hätte die echte Mutter ja viel mehr Grund gehabt zu sagen: „Ich will unbedingt das Kind behalten!“ Was meinst du?
  • War es richtig, dass der König mit dem Tod des Kindes gedroht hat?
  • Hat die erste Frau etwas falsch gemacht? Was meinst du?
  • Kennst du das auch, dass man sich mit dem „ich will aber“ in etwas hinein verbohrt und gar nicht mehr an die anderen denkt?
  • War es für Salomon nötig, mit dem Schwert zu drohen? Hätte es auch eine andere Möglichkeit gegeben, die richtige Mutter herauszufinden?

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