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Aktuelles:

Reformatorengespräch

 Zum Reformationsfest ein Reformatorengespräch 

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Mutige Frauen der Reformation

 Ein Vortrag zur Bedeutung der Frauen im Reformationsgeschehen

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Theologisch-religionspädagogische Stichworte

 Neu: Beginn einer Serie mit Kurzartikeln zu wichtigen Stichworten für die religionspädagogische Theorie und Praxis in den Kitas   Neu im Mai:  'Gottesbilder' Neu im Juli:   'Gebet'    mit vielen Anregungen und Beispielen zu Gebeten in der Kita

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Erzählung des Monats Oktober

Jeden Monat wird eine von mir verfasste biblische Nacherzählung  bzw. eine Erzählung zu wichtigen Gestalten bzw. Themen des christlichen Glaubens vorgestellt. Biblische Erzählungen finden Sie auch in der "Suchhilfe Bibelgeschichten"  

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Erzählungen zum Reformationsjahr

 In den Geschichten des Monats besonderer Akzent beim Reformationsgeschehen

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K

    Konfessionen

 

 Situationen und Anlässe 

  • Warum gibt es katholische und evangelische Kirchen?
  • Wer entscheidet, ob man evangelische oder katholisch ist?
  • Glauben Evangelische und Katholische an denselben Gott?

Informationen

Konfessionelle Unterschiede im Christentum werden am ehesten von ihrer geschichtlichen Entstehungssituation her verständlich. Von den christlichen Kirchen sind in Deutschland weithin nur die katholischen und evangelischen im Blick. Eine frühe Kirchentrennung geschah aber schon zu Beginn des zweiten Jahrtausends, nämlich zwischen der römisch-katholischen und den griechisch-orthodoxen Kirchen. Gründe dafür waren zum einen die zunehmende Bedeutung des Papsttums in Rom mit seinem Anspruch als zentrale Leitung der Kirche, den die selbständigen christlichen Kirchen im Osten für ihre Gebiete nicht mitvollzogen. Konkreter Anlass waren schwere Verwüstungen, die das westliche Kreuzfahrerheer beim vierten Kreuzzug unter den orthodoxen Christen anrichtete.

Im Mittelpunkt orthodoxer Frömmigkeit (orthos = richtig; dokeo = glauben und bekennen) steht das Feiern des Glaubens, der Lobpreis Gottes, wie er im gottesdienstlichen Leben seinen Ausdruck findet. Überlieferung des Glaubens geschieht somit weniger in theologischen Lehren als vielmehr in Feier und Anbetung. Diese Tradition wird vor allem in den vielen Klöstern gepflegt. Der orthodoxe Kirchenraum ist in verschiedene Zonen unterteilt, die von außen schon an ihren Kuppeln erkennbar sind. Das Wort Gottes ertönt in einer Fülle von Gesängen und Gebeten. Beim Betreten der Kirche werden Kerzen entzündet und die Ikonen begrüßt. Kommen und Gehen während des Gottesdienstes werden dabei nicht als störend empfunden.

Bei der Eucharistiefeier – orthodoxe Christen gehen in der Regel nur an den hohen Feiertagen zur Kommunion, und es wird vorher geistliche Vorbereitung durch Fasten, Gebet und Beichte erwartet – wird immer Brot und Wein ausgeteilt. Das Brot wird in den Kelch mit dem Wein gelegt und dann mit einem kleinen Löffel ausgeteilt. Christen anderer Konfessionen können das gesegnete Brot, das bei der Kommunion übrig blieb und nach dem Gottesdienst verteilt wird (Antidoron), in Empfang nehmen.

Große Bedeutung in der orthodoxen Frömmigkeit haben die Ikonen (eikon = Bild). Sie haben ihren Platz in den Kirchen wie in den Andachtsecken der Wohnungen. Auf Holztafeln sind Christus, die Gottesmutter oder Heilige auf Goldgrund gemalt. Die Ehrenbezeigungen durch Bekreuzigen und Küssen gelten freilich nicht dem Bild selbst, sondern den Personen, auf die sie weisen.

Bei der Taufe ist bemerkenswert, dass der Säugling dreimal ganz untergetaucht wird – der Bezug zur Taufe Jesu im Jordan wird so ganz deutlich. Kurz danach wird auch dem Säugling erstmals die Eucharistie gereicht. Die westliche Praxis der Firmung oder Kommunion ist unbekannt.

 

Die römisch-katholische Kirche hat sich unter der Leitung des Papstes zur Weltkirche entwickelt. Aus der Fülle der einzelnen Aspekte werden zentrale Kennzeichen gut im Gegenüber zu den evangelischen Kirchen deutlich. In Klöstern leben Mönche bzw. Nonnen nach den Gelübden der Keuschheit und Armut. Auch für die nicht klösterlichen Priester ist die Ehelosigkeit verpflichtend.

Im Mittelpunkt der Messfeier steht die Eucharistie, die als Geheimnis des Glaubens gefeiert wird, in dem Brot und Wein zu Leib und Blut Jesu Christ werden – wobei der Kelch in der Regel den Priestern vorbehalten bleibt. Sieben Sakramente begleiten den Menschen durch das Leben: Taufe und Firmung, Eheschließung und Krankensalbung, Beichte und Eucharistie, dazu kommt für die dazu Berufenen die Priesterweihe.

Im Jahreskreis hat die Verehrung der Heiligen große Bedeutung, denen jeweils Gedenktage gewidmet sind. Nach einem besonderen Verfahren erfolgen Heiligsprechungen bis in die Gegenwart. An vorderster Stelle steht Maria als ‚Mutter Gottes’ und Miterlöserin, die nach katholischer Lehre als ‚Himmelskönigin’ nach dem Tod direkt in den Himmel erhoben wurde. Viele Wallfahrtskirchen sind Maria geweiht, im Mai als dem Marienmonat finden regelmäßig Andachten statt.

Zu den Frömmigkeitsgesten beim Betreten und Verlassen des Kirchenraums gehören die Kniebeuge als Zeichen der Verehrung gegenüber dem Leib Christi, der in den geweihten Hostien im Tabernakel beim Altar aufbewahrt wird, verbunden mit dem Kreuzzeichen und dem Sich-Benetzen mit Weihwasser.

Katholische Frömmigkeit ist reich an Symbolik, vom sonntäglichen Weihrauch in der Messfeier bis zur Weihe von manchen Dingen, die dann mit in den familiären Alltag genommen werden, z.B. Adventskränze, Palmbuschen und Osterkörbe.


Im 16. Jahrhundert kam es zur zweiten großen abendländischen Kirchentrennung, der Reformation. Sie ging von dem Mönch, Priester und Theologieprofessor Martin Luther aus, der den Anspruch der kirchlichen Institution bestritt, über das Seelenheil der Gläubigen zu bestimmen. Sein Durchbruch zur persönlichen Verantwortung für den eigenen Glauben geschah in intensivem Bibelstudium und der Betonung der Hl. Schrift als einziger bindenden religiösen Autorität. Aus dem weiteren Kreis der Reformatoren ragt Johannes Calvin heraus – evangelische Kirchen unterscheiden sich meist in evangelisch-lutherische und evangelisch-reformierte.  

Evangelische Frömmigkeit (> Evangelisch (Was ist typisch evangelisch?) hat sich fortan an diesen beiden Brennpunkten der Bibelautorität und des persönlichen Glaubens entwickelt. Großes Gewicht bekam die Bibelauslegung im beständigen Suchen und Fragen nach der Aktualität ihrer Botschaft, sei es in der Predigt, sei es in der Unterweisung. An die Stelle einer zentralen kirchlichen Lehrautorität tritt die persönliche Verantwortung des Christen, der im Sinne eines „Priestertums aller Gläubigen“ seinen Glauben lebt und regelmäßig in der Gemeinschaft der Glaubenden feiert.
Das machte viele der bisherigen Traditionen überflüssig oder gar hinderlich, von der Marien- und Heiligenverehrung bis zu den Weihehandlungen. Von den Sakramenten blieben nur noch die Taufe und das Abendmahl in Brot und Wein, verbunden mit der Beichte. Das Kirchenwesen organisierte sich von den einzelnen Gemeinden her, in denen die gewählten Vertreter die Verantwortung haben. In den Territorien der damaligen Landesfürsten formierten sich zugleich die evangelischen Landeskirchen.


Folge solcher ‚evangelischen Freiheit’ und des ‚Priestertums aller Gläubigen’ ist, dass Ausdrucksformen der persönlichen und gemeinschaftlichen Frömmigkeit je neu gesucht und bewertet werden müssen. Immer wieder geht es dabei um die verantwortungsvoll zu klärenden Fragen, was für den Glauben an Jesus Christus wesentlich ist, was ihn bereichert und was ihn behindert.

Eine solche auf wenige Punkte gebündelte Zusammenschau zeigt uns, wie die einzelnen christlichen Konfessionen gewissermaßen die Hüter wichtiger Anliegen des Glaubens sind: in der Orthodoxie ist es die Anbetung Gottes als das Geheimnis unseres Glaubens, in der katholischen Tradition die Verantwortung für eine weltweite Christenheit mit einem reichen Schatz an überall wiederkehrenden und verpflichtenden Riten und Lehren, in der evangelischen Tradition der jeweils neue prüfende Blick auf das Wesentliche der biblischen Botschaft und der von ihr je neu zu gewinnenden Aktualität.

 

Ergänzungen: Zur Geschichte der christlichen Konfessionen und Gruppierungen: 

  • Nach Jesu Tod und Auferstehung blieb die Jerusalemer ‚Jesus-Gemeinde‘ Teil des Judentums, blieb auch mit ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Messias in die jüdische Tradition und Glaubenspraxis (wie Tempelgottesdienst, Speisegebote, Beschneidung) eingebunden.
  • Die Loslösung vom Judentum kam mit Paulus, der mit seiner Missionstätigkeit im hellenistisch-griechischen Kulturraum zu der Überzeugung gelangte, dass man nicht erst Jude werden müsse, um sich dann zu Jesus Christus zu bekennen.
  • Zunächst blieben die neugegründeten Gemeinden jeweils selbständig, dabei entwickelte sich das Bischofsamt als Amt der Gemeindeleitung.
  • Mit dem römischen Kaiser Konstantin wurde das Christentum zur Staatsreligion im römischen Weltreich. Der Bischof von Rom gewann immer mehr eine Vorrangstellung im westlichen Teil des römischen Reichs. Die römisch-katholische (katholisch = allgemein) Kirche entwickelte sich unter der Anerkennung des römischen Bischofs als Nachfolger des Apostels Petrus.
  • Mit der Verlagerung der Hauptstadt von Rom in das neugegründete Konstantinopel (heute Istanbul) rückte der besondere Charakter der christlichen Gemeinden und Gemeindeverbände im griechischen Raum in den Vordergrund. Deren Kennzeichen war das Festhalten an den möglichst ältesten Traditionen der christlichen Gemeinden (orthos = wahr, richtig). Große Bedeutung hat dabei das Feiern des Glaubens – gegenüber dem Gewicht der Lehre in der römisch-katholischen Kirche (doxazo = verehren, rühmen). Im Ostteil des römischen Weltreichs entwickelten sich so die griechisch-orthodoxen Traditionen (später ergänzt durch die Missionierungen im slawischen Raum (z.B. russisch-orthodox).
  • Zur ersten Kirchenspaltung kam es im Jahr 1054, indem sich der päpstliche Gesandte und der Patriarch der griechisch-orthodoxen Gemeinden gegenseitig mit dem Bannfluch belegten. Grund dazu waren zum einen das zunehmende Auseinandertriften der beiden Traditionen, zum anderen auch das Machtstreben auf beiden Seiten. Zur weiteren Entfremdung trugen nicht zuletzt die verheerenden Schäden bei, welche römisch-katholische Kreuzfahrerheere auf ihrem Weg nach Palästina unter den griechisch-orthodoxen Gemeinden anrichteten (1204). Schließlich fühlten sich die orthodoxen Christen 1453 von der römisch-katholischen Kirche im Stich gelassen, als das Heer der islamischen Türken Konstantinopel eroberte.
  • Mit der Reformation (1517 Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg) sagten sich viele Fürsten und Reichsstädte von der römisch-katholischen Kirche los, wurden evangelisch-lutherische Territorien, oder im Anschluss an den Genfer Reformator Jean Calvin bzw. an den Züricher Reformator Ulrich Zwingli evangelisch-reformiert. Der jeweilige Landesherr bestimmte auch die Konfession seiner Untertanen. Vertreibung Andersgläubiger aus dem Hoheitsgebiet waren deshalb an der Tagesordnung.
  • Vor allem mit der Vertreibung der evangelisch-reformierten Hugenotten aus Frankreich und ihrer Neuansiedlung in Deutschland rückten Lutheraner und Reformierte oft nahe zusammen. So ordnete z.B. der Preußische König den Zusammenschluss der evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Gemeinden zu einer evangelisch-unierten Kirche an. Alle diese drei evangelischen Kirchentypen sind heutzutage zusammengeschlossen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Früher bestandene Lehrstreitigkeiten mit der Verweigerung gegenseitiger Anerkennung gelten heute als überwunden.
  • Neben diesen großen evangelischen landeskirchlichen Konfessionen sind auch manche Splittergruppen entstanden, die sich nicht in die landeskirchliche Struktur fügten, z.B. die Mennoniten um den Reformator Menno Simons, die dann v.a. nach Nordamerika ausgewandert sind und dort ihre Gemeinden gründeten. Bei uns gibt es da v.a. die methodistischen und baptistischen Gemeinden. Dazu kommen in jüngster Zeit Gründungen sog. freier evangelischer Gemeinden.
  • Alle diese christlichen Konfessionen kooperieren in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK). Anstellung bei der Kirche bzw. einer Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft setzt in der Regel die Zugehörigkeit zu einer Kirche bzw. Gemeinde voraus, die auch in der AcK vertreten ist.
  • Davon zu unterscheiden sind religiöse Gruppierungen (früher Sekten genannt), die keine solchen Kontakte suchen, z.B. die Zeugen Jehovas, Scientologen, Mormonen usw. Ihr Merkmal ist, dass die Gründer solcher Religionsgemeinschaften sich auf spezielle Offenbarungen, d.h. von Gott eingegebene Schriften u.a. berufen, die ihnen besondere, unantastbare religiöse Autorität geben, der sich die anderen Mitglieder zu fügen haben.

 

Religionspädagogische Anregungen

  • Bei Besuchen evangelischer und katholischer Kirchen achten die Kinder auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
  • Kinder lernen wichtige Feste der Konfessionen kennen
  • Kinder erfahren, wie Menschen in anderen Religionen ihren Glauben leben
  • Beispiel zur orthodoxen Frömmigkeit: Erzählung ‚Besuch in der Ikonenwerkstatt‘.

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© 2017 Frieder Harz